Grugger: Das rechte Bein verhindert ein Comeback

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Er wollte kein zweiter Daniel Albrecht werden. Und der Konkurrenz hinterher fahren.

Deshalb zog Hans Grugger am Dienstag in Innsbruck einen Schlussstrich.

15 Monate nach seinem Horror-Sturz im Training für die Kitzbühel-Abfahrt erklärte der 30-Jährige seinen Rücktritt vom aktiven Sport.

"Ich kann alles machen"

Am Montag informierte er Herren-Chef Mathias Berthold über seine Entscheidung, die er bereits vor geraumer Zeit getroffen hat.

Schwergefallen ist es ihm nicht, erzählt der sympathische Wintersportler.

„Nein, es war nicht schmerzhaft für mich. Ich kann immer noch frei Skifahren und wieder alles machen. Da ist es nur ein relativ kleines Problem, dass ich in Zukunft keine Rennen bestreiten kann“, ist Grugger heilfroh und dankbar, „dass es mir so gut geht“.

Keine Chance gegen die Besten

Ausschlaggebend für den Rücktritt waren die anhaltenden Probleme mit dem rechten Bein.

„Es wurde in den letzten Monaten nicht besser beziehungsweise hat sich nichts geändert, der Körper hat mir gezeigt, dass es nicht mehr geht. Ich kann nicht mehr mit den Besten der Welt mitfahren!“

Zwar haben ihm die ÖSV-Ärzte die Chance zur Besserung der Situation in Aussicht gestellt, der Zeitraum ist aber aus medizinischer Sicht nicht vorhersehbar.

"Team verliert ganz tollen Menschen"

Deshalb die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt und also vor Beginn der ersten Kondi-Kurse Ende April.

ÖSV-Sportdirektor Hans Pum, der Grugger seit einer kleinen Ewigkeit kennt, ist „glücklich und traurig“ über die Entscheidung.

„Traurig, weil eines der größten Abfahrtstalente der letzten Jahre seinen Rücktritt erklärt. Glücklich, dass Hans nach seinem Horror-Sturz die Entscheidung frei treffen kann.“

Und Chef-Trainer Berthold ergänzt: „Unser Team verliert einen super Sportler und einen ganz tollen Menschen, der nicht nur in der Öffentlichkeit ein absoluter Sympathieträger war“, ist auch der Vorarlberger froh, dass es seinem jetzt Ex-Schützling mittlerweile wieder so gut geht.

Trainerprüfung und Skilehrer

Vor einigen Wochen war Grugger zum Heli-Skiing in Kanada, was die Zukunft bringt, darüber hat er sich noch keine Gedanken gemacht.

„Bis zuletzt habe ich gehofft, dass das mit dem Rennsport doch noch etwas wird.“

Jetzt möchte er sich einmal seinem großen Hobby, der Fotografie, widmen.

Zwei Fixpunkte für die nächsten Monate gibt es aber dann doch: „Ich möchte die Trainerprüfung und den staatlichen Skilehrer absolvieren.“

Sportliche und emotionale Highlights

Beides sollte für einen vierfachen Weltcupsieger kein Problem sein. Die vier Erfolge – zwei in der Abfahrt und zwei im Super-G – sind es auch, die Grugger bleibend in Erinnerung bleiben werden.

„Das waren absolute Highlights, jeder Erfolg für sich, vor allem aber mein erster Sieg in Bormio.“

Aber auch das erste Mal auf Skiern, 265 Tage nach seinem kapitalen Crash in der Mausefalle, hat sich auf der Festplatte eingebrannt. „Zwar nicht aus sportlicher, aber aus emotionaler Sicht.“

Die Freundin ist nicht beleidigt

Emotionale Stunden, Tage und Wochen hat nach dem folgenschweren Sturz auch Gruggers Freundin Ingrid Rumpfhuber erlebt.

„Ich bin nicht beleidigt, dass er keine Rennen mehr fährt. Ich hätte mir sicher schwer getan, wenn er wieder in Kitzbühel am Start gestanden wäre“, so die ehemalige Weltcup-Läuferin, der es aber wichtig war, dass ihr Lebensgefährte die Entscheidung selbst trifft.

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