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Oslo soll nicht Cordoba der Skispringer werden

Gregor Schlierenzauer doppelter Vize-Weltmeister im Einzel und Mixed von der Normalschanze, Thomas Morgenstern ebenso im Mixed "versilbert".

So lautet die Bilanz der ÖSV-Springer nach dem kleinen Bakken. Auf der Großschanze in Predazzo soll nun am Donnerstag im Einzel (17.00 Uhr) und Samstag im Team (16.30) die Bilanz veredelt werden. Am besten mit einer Goldmedaille.

Kofler am Heimweg

Und für die zählt der Überflieger der Saison Gregor Schlierenzauer freilich zu den absoluten Topfavoriten.

Cheftrainer Alexander Pointner hat neben dem Titelverteidiger auch den Vize-Weltmeister von Oslo, Thomas Morgenstern sowie Manuel Fettner, Stefan Kraft und Wolfgang Loitzl für diesen Bewerb nominiert.

Der außer Form befindliche Andreas Kofler, der nun auch in der dritten WM-Konkurrenz nicht eingesetzt wird, trat am Mittwoch die Heimreise an und wird auch im Teambewerb nicht mehr starten.

"Jammere Vergangenheit nicht nach"

Pointner blickte am Mittwoch zufrieden auf bisher zwei WM-Silbermedaillen zurück.

"Ich werde nie der Vergangenheit nachjammern und Richtung Oslo blicken. Da ist es wesentlich wichtiger, dass wir im Hier und Jetzt bleiben, sonst bringen wir uns auch in Gefahr, dass Oslo einmal das Cordoba der Skispringer wird."

Fetter als Medaillenkandidat

Die Situation sei nun entspannter als vor dem ersten Wettkampf.

"Ich sehe drei Springer, die ganz tolle Chancen haben, Medaillen zu holen", meinte Pointner und nannte da neben Schlierenzauer und Morgenstern auch Fettner.

"Er ist einfach in einer Verfassung, dass er in den Kreis aufgestiegen ist, der Medaillen holen kann."

Morgenstern zuversichtlich

Für Morgenstern, der am Montag seinen Trainingssprung bei 133 m hatte abbrechen müssen, sieht die Welt weit besser aus als vor der WM.

"Ich bin zur WM gefahren, weil eine Medaille ein Ziel bei der WM ist, egal ob als Favorit oder auch mit Unsicherheiten. Das Training auf der Großschanze hat mir Zuversicht gegeben", sagte der Kärntner, der nach dem verpatzten Aufsprung vom ersten Training wieder schmerzfrei ist.

Mit Rang fünf im Einzel und dem Silber im Mixed hat er nach der zuvor vermurksten Saison viel Selbstvertrauen gesammelt.

"Luft nach oben" bei Schlierenzauer

Nach einer kurzen Auszeit in der Heimat gut erholt ist auch Schlierenzauer am Mittwoch wieder in die Mannschaft zurückgekehrt.

"Wenn die Form passt, braucht man nicht unnötige Trainings einschieben, aber es ist trotzdem noch ein bisserl ein Aufholbedarf da von den Sprüngen her", sagte Schlierenzauer.

"Wir haben das gut analysiert und es ist auf jeden Fall Luft nach oben da nach dem ersten Training."

Der 23-jährige Weltcup-Rekordler (48 Siege), auf dem die größten Hoffnungen ruhen, dass das ÖSV-Team auch die noch fehlende Goldmedaille im Fleimstal holt, fühlt sich natürlich auf den großen Bakken dieser Welt noch wohler.

"Kleinste Fehler wird nicht verziehen"

"Grundsätzlich schon, wobei mir die kleine auch nicht unsympathisch war. Wenn man zwei Medaillen um den Hals hängen hat, dann ist es jetzt schon eine sehr gute Weltmeisterschaft für mich", sagte der Tiroler.

"Auf der Großschanze bin ich normal besser, da kann ich noch besser meine Stärken ausspielen, aber deswegen kriege ich jetzt auch nichts gutgeschrieben."

Schlierenzauer prophezeite einen spannenden Wettkampf. "Die Dichte ist sehr groß, der kleinste Fehler wird nicht verziehen und ein bisschen Glück braucht man auch. Wenn es mir gelingt, Topsprünge auszupacken, ist alles möglich."

Norweger größte Konkurrenten

Aus internationaler Sicht darf man natürlich u.a. mit Normalschanzen-Champion Anders Bardal und dessen norwegischen Landsmann Anders Jacobsen rechnen.

Der österreichische Cheftrainer der Norsker, Alexander Stöckl, ist mit Prognosen aber vorsichtig.

"Alles ist möglich. Bei der WM kommt es auf den Tag X an, man braucht gute Verhältnisse. Es gibt Favoriten, aber meistens andere Gewinner", warnt Stöckl.

Amman immer gefährlich

Nicht außer Acht lassen darf man auch den vierfachen Olympiasieger Simon Ammann, der Schweizer hatte sich zuletzt erstarkt gezeigt und ist bekannt dafür, an eben diesem Tag X seine besten Sprünge auszupacken.

Schlierenzauer erwähnte bei seiner Aufzählung der Hauptkonkurrenten übrigens den Polen Kamil Stoch als ersten, zählte u.a. auch die Deutschen Severin Freund und Richard Freitag zum Kreis der Medaillenanwärter.

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