ÖSV-Teams mit Nachholbedarf beim Siegen

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Österreich Alpinskiteams kommen als Nummer-eins-Nation in allen Teamwertungen von der Nordamerika-Tournee 2011 in Kanada und den USA zurück nach Europa.

In den Einzelwertungen liegt allerdings außer Aspen-Siegerin Marlies Schild im Slalom kein einziger ÖSV-Vertreter in Front.

Dominierende Nation an Siegen ist eindeutig die USA, die acht der bisher 15 Saisonrennen und damit mehr als die Hälfte gewonnen haben.

Vonn als Zugpferd

Sieben der acht Triumphe gehen freilich auf das Konto der beiden Seriensieger Lindsey Vonn und Ted Ligety.

Vonn gewann nach dem Sölden-RTL alle vier Speedrennen in Nordamerika, Ligety legte nach Sölden ein Mal in Beaver Creek nach.

Den achten Sieg steuerte Bode Miller in der Abfahrt der Mini-WM in Beaver Creek bei, die aufgrund der Absage in Val d'Isere diesmal gleich über zehn Tage auf dem aggressiven und "elastischen" Nordamerika-Schnee in Szene ging.

Auffallend: Während es bei den Herren in acht bisherigen Saisonrennen sieben verschiedene Sieger gab - nur Ligety siegte zwei Mal - haben bei den Damen außer Vonn (5 Siege bei 6 Starts) nur Schild und die Deutsche Victoria Rebensburg gewonnen.

Berthold sieht "nichts dramatisches"

Bei Vonn und Ligety hakte auch ÖSV-Herrenchef Mathias Berthold ein.

"Beide waren schon im Vorjahr Seriensieger, Miller zeigt das eine oder andere Mal auf. Sonst sehe ich da nichts dramatisches", wollte der Vorarlberger den Sensationsstart der Amerikaner nicht überbewerten.

"Die Amis sind gut, aber auch nicht so gut, wie alle tun. Wir sind auch gut", wollte Berthold festgehalten wissen.

Konter auf US-Artikel

Auf den bemerkenswerten Ski-Artikel im New Yorker "Wall Street Journal" (WSJ) reagierte Berthold sogar empfindlich.

"Hochmut kommt vor dem Fall, mehr muss man dazu nicht sagen", kommentierte er trocken die Story, in der die USA als "neues Österreich" und die Gefährlichkeit der rot-weiß-roten Ski-Superpower auf das Niveau von "zwei Teller Spätzle" reduziert wurde.

Österreichs Fahrer wie Manfred Pranger ("Von solchem Hickhack lebt doch der Sport") oder Benjamin Raich ("Die Saison geht doch jetzt erst so richtig los") nahmen es aber gelassen.

Berthold will Potenzial abrufen

Bertholds eigene Bilanz fiel durchwachsen aus. "Die Highlights waren sicher Marcel Hirscher und Hannes Reichelt", so der Chefcoach, der insgesamt das Nordamerika-Abschneiden als "alles in allem okay" bezeichnete.

Und gleich nachsetzte: "Ich bin stolz auf das Team, aber die Mannschaft hat sicher ein größeres Potenzial. Vor allem die Arrivierten können mehr. Das müssen wir jetzt sofort in Gröden und Alta Badia abrufen."

Wissen um Stärke

Denn, so Berthold: "Man erwartet immer mehr. Speziell wenn man seine Athleten kennt und weiß, was sie leisten können."

Er hoffe daher, dass seine Asse nun in Europa "richtig Gas geben, damit wir in den Rennen bis Weihnachten richtig gut sind."

US-Chef beeindruckt

Hochzufrieden bilanzierte hingegen Bertholds Landsmann Patrick Riml. Der Tiroler ist seit diesem Jahr Alpinchef der US-Amerikaner.

"Wahnsinn, dieser Anfang. Ich bin beeindruckt, wie unsere Athleten auf den Tag genau ihre Topleistungen bringen", freute sich der Söldener. Grund für die Frühform sind laut Riml zwei Dinge.

"Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut, zudem hatten wir ein hervorragendes Sommertraining."

Riml hofft natürlich sehr, dass es nun in Europa so weitergeht. "Zumindest haben uns die bisherigen Erfolge sehr viel Selbstvertrauen gegeben."

Mangel an Dichte

Den Artikel im "WSJ" kommentierte Riml naturgemäß positiver.

Sein einziger "Kritikpunkt": "Der Autor hat nur auf die Zahl der Siege geschaut. Wir haben mit Michaela Shiffrin, Nolan Kasper, Will Brandenburg usw. zwar auch einige gute Junge, aber eine Dichte wie Österreich oder die Schweiz bei weitem nicht", schwächte Riml ab.

Prinzipiell sei der Artikel in der auflagenstärksten Zeitung der USA aber natürlich super.

"Das hilft uns enorm, wenn auf diese Weise die ganze Nation erfährt, dass wir erfolgreich sind."

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