Schlierenzauer: "Ihr werdet euch alle noch anschauen!"

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Es war ein ungläubiges Staunen, das an der Lugnet-Schanze die Runde machte.

Wie hat er das bloß wieder geschafft?

Gregor Schlierenzauer, in den letzten Wochen weit hinter seinen eigenen Ansprüchen geblieben und im WM-Mixed-Bewerb gar nur Zuschauer, feierte ein unglaubliches Comeback an der Spitze des Skisprung-Sports.

Der 25-jährige Tiroler gewann völlig überraschend die Silbermedaille auf der Großschanze und musste sich nur dem überragenden Deutschen Severin Freund geschlagen geben.

Im Interview mit LAOLA1 spricht "Schlieri" über seine Heldentat und wie diese möglich wurde. Außerdem verrät er, ob er Zweifel hatte und was ihn zusätzlich antrieb. 

LAOLA1: Gregor, Gratulation zum Vize-Weltmeistertitel. Wie fühlt es sich an, die Silbermedaille gewonnen zu haben?

Gregor Schlierenzauer: Es ist unglaublich! Es zeigt auch, wie schnell es im Spitzensport gehen kann und wie sensibel Skispringen ist. Der Kopf und die mentale Stärke machen sehr viel aus.

LAOLA1: Du hast dich am Mittwoch beim Bowling abgelenkt und im Bewerb mit einem Top-Sprung aufgezeigt. Hast du dabei wieder Lunte gerochen?

Schlierenzauer: Wenn Kleinigkeiten besser funktionieren, ist man gleich wieder vorne dabei. Ich muss sagen, es war eine Meisterleistung von der mentalen Seite, das so hinzubringen. Wir haben gestern Abend noch relativ lange Video geschaut und ein Konzept auf die Füße gestellt. Im Bewerb habe ich versucht, das durchzuziehen. Der Probedurchgang war dann vom Gefühl her gut, von der Weite her aber noch nicht. Danach habe ich mit Heinz noch ein paar Übungen gemacht. Dabei hatte ich ein gutes Gefühl und wusste, dass muss ich durchziehen. Das habe ich dann gemacht. Dass es so aufgeht, ist unglaublich.

LAOLA1: Ist es angesichts der schwierigen letzten Tage eine deiner schönsten Medaillen?

Schlierenzauer: Das möchte ich gar nicht beurteilen. Jede Medaille schreibt ihre eigenen Geschichten. Es ist mir nie von der Hand gegangen. Im Training war ein 13. Platz das beste, also war es eigentlich katastrophal. Es zeigt mir aber auch, dass man sich mental nie begrenzen darf und dass es einem von heute auf morgen gelingen kann, das Blatt zu wenden. Das gibt mir sehr viel Kraft. Ich muss mich beim ganzen Betreuerteam bedanken, vor allem aber bei (Servicemann) Mathias Hafele, der hier mehr Ski montiert als gewachselt hat. Es war extrem lässig.

LAOLA1: Ernst Vettori hat gemeint, angesichts deiner Erfolge kann man das gar nicht mehr erklären. Kannst du deine Leistungen erklären?

Schlierenzauer: Es war wichtig, die Klarheit und das Gefühl wieder zu finden und dann die Bestätigung auf der Schanze zu kriegen. Vor allem aber im mentalen Bereich alles zu visualisieren und vorzustellen, wie es sich anfühlt, wie es von außen aussieht. Ich hatte nichts zu verlieren, daher habe ich es durchgezogen. Es ist extrem geil.

LAOLA1: Du hast sehr selbstbewusst immer von einer Medaille als Ziel gesprochen. Hattest du denn auch mal Zweifel?

Schlierenzauer: Natürlich zweifelt man oder fängt an zu überlegen, wenn es im Training nicht läuft. Ich habe aber gemerkt, dass mir das sehr viele gar nicht mehr zutrauen. Da wusste ich: So, ihr werdet euch alle noch anschauen! Spitzensport ist nun mal sehr sensibel, gewisse Dinge müssen ineinander greifen, dann ist man wieder ganz vorne dabei. Dabei ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und darauf zu vertrauen, was man drauf hat. Das habe ich gemacht und wenn es dann so aufgeht, ist es umso schöner.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.


Das Interview führte Christoph Nister

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