"In jeder Disziplin Medaillen-Kandidaten haben"

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Andreas Puelacher ist Mathias Berthold als Sportlicher Leiter von Österreichs Ski-Herren nachgefolgt.

Unter Berthold wurden in vier Jahren drei Mal der Weltcup-Gesamtsieg sowie elf Medaillen geholt. Puelacher weiß, dass die Latte hoch liegt, aber auch "Baustellen" offen sind.

"Wir haben eine intakte und gute Mannschaft. Ich bin zuversichtlich und froh, wenn wir den Level halten."

Puelacher will das zumindest in jenen Bereichen sichern, in denen es zuletzt ohnehin gut lief. Dass der Tiroler zum Nachfolger von Berthold bestellt wurde, ist freilich kein Zufall.

Puelacher der Erfolgscoach

Denn an den Siegen und Medaillen hat der 50-Jährige aus Oberhofen im Inntal als langjähriger Coach der Riesentorlauf-Kombi-Gruppe großen Anteil.

Mit Kitz-Gewinner Hannes Reichelt und Olympiasieger Matthias Mayer gewannen zuletzt Fahrer aus seiner (Technik-)Gruppe die beiden wichtigsten Saisonabfahrten. Auch Routinier Benjamin Raich gehört zu der Mannschaft, die nun von Florian Raich gecoacht wird.

Wirklich widerstehen konnte der seit über 25 Jahren im Trainergeschäft agierende Routinier dem Angebot, "Nationaltrainer" zu werden, nicht.

Nachdem mit der Familie alles geklärt war, stürzte sich Puelacher sofort ins Geschäft. Das im Frühjahr zunächst ein reiner Bürojob war. "Aber grundsätzlich bin ich schon noch mehr Trainer als Manager."

"Matthias hatte Glück im Unglück"

Mittlerweile hat Puelacher mit dem ehemaligen ÖSV-Damen-Abfahrtschef Jürgen Graller einen Nachwuchs-Koordinator installiert und war bei den Trainings von Chile bis Sölden selbst live dabei.

Der erste Rückschlag ließ freilich nicht allzu lange auf sich warten. Nach einem verletzungsfreien Sommer zog sich ausgerechnet Olympiasieger Mayer im Training im Pitztal einen Innenbandeinriss im rechten Knie zu.

"Vor Verletzungen ist man nie gefeit. Aber Matthias hatte noch Glück im Unglück", hofft Puelacher, dass der Kärntner bei der Nordamerika-Tournee schon wieder dabei sein kann.

Trotz der Erfolge der vergangenen Jahre hat Puelacher einige "Baustellen" aufzuräumen. So vor allem im Abfahrtsbereich.

Ob Fehler gemacht wurden und bei Österreichs Abfahrern technische Mängel bestehen, möchte Puelacher nicht kommentieren. "Burkhard Schaffer hat halt versucht, sie über möglichst viele Abfahrtskilometer in Form zu bringen."

Riesentorlauf-Training für Speed-Fahrer

Florian Winkler soll als Schaffer-Nachfolger mit einer allesamt aus staatlich geprüften Skilehrern bestehenden Trainer-Crew ein technik-lastiges Kontrastprogramm aufziehen und baut freies Skifahren und Telemarking ins Training ein.

Winklers Herangehensweise deckt sich mit jener von Puelacher. Ein Mayer oder ein Aksel Lund Svindal hätten gezeigt, dass viele Riesentorlauf-Kilometer auch in der Abfahrt schnell machen.

Auch ÖSV-Speed-Ass Max Franz forciert deshalb nun den "Riesen". "Die Kurven werden immer enger. Nur geradeaus fahren, das ist nicht mehr", hat auch die Kärntner "Wildsau" längst erkannt.

Um absehbare Probleme im Slalom zu vermeiden, will Puelacher schon jetzt die Weichen stellen.

Denn nach Manfred Pranger droht im Frühjahr auch der Abgang von Olympiasieger Mario Matt und Reinfried Herbst, auch Raichs Abschied ist nicht mehr fern.

Ein Auge für den Nachwuchs

Um danach nicht längerfristig nur mit Marcel Hirscher und Manuel Feller reüssieren zu müssen, soll Slalom-Chef Marco Pfeifer Workshops abhalten, um den roten Faden bis ganz nach unten zu garantieren.

Puelacher: "Wir werden ab 2015 im Slalom womöglich nicht mehr alle Startplätze ausfüllen. Mit Hirscher und Feller werden wir aber doch Läufer haben, die vorne mitfahren."

Hier kommt Nachwuchs-Koordinator Graller wieder ins Spiel. Er soll sicherstellen, dass die jungen Athleten nach ÖSV-Vorgabe ausgebildet werden bzw. nicht verloren gehen.

Auch Läufer, die nicht mehr im ÖSV sind, sollen deshalb wieder eine Chance bekommen und wochenweise integriert werden. Puelacher: "Man muss den Jungen die Chance geben, sich zu entwickeln."

Bei der Betrachtung müsse man aber auch berücksichtigen, dass der ÖSV viele verletzte Nachwuchsleute hatte und einige Läufer deshalb auch zurückkehren. "Ganz schwarz malen dürfen wir also nicht."

Skifahren nicht mehr "in"?

Dass der alpine Skirennsport dennoch ein zunehmendes Nachwuchsproblem hat, ist für Puelacher kein Tabu, aber auch kein österreichspezifisches Phänomen.

Große Gondel-Anlagen, vorgeschriebene Absperrungen, teure Netze usw. seien für das Nachwuchs-Training nicht ideal. Zunehmend fehlen dafür kleine Liftanlagen, dank der intensive Umläufe und Trainings-Umfänge erzielt werden können, am besten auch noch solche mit Flutlicht.

"Die großen Skigebiete sind nicht so interessiert an Anlagen, wo man nach der Schule noch schnell zwei Stunden Skifahren gehen kann", lautet der Alarmruf von Puelacher.

Die Nordländer hätten es da leichter. "Ein Henrik Kristoffersen hat gerade mal drei Minuten bis zum Schlepplift."

"Wir brauchen Benni"

Umso mehr freut es Puelacher deshalb, dass Benjamin Raich weiterfährt, obwohl der Pitztaler im kommenden Februar bereits 37 Jahre alt wird.

"Er ist motiviert und ehrgeizig wie ein 20-Jähriger", schwärmt Puelacher vom Doppel-Olympiasieger. Der Coach ist überzeugt, dass Raich weiter mithalten kann.

"Wenn er seine Chance sieht, dann packt er sie auch. Ich persönlich bin froh, dass er weiterfährt. Wir brauchen Benni. Er ist immer noch eine Persönlichkeit und ein super Skifahrer. Er kann noch was bringen."

Gedanken an ein Scheitern seien natürlich da, gab Puelacher zu. "Ich kann aber nicht mehr tun, als vollen Einsatz und qualitativ gute Arbeit abzuliefern. Runterfahren tun immer noch die Herren Athleten."

"In jeder Disziplin Medaillenkandidat sein"

Druck kennt Puelacher. "Den hatte ich als Gruppentrainer auch, siehe Sotschi."

Die Ziel seiner ersten Saison als Chef liegen auf der Hand. "Marcel Hirscher ist sicher wieder ein heißer Kandidat auf den Weltcup-Gesamtsieg, so fit wie er ist und wie akribisch er trainiert."

Puelachers Ziel für die WM im Februar 2015 in Vail/Beaver lautet: "Wir müssen hin kommen und in jeder Disziplin Medaillenkandidaten sein, am besten mit mehreren Läufern."

"Die Last sollte auf mehrere Schultern verteilt sein. Nur in der Super-Kombi sehe ich da derzeit keine so richtige Schulter."

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