Klaus Kröll und der Traum vom Klassiker-Double

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Rechtzeitig zum Start der Speed-Saison meldete sich Klaus Kröll zurück – als Vorläufer!

Den machte der Steirer in den beiden FIS-Abfahrten in Copper Mountain vor der Abreise nach Lake Louise.

Im zweiten Downhill wäre er mit seiner Zeit hinter Sieger Peter Fill aus Italien Zweiter geworden.

Die Erleichterung war riesig: „Bis jetzt bin ich nur hinterher gefahren. Aber da waren schon wieder ein paar Schwünge dabei, wie sie besser nicht hätten sein können“, jubelte Kröll vor der Weiterreise ins kanadische Lake Louise, wo am Wochenende eine Abfahrt und ein Super-G auf dem Programm stehen.

Probleme und Schmerzen

Nach der Ankunft im US-Speedcenter, wo sich die ÖSV-Abfahrer auf ihren Weltcup-Auftakt vorbereitet haben, war die Stimmung des „Bullen aus Öblarn“ noch nicht ganz so euphorisch.

Neben den Folgen seines komplizierten Fußwurzelbruchs, den er sich bei einem Motocross-Sturz im vergangenen April zugezogen hatte, machten Kröll zuletzt auch Rücken- und Knochenschmerzen zu schaffen.

Während seine Teamkollegen bereits im Sommer-Camp in Chile unzählige Speed-Kilometer sammelten, humpelte der Gewinner der kleinen Kristallkugel in der Abfahrt daheim auf Krücken durch die Gegend.

Erst Anfang Oktober konnte er die ersten Schwünge in den Schnee ziehen.

Skischuh wie ein Gips

„Das war auf der einen Seite eine Befreiung, auf der anderen aber auch extrem mühsam. Nach sechs Monaten ohne Ski-Tag geht nichts mehr automatisch, ich musste alles neu lernen“, war es für Kröll keine leichte Aufgabe, sich in Geduld üben.

„Es hat eine Zeit lang gedauert, bis ich meinen Rhythmus wieder gefunden habe, aber jetzt bin ich bereit“, lässt er seine Gegner wissen.

Kampfansagen vermeidet der sechsfache Weltcup-Sieger im Gespräch mit LAOLA1 aber genauso wie längere Strecken zu Fuß.

„Beim Gehen spüre ich die Verletzung nach wie vor, Laufen geht gar nicht. Im Skischuh ist es zum Glück besser, der wirkt wie ein Gips“, bietet die steife Schale dem lädierten Fuß Schutz und Stützung.

"Die Jungen geben Gas!"

Einen wichtigen Unterstützer in Sachen Ski-Tests hat Klaus Kröll im Sommer verloren: Romed Baumann wechselte von Salomon zu Blizzard.

„Schade, denn wir haben gut zusammengearbeitet“, findet der Steirer. „Aber ich habe genug Routine, um zu wissen, was mir taugt“, hat er sein Set-Up für den WM-Winter bereits gefunden.

Auch dank der Mithilfe seiner jungen Markenkollegen Johannes Kröll und Frederic Berthold.

„Die geben ordentlich Gas und wollen den Alten wie mich ständig biegen“, lacht Kröll, „aber das war bei mir nicht anders. Ich wollte auch immer Bestzeiten fahren!“

Klassiker-Double im Visier

Wenn er es sich aussuchen könnte, würde er die Bestzeiten in dieser Saison am liebsten bei den Klassikern in Kitzbühel („Der Abfahrtssieg ist so viel wert wie ein WM-Titel!“) und Wengen fahren. „Das Double wäre überhaupt ein Wahnsinn.“

Dass mit Didier Cuche der „Mr. Kitzbühel“ aufgehört hat, macht es auf der Streif aber nicht unbedingt einfacher, weiß Kröll, der als Dritter im vergangenen Winter knapp dran war.

„Kitzbühel ist nach wie vor mehr als nur die Gegner. Nur weil Didier nicht mehr dabei ist, wird der Berg nicht leichter zu bezwingen.“

WM ist noch kein Thema

Keine einfache Sache wird auch die Heim-Weltmeisterschaft auf der Planai.

Die war im Sommer, als Klaus Kröll bei seinem Helm-Sponsor vorbeischaute, mehr Thema als jetzt.

„Wenn man im Planai-Büro sitzt, schaut man automatisch raus aufs Zielstadion. Aktuell ist die WM sehr weit weg, aber ich werde jede freie Minute nützen, um auf der Planai zu trainieren.“

 

Stephan Schwabl

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