Eder Senior schickt positive Energien nach Russland

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LAOLA1: Wie bauen Sie ihn nach Misserfolgen wieder auf?

Eder: Ein paar tröstende Worte sind sicher dabei, aber im Endeffekt reagiert er eher nüchtern, das hat man auch gestern gehört. Der Schießfehler war von ihm, hat er gesagt, und daran ist die Medaille gescheitert. Es bricht jetzt nicht die Welt zusammen. Die Leistungen waren sehr gut und im Grunde genommen muss man mit einem vierten Platz bei den Olympischen Spielen zufrieden sein.

LAOLA1: Wie geht es einem damit als Vater, wenn man mitzittert und es dann nicht reicht?

Eder: Logischerweise ist man nervös und probiert, positive Energien nach Russland zu schicken. Das hat ja fast funktioniert. (schmunzelt)

LAOLA1: Auf der anderen Seite ist man Trainer, sieht man das dann nüchterner?

Eder: Normalerweise weiß man als Trainer sofort, ob es reicht oder nicht. Nur im Einzel war ich der Meinung, es reicht für eine Medaille, da Erik Lesser läuferisch recht weit hinten war in der ersten Runde. Aber er hat mit vier Nullern und einer guten Laufleistung zurück ins Rennen gefunden. Beim letzten Schießen von Lesser war es dann klar, dass es wieder nicht reichen würde. Man verdaut das aber. Ich war ja selbst lange aktiv. Ein, zwei Stunden später oder spätestens nach einem Tag muss man das verarbeitet haben, sonst kann man das nächste Rennen nicht wieder von vorne beginnen.

LAOLA1: Können Sie die beiden Rollen als Vater und als Trainer voneinander trennen?

Eder: Wir haben einen sehr lockeren Umgang. Je älter die Sportler werden, umso mehr bringen sie sich selbst ins Training ein. Auch wenn die Vorgaben vom Trainier wichtig sind, sind auch viele Gespräche über das ganze Jahr hinweg nötig, die wir im Leistungszentrum Hochfilzen, unserem Haupttrainingsort, führen.

LAOLA1: Was wird denn so besprochen?

Eder: Auf der Loipe muss jeder für sich alleine entscheiden, das geht allen gleich. Im Verfolger ist Simon ganz knapp hinter Martin Fourcade gestartet und wir haben gewusst, dass er den Schießstand sehr schnell anläuft. Aber die Dramaturgie des Rennens ergibt immer neue Situationen, da braucht man gar nicht allzu viel vorher besprechen. Das muss der Athlet intuitiv während des Bewerbes selbst entscheiden.

LAOLA1: Stehen Sie derzeit mit ihm Kontakt?

Eder: Ja, logischerweise. Man ist in telefonischem Kontakt, aber nicht übertrieben viel, das ist auch nicht nötig. Wir sind ansonsten sowieso fast das ganze Jahr beim Training zusammen.

Er kennt Biathlet Simon Eder so gut wie wohl kein anderer: Der Papa, Alfred Eder.

Der 60-Jährige kann auf eine 20-jährige Karriere als Biathlet zurückblicken, während dieser er sechs Mal an Olympischen Winterspielen teilnahm (ÖOC-Rekord), zweimal Bronze bei Weltmeisterschaften gewann und sich damit zum erfolgreichsten Biathleten seiner Zeit kürte.

Nachdem er 1995 die Karriere beendete, blieb er dem Biathlonsport weiter als Trainer erhalten. Eder Senior war zunächst als Schüler- und Jugendtrainer tätig, von 2005 bis 2012 coachte er erfolgreich das ÖSV-Team  - 2010 gab es bei Olympia Silber in der Staffel (in der Besetzung Simon Eder, Daniel Mesotitsch, Dominik Landertinger und Christoph Sumann) sowie in der Verfolgung durch Sumann. Auch aktuell ist Alfred Eder als Übungsleiter tätig, unter anderem trainiert er weiter mit seinem Sohnemann.

Im LAOLA1-Gespräch schätzt er die Leistungen des ÖSV-Teams  - insbesondere seines Sohnes - ein und erklärt, warum er froh ist, in Sotschi nicht dabei zu sein.

LAOLA1: Was sagen Sie zu Simons Leistungen bei Olympia bislang?

Alfred Eder: Die Leistungen waren sehr gut. (lacht). Es war nun bereits das fünfte Mal (Eder hat nun schon fünf Top-Acht-Plätze bei Olympischen Spielen gesammelt, Anmerk.), dass das Glück nicht auf seiner Seite war.

LAOLA1: Also liegt es nur am Glück, dass es noch nicht zu einer Medaille gereicht hat?

Eder: Im Endeffekt hat er bei den letzten beiden Bewerben herausragende Leistungen gezeigt, ebenso wie Landi auch. Im Einzel war es wieder so knapp, dass es sich gerade nicht ausgegangen ist. Natürlich wäre es schöner, wenn eine Medaille dabei gewesen wäre, aber damit muss man auch umgehen können.

LAOLA1: Wie kommt Simon damit zurecht?

Eder: Er erlebt das ja schon zum dritten Mal und hat wieder mit einem guten Rennen bewiesen, dass er damit umgehen kann. Ich hoffe, dass er die Spannung zum Massenstart hin aufrechterhalten kann. Danach ist eine längere Pause bis zur Staffel und mehr Zeit für Erholung. Im Endeffekt hat man gesehen, dass man null Fehler schießen muss für eine Medaille und bei Landertinger hat noch nicht einmal das gereicht. Es ist einfach seit längerer Zeit schon eine unglaubliche Dichte im Biathlon.

LAOLA1: Welche Tipps haben Sie für ihn?

Eder: Das ist relativ einfach, der Tag nach dem Wettkampf dient der Regeneration, danach erfolgt leichtes Training und dann ist eh schon wieder das nächste Rennen. Das ist wie in Vancouver.

LAOLA1: Sind Sie traurig, dass Sie nicht dabei sind?

Eder: Eigentlich nicht, ich war ja so lange dabei. Mittlerweile bin ich froh, wenn ich daheim bin. Ich stehe ja momentan auch in Hochfilzen am Schießstand und trainiere Julian Eberhard, der Montag nach Sotschi fliegt, und einige andere Sportler. Für mich ist das kein Problem mehr, es aus der Ferne zu beobachten. Bei einigen Weltcups bin ich aber dabei, wie in Hochfilzen oder Ruhpolding.

LAOLA1: Welche Erwartungen haben Sie an den Massenstart?

Eder: Es ist das vierte Rennen und ich weiß aus der Erfahrung vieler Großveranstaltungen, dass man hoffen muss, dass die Sportler die brutal schweren Rennen verkraften und keinen Einbruch haben. Und dass es läuferisch auch am Sonntag noch gut ist, dann ist wieder viel möglich. Aber im Endeffekt hat man gesehen, dass man höchstens einen Fehler schießen darf, wenn man eine Medaille erreichen will.

LAOLA1: Wie stehen die ÖSV-Chancen im Hinblick auf die Staffel?

Eder: Ich glaube, dass die Staffel-Chancen nach wie vor intakt sind. Die Franzosen sind mannschaftlich sicher die Stärksten, aber man sieht, dass auch viele Teams, wie die Russen, im Kollektiv Probleme haben. Die Deutschen präsentieren sich auch nicht so, dass man sagt, jeder rennt sehr gut. Unsere Athleten werden es sich in der Mixed-Staffel drei Tage vorher auslaufen, wer neben Simon Eder und Dominik Landertinger in der Staffel läuft.

LAOLA1: Wie bewerten Sie die Teamleistung insgesamt?

Eder: Da muss man sehr zufrieden sein. Wir haben in jedem Rennen Spitzenplätze erreicht. Zunächst der Medaillenstart durch Landi und auch danach sind wir immer nur knapp gescheitert. Ich glaube, dass da keiner unzufrieden ist. Natürlich ist Landi enttäuscht, wenn er null schießt und keine Medaille macht, aber das hält sich sicher in Grenzen. Er weiß, dass er wieder ganz vorne sein kann. Bei Simon ist es dasselbe.

LAOLA1: Abschließend noch eine Frage zu einem anderen Thema: Haben Sie Simons Kritik am IOC mitbekommen? Was sagen Sie dazu?

Eder: Ja, das habe ich gelesen. Ich habe ihm eine kurze SMS geschickt und gesagt: „Du hast 100 Prozent Recht.“ Ich habe dieselbe Meinung, wir sind nicht so weit auseinander bei ständigen Diskussionen über verschiedene Themen. Es gibt viele Punkte, die geändert gehören, damit die Olympischen Spiele weiter funktionieren.

LAOLA1: Welcher Punkt muss zuallerst geändert werden?

A. Eder: Ich glaube, dass der Sport wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden muss. Dass die Sportler nicht nur, wie Simon auch sagt, starten dürfen, damit das Werkel läuft.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Henriette Werner

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