Das Phänomen Gregor Schlierenzauer

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"Ich bleibe dabei, ich will eine Medaille."

Während manche Gregor Schlierenzauer für größenwahnsinnig hielten, blieb er sich selbst treu und formulierte seine Ziele trotz einer verpatzten ersten WM-Woche nicht neu.

"Natürlich zweifelt man oder fängt an, zu überlegen, wenn es im Training nicht läuft", erklärte er nach dem Gewinn seiner WM-Silbermedaille (Hier geht's zum Interview). An sich geglaubt hat er aber immer.

Ablenkung beim Bowling

Um nach dem verkorksten Normalschanzen-Bewerb und der Nichtnominierung für den Mixed-Event auf andere Gedanken zu kommen, stand am Mittwoch Bowling mit seinen engsten Vertrauten auf dem Programm.

Es ging nicht um Skispringen, sondern nur darum, Spaß zu haben und einmal loszulassen. Das Ziel sollte seine Wirkung nicht verfehlen, Schlierenzauer verblüffte die Skisprung-Welt einmal mehr und stockte seine Medaillensammlung bei Großereignissen auf beeindruckende 19 auf.

"Er ist ein Phänomen"

Bereits zum vierten Mal in Folge gewann der Stubaier eine Einzelmedaille bei Nordischen Ski-Weltmeisterschaften. Ein Kunststück, das zuvor nur dem Finnen Matti Nykänen glückte.

"Er ist ein Phänomen", erklärte Ernst Vettori, Sportlicher Leiter der Skispringer im Österreichischen Skiverband. "Ich traue diesem Menschen alles zu, wenn es um Skispringen geht."

Der Olympiasieger von Albertville 1992 musste allerdings gestehen, nicht mit einer Medaille in Falun gerechnet zu haben. "Als ich ihn vor zwei, drei Tagen gesehen habe, dachte ich mir, das wird ganz schwer. Er war total von der Rolle - und jetzt gewinnt er Silber."

Überraschte Teamkollegen

Auch Schlierenzauers Teamkollegen Stefan Kraft und Michael Hayböck trauten ihren Augen nicht, als sie die beiden Sprünge des 25-Jährigen beobachteten. "Wir haben uns angeschaut und gedacht: Gibt's denn das? Was ist jetzt los?", zeigte sich Kraft erstaunt.

Hayböck ergänzte, dass der frischgebackene Vize-Weltmeister "wohl als Letzter damit gerechnet" hatte. "Er hat es aber geschafft, den Schalter umzulegen. Das taugt mir sehr, vor allem auch für das ganze Team."

Eine sensible Sportart

Cheftrainer Heinz Kuttin verriet im Schanzenauslauf ein entscheidendes Mosaiksteinchen auf dem Weg zur Medaille. Co-Trainer Harri Rodlauer riet Schlierenzauer im Training, eine Übung etwas anders zu machen und die Kopfhaltung zu ändern.

"Wir haben das dann auf die Anfahrtsposition umgemünzt", so Kuttin, "und er (Schlierenzauer) meinte, er spürt etwas ganz anderes". Es bestätigte einmal mehr, was der Rekord-Weltcupsieger seit Jahren versucht zu vermitteln: "Skispringen ist eben eine sehr sensible Sportart."

"Der weltbeste Skispringer"

Wie er sich aus seinem persönlichen Tief gezogen und binnen weniger Tage zurück zu seiner Form gefunden hat, nötigte auch der Konkurrenz großen Respekt ab. So war etwa Alexander Stöckl, Cheftrainer der Norweger, tief beeindruckt.

"Er ist eben immer noch der weltbeste Skispringer bei all den Erfolgen, die er gefeiert hat. Er hat extrem viel Gefühl und schafft es immer wieder, Dinge auf den Punkt zu bringen."

Vettori hat das noch nie erlebt

Der 41-Jährige musste allerdings ebenfalls zugeben, dass er nicht mit Edelmetall für den sechsfachen Titelträger bei Nordischen Ski-WMs rechnete. "Ich dachte mir, das wird schwierig. Bei ihm weiß man es aber nie und jetzt hat er es wieder geschafft."

Das zeichnet die Ausnahmeklasse Gregor Schlierenzauers aus, oder um es mit den Worten Ernst Vettoris zu sagen: "Das ist eine Riesenkunst. Es ist einzigartig, das habe ich eigentlich noch nie erlebt."


Aus Falun berichtet Christoph Nister

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