Die WM im Legenden-Check

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Die Nordische Ski-WM 2013 im Legenden-Check

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Sie kennen das Gefühl, bei Großereignissen für das Vaterland an den Start zu gehen.

Klaus Sulzenbacher, Andreas Widhölzl und Alois Stadlober waren selbst aktiv - und das höchst erfolgreich.

Kombinierer Sulzenbacher wurde Team-Weltmeister 1991, gewann zweimal den Gesamtweltcup und sackte vier Medaillen bei Olympischen Spielen ein.

Skispringer Andreas Widhölzl darf sich Olympiasieger nennen, errang sechs WM-Medaillen (inklusive Skiflug-WM) und triumphierte bei der Vierschanzen-Tournee.

Alois Stadlober war Teil des österreichischen Langlauf-Wunders und gewann Staffel-Gold bei der Heim-WM in der Ramsau sowie Einzel-Silber.

Drei Legenden, die wissen, wovon sie sprechen. Bei LAOLA1 ziehen sie WM-Bilanz:

ALOIS STADLOBER

... über die Langläufer:

"Bei den ÖSV-Damen ist eine positive Tendenz zu sehen gewesen. Katerina Smutna hat im Sprint und im Skiathlon gute Leistungen erbracht. Meine Tochter Teresa hat ebenfalls aufgezeigt, sie hat auf jeden Fall Potenzial. Gut war auch, dass eine Staffel gestellt wurde. Das hat Signalwirkung.

Bei den Burschen war der siebente Platz im Teamsprint durch Wurm/Tritscher sensationell, die Einzelergebnisse von Dürr waren auch sehr gut. Es freut mich, dass er allen gezeigt hat, dass er es drauf hat. Über 15km Skating gab es Probleme beim Wachsen, auch andere Nationen hat es erwischt.

Defizite gibt es klassisch. Hauke/Herburger brauchen noch Zeit. Dass wir keine Staffel hatten, ist kein gutes Zeichen. Schon in Oslo haben wir vom ÖSV gehört, dass es klassisch noch nicht funktioniert, diesmal wieder. Die Staffel ist ein Highlight der WM. Wenn wir immer nur antreten, wenn wir eine Chance haben, hätten wir in den Klassiksprint auch niemanden schicken dürfen.

Was generell wichtig ist: Um Medaillenchancen zu haben, bedarf es eines guten Umfelds. Sieht man die Wachstrucks der anderen Länder sowie die Anzahl der Serviceleute, dann müssen wir hier nachrüsten. Unser Team hat mit wenig Personal Großes geleistet, aber es muss nachjustiert und Budget in die Hand genommen werden.

International gab es eigentlich keine Überraschungsmedaillen. Die Russen haben im Sprint abgeräumt, wurden aber über die Distanz  unter Wert verkauft. Eine Höchstleistung hat Olsson über 50km vollbracht. Ansonsten war Norwegen wieder sehr stark, gerade die Damen werden die Szene mannschaftlich weiter beherrschen.

Insgesamt war die Begeisterung im Langlauf groß. Ein Problem war, dass die Gastgeber leer ausgingen, dafür haben die Ausländer - allen voran die Norweger und Schweden - das wieder wettgemacht. Beim Langlauf waren mehr Zuschauer als beim Skispringen und bei der Kombi, das war top."

 

KLAUS SULZENBACHER

... über die Nordischen Kombinierer:

"Ich bin begeistert, dass unsere Kombinierer drei Medaillen gemacht haben. Meine Hoffnung war eine, im Vorfeld war nicht mehr zu erwarten. Stechers Silberne kam natürlich sehr überraschend nach seiner Verletzung. Bei Gruber konnte man durchaus damit rechnen, er hatte schon den ganzen Winter über gute Ergebnisse. Für Denifl freut es mich ganz besonders, er hat so lange dafür gekämpft.

Dass es im Mannschaftsbewerb nicht gereicht hat, war eben auch Pech. Vor zwei Jahren hatten wir das nötige Glück, diesmal nicht. Vielleicht war die Aufstellung nicht optimal, andererseits hätte wie Klapfer auch Bieler im Laufen Zeit verloren. Für Klapfer war es keine leichte Aufgabe. Er ist nicht mehr der Jüngste, aber bisher hat er im Weltcup immer aufholen müssen. Bei einer WM von vorne zu laufen, ist dagegen etwas ganz anderes. Ihm fehlen die Erfahrung und die Coolness.

Die Kritik von Stecher an seinem Ausrüster ist unglücklich transportiert worden. Er hat damit vielen aus der Seele gesprochen. Er wollte damit wohl sagen, dass dem Stellenwert der Kombination mehr gehuldigt werden sollte. Man kann sich immer auf sie verlassen, seit meiner Zeit holen wir regelmäßig Medaillen.

Natürlich weiß er aber auch, dass ganz groß im Vertrag steht, sich nie öffentlich negativ über die Skifirma zu äußern. Fischer konnte gar nicht anders, als so zu reagieren. Medial ist das alles natürlich gepusht worden, ich hoffe, dass Thema beruhigt sich wieder. Ich persönlich kann Marios Reaktion aber auch verstehen. Er ist ein alter Hase und will sich da nichts mehr groß vorschreiben lassen.

International waren die Franzosen für mich das Highlight. Lamy Chappuis war natürlich der Wahnsinn mit dreimal Gold und einmal Bronze. Einfach irre. Dabei dachte man in Seefeld noch, der gibt ein bisschen Milch.

Anders die Deutschen. Bei denen konnte man annehmen, die würden alles abräumen, was dann nicht der Fall war. Gerade in den Teambewerben haben sie aus meiner Sicht enttäuscht. Stark waren die Japaner, die allerdings großes Pech hatten und mehrfach knapp an einer Medaille vorbei schrammten."

 

ANDREAS WIDHÖLZL

... über die Skispringer:

"Die Bilanz für das ÖSV-Team ist auf alle Fälle positiv. Mit vier Medaillen muss man zufrieden sein. Der Mixed-Bewerb hat mir sehr gut gefallen und war extrem spannend und auch interessant anzuschauen. Chiara Hölzls Leistung war ein Wahnsinn.

Ich kenne sie aus Stams, sie hat einen super Entwicklungsschritt hingelegt und springt einfach drauf los. Bei einem Großereignis so eine Leistung abzurufen, ist schon eine Kunst. Sie war eine riesige Stütze und ein würdiger Ersatz für Dani (Iraschko).

Jaci (Seifriedsberger) hat schon in den letzten Bewerben gezeigt, dass sie um den Sieg mitspringen kann. Sie hat in beiden Bewerben eine Medaille gewonnen, vielleicht hat sie es mal gebraucht, aus Danis Schatten zu treten und die Führungsrolle zu übernehmen. Sie hat es auf alle Fälle sehr gut gemacht.

Bei den Herren ist es auf der Großschanze nicht nach Wunsch verlaufen. Wolfi (Loitzl) hätte ich es wirklich gegönnt, er hat sich super zurückgekämpft. Gregor hatte es nicht einfach als Favorit. Ich kenne das Gefühl, weil ich mich selbst oft unter Druck gesetzt habe, was dann auch gerne in die Hose ging. Die Tournee habe ich gewonnen, als keiner mit mir rechnete - auch ich nicht.

Dennoch Hut ab vor Gregor. Er hat eine super Saison und ist der weltbeste Skispringer, Silber auf der Kleinschanze war eine tolle Leistung. Leid tut es mir für Andreas Kofler. Jeder weiß, was er kann. Er ist und bleibt eine wichtige Stütze für das Team, aber die Geschichte mit dem Anzug bei der Tournee hat ihm doch zugesetzt.

Gold im Teambewerb muss man hoch einschätzen, da es nicht so leicht war. Die Dominanz ist nicht mehr so gegeben wie früher, die Konkurrenz ist stärker geworden. Der Fettner-Style war natürlich die Draufgabe.

In Bischofshofen ist ihm dasselbe passiert, da ist er schwer gestürzt. Diesmal hatte er das bessere Ende für sich. Es sah ungemein spektakulär aus und war das Sahnehäubchen. Damit Gold zu gewinnen, ist natürlich cool.

International hat mich Kamil Stoch mit seiner Leistung auf der Großschanze überrascht. Er ist als Außenseiter halt auch mit einer gewissen Leichtigkeit gesprungen. Stark präsentiert hat sich auch Prevc.

Generell haben die meisten Favoriten eine Medaille gewonnen. Bardal hatte ich auf der Kleinschanze auf der Rechnung, Jacobsen hat auf der großen eine abgestaubt. Die Norweger haben generell mannschaftlich aufgeholt, deshalb hat es mich überrascht, dass sie im Teambewerb nicht auf dem Podest standen.

Die Japaner haben sich gut präsentiert, sie sind auch wieder da. Dazu kommen die Polen und natürlich auch die Deutschen. Inzwischen fällt es schwer, Prognosen abzugeben, weil alles enger zusammengerückt ist. Für die Zuschauer ist das von Vorteil, weil es spannender wird, wenn mehrere Nationen vorne sind.

 

Aufgezeichnet von Christoph Nister

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