Nackte Tatsachen, dumme Doper und Olympia-Helden

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Kinder, wie die Zeit vergeht!

Seit Monaten freuen wir uns auf die Olympischen Spiele in Sotschi und nun sind sie schon wieder vorbei.

Elf Biathlon-Wettkämpfe, 26 Medaillengewinner und jede Menge Spektakel gingen in die Geschichte ein.

Nun heißt es wieder vier Jahre warten, ehe in Pyeongchang das nächste Mal im Zeichen der fünf Ringe um Gold, Silber und Bronze gekämpft wird.

Ein Blick zurück

Für die Loipenjäger kehrt wieder der Weltcup-Alltag ein, Anfang März bestreiten Damen und Herren je drei Wettkämpfe im slowenischen Pokluka.

Bevor es so weit ist, blicken wir allerdings ein letztes Mal zurück auf die XXII. Winterspiele in Sotschi.

Dabei kommen uns sofort die österreichischen Biathleten, die uns so viel Freude bereiteten, in den Sinn.

Aber auch die internationale Konkurrenz sorgte für ordentlich Wirbel - leider nicht nur aus sportlicher Sicht.

Die LAOLA1-Schießbude von den Olympischen Spielen:

Das TRIO INFERNALE

 Lang lebe der König! "Mr. Biathlon" Ole Einar Björndalen hat der Welt erneut bewiesen, dass er der Größte aller Zeiten ist. Zweimal Gold in Sotschi - und das als 40-Jähriger. Die Sportwelt verneigte sich vor dem in Obertilliach lebenden Norweger, der ganz bescheiden blieb. "Björn Dählie wird für mich immer der Größte bleiben", erklärte er. Die Statistik sagt allerdings etwas anderes. Acht Gold-, vier Silber- und eine Bronzemedaille verhalfen "König Ole" zu Platz eins in der ewigen Bestenliste bei Olympischen Winterspielen.

 

Was für ein Anfang! Was für ein Ende! Österreichs Biathleten zählten aus rot-weiß-roter Sicht zu den ganz großen Gewinnern der Olympischen Spiele. Dominik Landertinger gewann im Sprint Silber, die Staffel holte zum Abschluss Bronze. "Wir sind natürlich sehr zufrieden", so Cheftrainer Remo Krug. Neben "Landi" tat sich vor allem Simon Eder hervor. Als Vierter, Siebter und Achter in den Einzelrennen hatte der Salzburger zwar Pech und ging leer aus, der Scharfschütze will sich den Traum von der Einzel-Medaille aber in Pyeongchang erfüllen.

 

Die Weißrussin Darya Domracheva dominierte die Damen-Rennen und räumte mit Dreifach-Gold in Einzel, Verfolgung und Massenstart ab. Martin Fourcade stand dem mit zweimal Gold in Sprint und Verfolgung sowie einmal Silber im Massenstart kaum nach. Und das, obwohl der 26-jährige Franzose an einer Nasennebenhöhlenentzündung litt. Der Doppel-Olympiaseger denkt nun sogar über zukünftige Starts im Langlauf-Weltcup nach, zudem kann er sich vorstellen, in vier Jahren in Pyeongchang Teil des Langlaufteams zu sein.

Das TRIO FATALE

 Ekaterina Iourieva. Irina Starykh. Karolis Zlatkauskas. Evi Sachenbacher-Stehle. Die Liste der Schande ist lang. Viel zu lang. Dieses Quartett wurde vor oder während der Spiele des Dopings überführt. Speziell der Fall Sachenbacher-Stehle schlug hohe Wellen, verpasste sie als Massenstart-Vierte doch nur hauchdünn eine Medaille. "Was mich am meisten ärgert, ist, dass sie nicht nur sich selbst, sondern damit das ganze Biathlon ins Unglück stürzt", war Uschi Disl im "kicker" schwer enttäuscht.

Für die DSV-Damen hielten die Olympischen Spiele wenig Grund zur Freude parat. Der 21. Februar war wohl der schwärzeste Tag in der Geschichte des deutschen Biathlons. Zunächst wurde am Morgen der positive Dopingtest Sachenbacher-Stehles bekannt, am Abend stand fest, dass die deutschen Biathletinnen in Sotschi leer ausgingen. Bereits vor dem ersten Schießen brachte sich die Staffel um jegliche Medaillenchancen, da Startläuferin Franziska Preuss zu Sturz kam und lange ohne Stock laufen und schließlich auch noch mit Schnee im Diopter kämpfen musste. Am Ende wurde es Rang elf. Seit der Staffel-Premiere in Albertville 1992 hatten deutsche Frauen-Staffeln immer eine Medaille geholt. Für die zweifache Olympia-Siegerin Andrea Henkel waren es die letzten Spiele, nach der Saison wird sie ihre Karriere beenden und nach Amerika zu ihrem Freund Tim Burke - ebenfalls ein Biathlet - ziehen. "Mein letztes Olympia-Rennen habe ich mir anders vorgestellt. Bei den ganzen Spielen war irgendwie der Wurm drin", so die enttäuschte 36-Jährige.

 

Tarjei Boes Drohung, bei Nichtaufstellung für die Staffel seine Karriere zu beenden, zeigte Wirkung und er durfte seiner schlechten Leistungen zum Trotz an den Start gehen. Für eine Medaille reichte es jedoch nicht, auch wenn dafür Teamkollege Emil Hegle Svendsen mit seiner Strafrunde im letzten Schießen verantwortlich zeichnete. Festzuhalten bleibt: Für die beiden Boe-Brüder war Sotschi keine Reise wert. Der ehemalige Gesamt-Weltcupsieger Tarjei sammelte die Plätze 39, 27 und 26, für den Massenstart war er nicht qualifiziert. Johannes Thingnes, in dieser Saison bereits zweifacher Weltcup-Sieger - belegte die Plätze 55, 32, elf und acht.

Was sonst noch auffiel
 

Mit Katharina Innerhofer und Lisa Hauser waren erstmals überhaupt österreichische Biathletinnen bei Olympischen Spielen dabei. Sie machten ihre Sache ordentlich. Innerhofer patzte zwar im Sprint, glänzte dafür aber mit der achten Laufzeit im Einzel (gesamt Rang 28) und einer tollen Vorstellung in der Mixed-Staffel. Hauser blieb bei ihrem Debüt im Sprint fehlerfrei (Position 27) und schlug sich auch im Verfolger (39.) beachtlich.

 

Historisch, die Erste: Zum ersten Mal in der Geschichte der Olympischen Spiele fand in Sotschi eine Biathlon-Mixed-Staffel statt. "Der Bewerb hat sich in den letzten Jahren extrem rausgeputzt. Das Publikum nimmt ihn an, die Athleten sind ebenfalls begeistert. Mir gefällt die Mixed-Staffel. Sie hat sich durchgesetzt und absolut ihre Berechtigung", freute sich nicht nur Fritz Pinter über den neuen Bewerb, den erwartungsgemäß Norwegen vor Tschechien und Italien für sich entscheiden konnte. Auch IBU-Präsident Anders Besseberg outete sich als Fan und legte gleich nach: Nach dem Vorbild der Bewerbe auf Schalke plant er eine neue Disziplin namens "Mixed Single" mit einem Mann und einer Frau, die auf der gleichen Strecke laufen sollen.

 

Historisch, die Zweite: In Sotschi gab es die erste Biathlon-Medaille für die SchweizSelina Gasparin holte sich mit einer makellosen Schießleistung im Einzel Silber und schrieb zudem gleich doppelt Geschichte: Gemeinsam mit ihren Schwestern Elisa und Aita sorgte sie für die erste Olympia-Staffel, in der drei Schwestern starteten.

 

Im DSV-Team stehen die Zeichen auf Abschied: Cheftrainer Uwe Müßiggang, der bis 2010 zwei Jahrzehnte lang Trainer deutschen Biathletinnen war, macht zum Ende der Saison Schluss. "Es gab schon 2010 in Vancouver die Diskussion, damals habe ich gesagt, ich mache noch mal vier Jahre. Aber ich merke schon, die ganze Geschichte ist sehr kräftezehrend", so der 62-Jährige. Auch Herren-Coach Fritz Fischer kündigte seinen Rücktritt zum Saisonende an. "Nach den Spielen von Vancouver habe ich gesagt, ich mache noch mal vier Jahre bis Sotschi. Jetzt reicht es aber, ich habe mit meinem Biathloncamp daheim in Ruhpolding genug zu tun", so der 57-Jährige in der "Welt".

Fourcade twitterte: "#Miriam #Gössner happy to see that your spine is better :-)

Miriam Gössner war in Sotschi gar nicht dabei und dennoch in aller Munde. Nachdem er sich jahrelang die Zähne ausbiss, konnte der "Playboy" die Deutsche doch noch von einem Shooting überzeugen. Die 23-Jährige zog blank und spaltete damit den Biathlon-Zirkus. Während viele Trainer, aber auch einige Athleten "not amused" waren, gab es auch welche, die sich angetan zeigten. "Freut mich zu sehen, dass es deinem Rücken besser geht", kommentierte Martin Fourcade Gössners Fotos höchst süffisant. (siehe Bild) 

 

Bisher gab es im Zeichen der fünf Ringe 187 verschiedene Medaillengewinner im Biathlon, nun wurde die 200er-Marke geknackt! 216 Biathleten sind nun stolze Besitzer einer Olympischen Medaille.

 

 Trauer um die Deutsche Juliane Pieper: Das erst 19-jährige Biathlon-Talent vom WSV Oberhof, welches unter anderem an der Junioren-WM in Obertilliach teilnahm, hat sich tragischerweise im Haus ihrer Eltern mit der eigenen (Sport-)Waffe das Leben genommen. Bereits seit Längerem soll sie an einer Essstörung gelitten und psychische Probleme gehabt haben. Wir sprechen der Familie und ihren Freunden unser Beileid aus.

Kurioses


Den Deutschen Arnd Peiffer und Erik Lesser reichte die Belastung im Biathlon anscheinend nicht. Kurzerhand liefen sie am letzten Tag der Spiele in Sotschi noch den Skilanglauf-Marathon über 50 km mit. Dabei landeten sie auf den Rängen 40 bzw. 42 und damit nur ganz knapp hinter dem Silber-Gewinner von 2010, Axel Teichmann, der 39. wurde (damals wurde der "Marathon" allerdings noch im klassischen Stil gelaufen). "Es kann nicht mehr passieren, als Letzter zu werden. Wir werden wahrscheinlich unendliches Leid erfahren", hatte Lesser vor dem Rennen zu Protokoll gegeben, um dann im Rennen tatsächlich früh zu stürzen. Glücklicherweise blieb er unverletzt.


Die Slowakin Anastasiya Kuzmina ist die erste Biathletin, die ihren Olympiasieg in der gleichen Disziplin - in diesem Fall im Sprint - wiederholen konnte. Zuvor hatte sie in dieser Saison noch keinen Weltcupsieg einfahren können. Mit dieser Leistung hat sie den Norwegerinnen einiges voraus, denn noch nie konnte sich eine "Wikinger"-Dame in der kürzesten Einzel-Disziplin auf dem Podium platzieren.

Wellental der Gefühle: Emil Hegle Svendsen hat Sotschi wohl mit gemischten Gefühlen verlassen. Nachdem er in Sprint (9.), Verfolgung (7.) und Einzel (7.) an den Medaillenplätzen vorbei lief, brachte er sich im Massenstart um ein Haar selbst um den Sieg. Im Zielsprint gegen Doppel-Olympiasieger Martin Fourcade hätte der Norweger beinahe zu früh gejubelt, der Franzose stürzte sich auf der Ziellinie nach vorne, doch am Ende reichte es im Fotofinish für "Super-Svendsen". Im Mixed-Bewerb gab es Gold Nummer zwei für den 28-Jährigen. In der Staffel erreichte er gemeinsam mit Russland, Deutschland und Österreich das letzte Schießen. Ausgerechnet dem sonst so coolen Norweger versagten im entscheidenden Moment die Nerven, er musste in die Strafrunde und büßte alle Chancen auf eine Medaille ein. 

 

Er war zwar bei weitem nicht der einzige, den die Strecke in Krasnaya Polyana zu Boden zwang, doch beim Kanadier Jean-Philippe Le Guellec war der Sturz wohl der ärgerlichste: In der Verfolgung ging er als Führender nach zwei fehlerfreien Schießen zu Boden und büßte jegliche Chance auf eine Medaille ein.

 

Vor Ort in Sotschi


Die Stimmung war genial, die Fans rasteten komplett aus. Biathlon genießt in Russland einen hohen Stellenwert, was wir erfreulicherweise zu spüren bekamen. Die Bewerbe im Laura Center waren bestens gefüllt und wurden zum Erlebnis. Spannende Medaillenkämpfe trugen ihr Übriges dazu bei, dass die Loipenjäger zur großen Nummer wurden. Olena Pidhrushna war die Einzige, die sich über das Verhalten der Fans echauffierte. So sollen einige russische Fans sie und ihre Teamkolleginnen in der Staffel beleidigt und auf Schießfehler gehofft haben. Die Ukrainerinnen gaben die perfekte Antwort - in Form des Gewinns der Goldmedaille.

 

Es war eine ganz neue Erfahrung, gemeinsam mit den ÖOC-Granden Karl Stoss und Peter Mennel sowie den ÖSV-Verantwortlichen Peter Schröcksnadel und Hans Pum Bewerbe zu verfolgen. Sie fieberten mit den österreichischen Herren mit und litten, wenn Schüsse daneben gingen. Schade nur, dass sie den Damen-Rennen stets fern blieben. Dabei hätten auch diese es verdient, von den "Big Bosses" Unterstützung zu erfahren. Es geht schließlich nicht immer nur um Medaillen.

 

"Wir sind sehr zufrieden. Von den Einschaltquoten sind wir gemeinsam mit Eishockey das Zugpferd", erklärte IBU Communication Director Peer Lange gegenüber LAOLA1. Die Biathlon-Bewerbe wurden von Millionen Fans verfolgt, was der Sportart beileibe nicht schaden sollte. Das Panorama trug sein Übriges dazu bei, die Loipenjäger in ein besonderes Licht zu rücken, denn landschaftlich gesehen gab es wohl keinen schöneren Schauplatz als das Laura Center.

 

Die Sprüche der Spiele


"Bier ist schwer zu bekommen. Wir werden deshalb in den drei Wochen ein bisschen Schmuggel betreiben müssen", bemängelte Christoph Sumann das Fehlen des Gerstensaftes im Olympischen Dorf.

 

"In der Schlussrunde habe ich unglaublich gekämpft und gedacht, verdammte Scheiße, ich will heute nicht Vierter werden", beschrieb Dominik Landertinger die letzten Meter seiner Silbermedaille. Als Wintersportler hatte er aufgrund der sommerlichen Temperaturen jedoch auch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. "Ich kriege hier oben sogar einen leichten Heuschnupfen, weil die depperten Bäume zu blühen anfangen."

 

"Ich überlege mir das mit dem Aufhören vielleicht noch einmal. Und starte bei der nächsten Sommer-Olympiade bei den Schützen", schmiedete Sumann nach 30 Treffern bei 30 Schüssen Zukunftspläne.

 

Henriette Werner/Christoph Nister

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