Theorie statt Praxis

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Video-Studium statt Training für ÖSV-Damen

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Für viele Rennläuferinnen war das erste und einzige Training auf der "Kärnten - Franz Klammer" in Bad Kleinkirchheim nicht mehr als ein Abtasten - das muss aber reichen.

Sturmtief "Andrea" verhinderte den zweiten Zeitlauf am Freitag.

Ungeachtet der schlechten Prognose für Samstag bereiteten sich die ÖSV-Läuferinnen auf einen Start in der technisch anspruchsvollen Weltcup-Abfahrt vor, betrieben intensives Videostudium und suchten nach Lösungen für das Bewältigen der ersten zwei aus der Richtung gesteckten Tore.

"Flogen herum wie Papiersackerl"

Der Sturm war in der Nacht auf Freitag mit bis zu 130 km/h über Bad Kleinkirchheim gefegt, die Weltcup-Piste präsentierte sich zwar nach wie vor in gleich gutem Zustand, jedoch hatten die Sicherheitssysteme Schäden genommen.

Sogar Stützstangen der Zäune brachen. "Die Airfence flogen im Zielraum wie Papiersackerl herum. Es wird alles gemacht werden für ein Rennen, und darauf stellen wir uns ein", sagte Österreichs Damen-Rennsportleiter Herbert Mandl, dessen Schützlinge sich den Tag auch mit Konditionstraining vertrieben.

Läuferinnen blitzen ab

Bereits am Donnerstag studierten die Läuferinnen intensiv die Videos der ersten Fahrten und tüftelten an einem Rezept für die ersten zwei Tore.

Wie die Trainingsschnellste Anna Fenninger erzählte, sei Athletensprecherin Lara Gut aus der Schweiz nach dem Sammeln von Rückmeldungen zu FIS-Renndirektor Atle Skaardal gegangen und habe das Anliegen, man möge die Tore doch um jeweils einen Meter versetzen, vorgetragen.

Dieser lehnte ab, er sah keinen Grund dafür, weil es um die Kurssetzung gehe und nicht etwa die Sicherheit oder Präparierung.

Start-Passage gibt Rätsel auf

Tatsächlich wird mit dieser Setzung die Geschwindigkeit im berüchtigten Klammer-Stich eingebremst, optisch sieht das natürlich zum Leidwesen der Rennfahrerinnen nicht gut aus.

"Ich habe eine Lösung im Kopf und werde schauen, wie ist es umsetze", sagte Andrea Fischbacher, die am Donnerstag die neuntbeste Zeit aufgestellt hatte.

Auf dem Papier existieren bereits Vorschläge von Ideallinien, wie auf einem Flip-Chart in einem Besprechungszimmer der ÖSV-Damen im Hotel Kärntnerhof zu sehen war.

Fenninger hat noch Reserven

Fenninger hätte sich wie viele ein zweites Training gewünscht, sie fand die Absage aber nicht so tragisch, weil es für alle gleich sei.

"Man muss positiv bleiben. Es sind auch nicht viele Läuferinnen hier, die 2006 gefahren sind. Und außerdem soll die Abfahrt dieses Mal ganz anders sein", sagte die Salzburgerin, die im Lienz-Riesentorlauf vor dem Jahreswechsel ihren ersten Weltcupsieg gefeiert hat.

"Die Strecke taugt uns allen. Es sind einige Sachen, die zu verbessern sind. Ich kann rennfahrerisch schon noch was zulegen, ich bin relativ viel aufrecht gefahren. Die Kurven bin ich aber voll gefahren, ich bin in relativ guter Form, da habe ich mir leichtgetan."

Von einem Sieg in der Abfahrt, meinte Fenninger, sei sie in der Vergangenheit zwar "weit weg" gewesen, aber natürlich trainiere sie in Richtung Podium.

Görgl weiß, was zu tun ist

Genau wie Weltmeisterin Elisabeth Görgl, die in diesem Winter als Dritte in Lake Louise auf das Stockerl gefahren ist.

"Ich weiß vom Videostudium, was ich machen muss. Ich wollte das heute tun, nun halt morgen", sagte die Steirerin, die wie Fenninger glaubt, dass die Kurven vor dem Gleitstück die Entscheidung bringen werden.

"Wenn man oben hinten ist, hat man keine Chance, dass man das aufholt", meinte Görgl.

Top-Favoritin mit gesundheitlichen Problemen

Die 2006 in Bad Kleinkirchheim ausgetragenen Abfahrten haben die Kroatin Janica Kostelic und die Schwedin Anja Pärson gewonnen, Michaela Dorfmeister war Zweite und Dritte geworden.

Top-Favoritin am Samstag ist Lindsey Vonn, die alle vier Speedrennen im laufenden Winter gewonnen hat. Allerdings laboriert die US-Amerikanerin an Magenproblemen und hat sich tagelang nur von Brot und Suppe ernährt.

Noch schlechter geht es der Deutschen Maria Höfl-Riesch, die bis Montag wegen einer fieberhaften Erkältung Sportverbot erhielt und passen muss.

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