So schlimm ist die Krise der ÖSV-Ski-Herren

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"Ja, wir haben ein Problem."

Andreas Puelacher brachte es auf den Punkt und sprach vor dem Weltcup-Wochenende in Wengen nicht lange um den heißen Brei herum.

Österreichs Ski-Herren befinden sich in einigen Disziplinen in der Krise. Die glorreichen Zeiten, als in sämtlichen Disziplinen ein Überangebot an Weltklasse-Athleten herrschte, sind längst vorbei.

In dieser Saison drängen sich nur wenige Athleten für die Weltmeisterschaften in Beaver Creek auf. In der einen oder anderen Sparte muss hinterfragt werden, ob es überhaupt Sinn macht, das Kontingent von vier Tickets (fünf, wenn man den Titelverteidiger stellt) auszuschöpfen.

LAOLA1 analysiert die schwierige Lage der ÖSV-Herren und deckt anhand der Ergebnisse schonungslos auf, in welchen Bewerben die heimischen Skirennläufer nur noch Mitläufer sind.

Anmerkung: Die Super-Kombination wurde nicht berücksichtigt, da bislang kein Bewerb stattfand und Wengen die Saison-Premiere bedeutet.

ABFAHRT

Die Königsdisziplin war lange Zeit ein Problemfall, inzwischen dürfte sich die eine oder andere Sorgenfalte auf der Stirn Puelachers wieder entspannt haben. In Santa Caterina sorgte Matthias Mayer als Zweiter nicht nur für den ersten Podestplatz, vier ÖSV-Herren in den Top-6 bewiesen überdies, dass die Mannschaft absolut konkurrenzfähig ist. Manko: Die Abfahrt stellt die einzige Disziplin dar, in der die heimischen Herren noch sieglos sind.

Im Hinblick auf die WM dürften Mayer und Hannes Reichelt (nie schlechter als Elfter) gesetzt sein. Gute Karten auf einen der beiden verbleibenden Plätze haben derzeit Romed Baumann, Max Franz und Otmar Striedinger, die in der Weltcup-Wertung die ÖSV-Ränge drei, vier und fünf einnehmen. Die beste Einzelplatzierung kann dabei Striedinger (Vierter in Santa Caterina) vorweisen.

Von der Rolle präsentierten sich bislang Klaus Kröll und Georg Streitberger, beide warten noch auf einen Top-10-Platz. Beide haben laut Status quo keine Berechtigung auf ein WM-Ticket, allerdings verbleiben mit Wengen und Kitzbühel noch zwei Chancen, sich in eine bessere Position zu hieven.

SUPER-G

Auch in der zweiten Speed-Disziplin haben sich Hannes Reichelt und Matthias Mayer einen Vorsprung gegenüber der teaminternen Konkurrenz erarbeitet. Beide können auf Podestplätze verweisen, Reichelt sorgte gar für den ersten - und zugleich einzigen - Sieg in Beaver Creek.

Doch auch in der Breite sind die heimischen Herren gut aufgestellt. Otmar Striedinger, Max Franz, Vincent Kriechmayr, Georg Streitberger und auch Romed Baumann können ein Top-8-Ergebnis vorweisen. Hier besteht für Puelacher und sein Trainer-Team die Qual der Wahl.

Erleichterung schaffen soll der Super-G in Kitzbühel, der noch einmal alles über den Haufen werfen könnte. Man erinnere sich nur an den 23. Jänner 2009, als Klaus Kröll völlig überraschend im Ski-Mekka triumphierte.

Jener Kröll zählt aktuell zu den größten Sorgenkindern im rot-weiß-roten Power-Team, das viel an Power eingebüßt hat. Der 34-Jährige hat in der laufenden Saison noch keinen einzigen Top-10-Platz zu Buche stehen.

<span style=\'color: #ffff00;\'>Lake Louise

<span style=\'color: #ffff00;\'>Beaver Creek

<span style=\'color: #ffff00;\'>Gröden

<span style=\'color: #ffff00;\'>Santa Caterina

Matthias Mayer

15

9

7

<span style=\'color: #ff0000;\'>2

Hannes Reichelt

9

8

11

6

Romed Baumann

25

21

17

5

Max Franz

18

7

18

30

Otmar Striedinger

33

25

37

4

Klaus Kröll

13

14

19

27

Georg Streitberger

41

31

15

16

RIESENTORLAUF

Das Rätselraten im Trainerstab ist angesichts der schwachen Saisonleistungen groß. Klar ausgenommen ist freilich Marcel Hirscher, der vier der fünf Bewerbe für sich entschied und "Mr. Riesentorlauf" Ted Ligety derzeit den Rang abläuft.

Durchaus beachtlich waren auch die Leistungen von Altmeister Benjamin Raich, der mit zwei vierten Plätzen in den Winter startete. Zuletzt zeigte der Tiroler jedoch einen klaren Abwärtstrend und verpasste zweimal die Top-10.

Dahinter wird's allerdings düster. Christoph Nösig hat zwei 16. Plätze zu Buche stehen, der vermeintliche RTL-Spezialist Phillip Schörghofer enttäuschte ebenfalls, mehr als Position 18 (Aare) war bislang nicht drin.

Gähnende Leere herrscht auch dahinter, in vier Bewerben sammelte aus dem Quartett Roland Leitinger, Matthias Mayer, Hannes Reichelt und Vincent Kriechmayr niemand mehr als zehn Zähler - insgesamt! Streng genommen dürfte der ÖSV nicht mehr als zwei Vertreter in den WM-RTL schicken, da sich alle weiteren Athleten eine Teilnahme aufgrund ihrer Leistungen nicht verdient haben.

<span style=\'color: #ffff00;\'>Lake Louise

<span style=\'color: #ffff00;\'>Beaver Creek

<span style=\'color: #ffff00;\'>Gröden

Hannes Reichelt

6

<span style=\'color: #ff00ff;\'>1

<span style=\'color: #ff0000;\'>3

Matthias Mayer

<span style=\'color: #ff0000;\'>2

17

DNF

Otmar Striedinger

4

21

10

Max Franz

5

DNF

12

Vincent Kriechmayr

18

DNF

4

Georg Streitberger

30

6

14

Romed Baumann

14

29

8

SLALOM

Es ist kaum zu glauben, doch im Slalom sieht es tatsächlich noch übler aus als im Riesentorlauf. Abgesehen von Titelverteidiger Hirscher, der zwei Siege sowie zwei weitere Podestplätze vorweisen kann, gab es bislang nichts Zählbares für den ÖSV.

Benjamin Raich dürfte mit einem 15. Platz gesetzt sein, zumal der nächstbeste Wolfgang Hörl verletzungsbedingt (Kreuzbandriss) ausfällt. Reinfried Herbst ist meilenweit von seinen Glanzzeiten entfernt und war ebenfalls noch nie besser als 15.

De facto nichts hat Olympiasieger Mario Matt vorzuweisen. Der zweifache Slalom-Weltmeister fiel in sämtlichen Bewerben aus, hat aber das Glück, sich in Wengen, Kitzbühel und Schladming weiter beweisen zu können.

Doch selbst im "worst case", sprich weiteren Ausfällen, hat der 35-Jährige sein Ticket für Beaver Creek wohl sicher. In Teilzeiten konnte er beweisen, dass er - sofern er einmal durchkommt - jederzeit um einen Podestplatz mitfahren kann. Auch wenn seine Ausfall-Quote exorbitant hoch ist, würde es aus Verbandssicht mehr Sinn machen, ihn ohne Ergebnis in den Medaillenkampf zu schicken, als jemanden, der zwar ein paar Pünktchen sammelte, jedoch keine Möglichkeit auf Edelmetall hat.

<span style=\'color: #ffff00;\'>Sölden

<span style=\'color: #ffff00;\'>Beaver Creek

<span style=\'color: #ffff00;\'>Aare

<span style=\'color: #ffff00;\'>Alta Badia

<span style=\'color: #ffff00;\'>Adelboden

Marcel Hirscher

<span style=\'color: #ff00ff;\'>1

<span style=\'color: #ff0000;\'>3

<span style=\'color: #ff00ff;\'>1

<span style=\'color: #ff00ff;\'>1

<span style=\'color: #ff00ff;\'>1

Benjamin Raich

4

4

7

13

20

Christoph Nösig

19

16

DNQ

16

19

Philipp Schörghofer

25

23

18

21

25

FAZIT

Teilweise ist es ein wahres Trauerspiel, das sich derzeit abspielt. Vor allem in den technischen Disziplinen hat der ÖSV - mit wenigen Ausnahmen - den Anschluss an die Weltspitze verloren. Marcel Hirschers Erfolge kaschieren viele Problemzonen, hinter dem Salzburger tut sich eine Riesenlücke auf.

Während beispielsweise in der Saison 2000/01 in sämtlichen Disziplinen mehr ÖSV-Läufer am Podest standen, als WM-Startplätze zur Verfügung waren, drängen sich 2014/15 nur die wenigsten für eine Einladung in die Vereinigten Staaten auf.

Der ÖSV hat ein Nachwuchsproblem, das sich nicht von heute auf morgen lösen lässt. Andreas Puelacher muss ausbaden, was seine Vorgänger verabsäumt haben. Es ist zwar davon auszugehen, dass Österreich in allen Bewerben das Kontingent ausschöpfen wird, hinterfragenswert ist es dennoch, da manche Starter von vornherein nicht den Hauch einer Medaillenchance haben.


Christoph Nister

<span style=\'color: #ffff00;\'>Levi

<span style=\'color: #ffff00;\'>Aare

<span style=\'color: #ffff00;\'>Madonna

<span style=\'color: #ffff00;\'>Zagreb

<span style=\'color: #ffff00;\'>Adelboden

Marcel Hirscher

<span style=\'color: #ff0000;\'>2

<span style=\'color: #ff00ff;\'>1

7

<span style=\'color: #ff00ff;\'>1

<span style=\'color: #ff0000;\'>3

Benjamin Raich

15

DNF

18

DNF

21

Wolfgang Hörl

27

18

DNQ

19

-

Reinfried Herbst

DNF

20

DNF

DNF

15

Mario Matt

DNF

DNF

DNF

DNF

DNF

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