Bernhard Gruber: So tickt der neue Weltmeister

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Bernhard Gruber ist Weltmeister!

Der 32-jährige Salzburger krönte seine Karriere mit dem Gewinn von WM-Gold in Falun.

Nach einem sensationellen Sprung, der ihm die Halbzeitführung einbrachte, präsentierte sich der Team-Olympiasieger auch in der Loipe in bestechender Form und löste sich auf dem vorletzten Anstieg vom Franzosen Francois Broid.

Damit schrieb Gruber Geschichte, ist er doch der erste österreichische Einzel-Weltmeister überhaupt. Kein Klaus Sulzenbacher hatte das geschafft, kein Felix Gottwald und auch kein Mario Stecher.

Die Freude im ÖSV-Lager war riesig, doch selbst die ausländische Konkurrenz jubelte mit Gruber, der aufgrund seines sonnigen Gemüts überall geschätzt wird.

Was den frischgebackenen Weltmeister auszeichnet, wo seine Stärken liegen und warum er so gut ankommt - so tickt Bernhard Gruber:

Der Musikalische

Gruber wurde das musikalische Talent in die Wiege gelegt. Er spielt begeistert E-Gitarre und beherrscht auch das Schlagzeug. Bei Großereignissen gehören seine Auftritte längst dazu, so gab er auch im Österreich-Haus bei den Olympischen Spielen in Sotschi im Vorjahr das eine oder andere Lied zum Besten.

"Ich bin ein Unterhalter. Ich bin aufgeweckt und mache auch gerne einen Schmäh. Wenn jemand blödelt, dann sind es meistens Luk (Lukas Klapfer; Anm.) und ich." So beschrieb er seine Rolle im Team. Gruber ist eine "ehrliche Haut" und genießt deshalb allerorts Sympathien.

Der Gläubige

Der Salzburger steht ganz offen dazu, gläubig zu sein. Kurz vor dem ersten WM-Wettkampf in Falun nahmen Österreichs Kombinierer an einer Sportler-Andacht teil. "Das hat mir sehr geholfen", erklärte der 32-Jährige gegenüber LAOLA1. Auch hier wurden Lieder gesungen, zudem bot sich dem Salzburger die Möglichkeit, das stressige WM-Leben kurzzeitig beiseite zu schieben und zur Ruhe zu kommen.

Seine Familie ist ihm heilig, aus einer früheren Beziehung hat Gruber ein Kind. Mit Freundin Margret ist er schon seit mehreren Jahren zusammen, 2016 sollen die Hochzeitsglocken läuten.

Der Realist

Gruber ist keiner, der große Sprüche klopft oder Schwarzmalerei betreibt. "Die Voraussetzungen (für eine Medaille) sind gegeben", meinte er vor dem Wettkampf. "Die Schanze lässt viel zu, auf der Loipe fühle ich mich sehr wohl. Ich habe den Rhythmus der Strecke aufgenommen." Es war eine mehr als realistische Einschätzung.

Mit einem 133-Meter-Satz legte er den Grundstein zur Goldmedaille und auch in der Loipe ließ der taktisch clever agierende Gruber nichts anbrennen. Wie schon bei der Generalprobe im Val di Fiemme, als er ebenfalls gewann, bewies er Coolness, vergeudete nicht unnötig schon frühzeitig im Rennen seine Körner und attackierte, als er merkte, dass Konkurrent Braud müde Beine bekam.

Der Sensible

Die innere Stimme ist Gruber wichtig, denn darauf hört er. Als bei den Kombinierern vor der letzten Saison Bungeejumping auf dem Programm stand, stürzte sich einer nach dem anderen aus 192 Metern von der Europabrücke. Einzig Gruber verzichtete im letzten Moment.

„Ich bin beim Bungeespringen ausgeliefert“, erklärte er seinen Verzicht gegenüber LAOLA1. Beim Skispringen wäre das anders, „da bin ich Herr über den Ski“. Der Gewinner von fünf Weltcupspringen ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als ihn andere überreden wollten. Es ist ein weiterer Erfolgsbaustein, dass er seinem Bauchgefühl stets vertraut.

Der Erfolgreiche

Keine Frage, Bernhard Gruber ist ein begnadeter Kombinierer und brachte von vornherein großes Talent mit. Hinter seinem Erfolg steckt aber auch unglaublich harte Arbeit. Gruber war nie ein Senkrechtstarter, sondern verbesserte sich Schritt für Schritt.

2003 startete er erstmals im Weltcup, 2006 landetete er erstmals unter den Top-10. Der Premieren-Podestplatz folgte 2007, im Jahr darauf stand der erste Sieg zu Buche. Bei seiner ersten Medaille im Rahmen einer Großveranstaltung war er bereits 27. Gruber ist wie ein guter Wein: Je älter, desto besser. Inzwischen hält er bei acht Medaillen, davon vier in Gold. Der WM-Titel auf der Großschanze ist dabei sicher das Tüpfelchen auf dem i.


Aus Falun berichtet Christoph Nister 

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