Fettner stiehlt den Adler-Kollegen die Show

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Es ist wahrlich nicht einfach, sich in Österreichs Skisprung-Team ins Rampenlicht zu bringen.

Da wäre ein Gregor Schlierenzauer. Ein Ausnahmetalent, das so gut wie alles gewann und national wie international polarisiert.

Dazu ein Thomas Morgenstern, der sämtliche zu gewinnende Trophäen sein Eigen nennen darf und zu den Besten aller Zeiten gehört.

Nicht zu vergessen Wolfgang Loitzl, der Weltmeister-Titel und einen Tournee-Sieg in der Tasche hat.

Fettner als Held des Tages

Doch diesmal war es Manuel Fettner, der zum Helden des Tages avancierte.

Mit seiner spektakulären Einlage im Teamspringen war er maßgeblich daran beteiligt, dass die ÖSV-Adler ihren Titel aus Oslo verteidigten.

Obwohl ihm bei der Landung seines zweiten Sprunges die Bindung des rechten Skis aufging, blieb er cool, hielt die Balance und fuhr mit einem Ski über die Sturzlinie.

Damit rettete er dem rot-weiß-roten Quartett die entscheidenden Punkte, um für das erste und zugleich einzige Gold der Weltmeisterschaft in Val di Fiemme zu sorgen.

"Ich war so erleichtert"

„Ich habe unten mitgefiebert und gemerkt, dass das ganz eng her geht“, erklärte Wolfgang Loitzl im Gespräch mit LAOLA1.

„Wir haben jeden Meter an Weite und jeden Punkt an Haltung gebraucht. Bei Fetti habe ich dann gesehen, dass er weit sprang, ihm dann aber der rechte Ski rausfuhr.“

Loitzl machte sich lang und blickt auf die Anzeigetafel. Auf dieser bekam der Steirer mit, dass sein Salzburger Teamkollege die Sensation vollbrachte und einen frühzeitigen Sturz vermied.

„Ich war so erleichtert, denn wenn er das nicht geschafft hätte, hätte es uns die Medaille gekostet.“

"Das muss mega genial gewesen sein"

So aber sei es das „Highlight des Tages“ gewesen. Da nimmt der Vierte vom Einzelbewerb auch gerne in Kauf, dass Fettner allen „natürlich die Show gestohlen“ hat. „Das hat er sich aber auch mehr als verdient.“

Auch Thomas Morgenstern konnte kaum glauben, als er von der Heldentat Fettners erfuhr.

„Mit einem Ski über die Linie – das ist ja unglaublich. Ich habe es oben gar nicht gesehen, aber das muss ja mega genial gewesen sein.“

Ein Gros dachte, so etwas kann es noch nie gegeben haben. Cheftrainer Alexander Pointner belehrte alle eines Besseren.

Nicht die erste Einlage dieser Art

„Ich habe das schon gekannt. Kent Johanssen, ein Norweger, der 1991 hinter Heinz Kuttin Silber gewann, ist das auch mal passiert. Das ist aber der einzige, den ich kenne“, so der Tiroler, der die Aktion wie folgt mitbekam:

„Ich habe gesehen, dass er ganz gerade blieb. Daher habe ich mir nur gedacht, jetzt wird er ja wohl auch über die Linie fahren.“

Überschwänglich wie eh und je ließ Co-Trainer Alexander Diess die Szene noch einmal Revue passieren.

"Da fährt der Hirsch auf einem Ski weiter"

„Erst macht er so einen geilen Sprung und dann geht ihm plötzlich die Bindung auf. Uns ist der Atem gestockt, da fährt der Hirsch auf einem Ski weiter. Der Wahnsinn, dafür gebührt ihm ein Orden, nein, ein Nobelpreis. Gut, den gibt es im Skispringen nicht, aber ein Preis muss auf jeden Fall her.“

Von einem speziellen Preis wollte Fettner selbst nichts wissen, die Medaille war für ihn Anerkennung genug.

„Ich habe einfach nur gehofft, nicht zu stürzen und es über die Linie zu schaffen“, so der 27-Jährige. „Ich bin überglücklich. Das Team ist ja verwöhnt, aber für mich war es die erste Medaille, daher kann ich es noch kaum glauben.“

Ganz schön bescheiden für den Mann des Tages.

 

Aus Val di Fiemme berichtet Christoph Nister

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