Gruber: "Am Ende wollte ich es wissen"

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Gut gelaunt stand Bernhard Gruber der Medienmeute Rede und Antwort.

Kein Wunder, feierte er doch gerade einen historischen Erfolg.

WM-Gold in einem Einzelbewerb - das hatte noch kein Österreicher vor ihm geschafft. Entsprechend gelöst plauderte der 32-jährige Salzburger über seinen Geniestreich in Falun.

Daran konnte auch die Tatsache, dass die Veranstalter seinen Namen nicht richtig schrieben (siehe Bild), nichts ändern.

Weltmeister Bernhard Gruber über ... 

... seinen Angriff auf der letzten Runde:

Da wollte ich noch einmal alles wissen. Ich habe es oft genug probiert auf dem letzten Hügel, auch im Training. In Predazzo habe ich es geschafft, richtig rauf zu springen. Das habe ich mir auch für heute vorgenommen. Es ist mir voll aufgegangen. Ich konnte es gar nicht glauben, als ich als Erster über die Ziellinie gelaufen bin.

... das Gefühl nach dem Springen, dass eine Medaille drin ist:

Es waren ja die Laufleistungen bisher schon gut, da wusste ich, wenn ich es taktisch gut angehe, ist einiges drin. Francois (Braud), Jason (Lamy Chappuis) und ich haben sehr gute Arbeit geleistet und es der hinteren Gruppe sehr schwer gemacht, näher zu kommen. Wir sind taktisch klug gelaufen, am Ende wollte ich es wissen und den Mörderbakken ordentlich raufsprinten, um alles aus meinem Körper rauszukitzeln.

... den Moment, als er wusste, er gewinnt Gold:

Das war auf der Zielgeraden. Da habe ich mir gedacht 'Das kann es jetzt nicht sein.' Ich habe auf der letzten Abfahrt durch die Haxen geschaut und gedacht, er kommt nicht daher, er kommt nicht daher, das gibt es doch nicht. Da wusste ich, es könnte sich ausgehen. Es ist so schön.

... die Tage nach den Normalschanzen-Bewerben:

Ich habe die Kleinschanze abgehakt. Ich habe gefightet wie ein Löwe, es ging mir aber nicht auf. Im Teambewerb habe ich eine solide Leistung gezeigt, was ein versöhnlicher Abschluss war. Ich habe mich dann richtig auf die Großschanze gefreut. Ich habe es geschafft, richtig über der Latte zu hängen, so konnte ich es genießen. Man hat ab und zu Sprünge, bei denen man auf der Welle ist und es genießen kann.

... den möglicherweise besten Sprung der Saison:

Ja, das war definitiv mein bester Sprung.

... das Material:

Es hat alles zusammengepasst. Wir hatten wieder richtige Eisen unter den Haxen. Dann ist es ein Hochgenuss, damit zu laufen.

... seine Taktik:

Francois ging ein relativ hohes Tempo. Ich habe mich aber immer wieder gut gefühlt in den Abfahrten und mir gedacht, ich drücke ihn noch mal gescheit rauf, den Mörderbakken. Dann habe ich mich abgesetzt - Wahnsinn!

... Genie und Wahnsinn an seiner Person:

Der Wahnsinn ist, dass ich, wenn es mal nicht so klappt, alles hinschmeiße und zu ungeduldig bin. Genie ist das, was ich heute abgeliefert habe - einen sensationellen Sprung und einen sensationellen Langlauf.

... die Bedeutung des historischen ersten WM-Einzel-Goldes:

Das ist eine echte Ehre, dass ich diese Medaille für Österreich holen konnte und durfte. Das macht mich irrsinnig stolz. Es ist ein sehr emotionaler Tag. Bei der Flower Ceremony habe ich schon mit den Tränen gekämpft, da ist es echt abgegangen. Mir ist es kalt und heiß den Rücken runtergelaufen, es war ein richtig emotionaler Moment. Ich habe mir immer gedacht: Einzel-Weltmeister, das klingt so schön. Es war immer ein Traum von mir und heute wurde er Wirklichkeit.

... WM-Gold im Vergleich zu seinen anderen Medaillen:

Jede Medaille hat seinen eigenen emotionalen Verlauf. Das ist wieder eine ganz eigene Kategorie. Die Dichte wurde in den letzten Jahren viel höher, sodass es ein sehr emotionaler Moment ist.

... den Wert der Medaille im Hinblick auf den Team-Sprint:

Das war natürlich wichtig. Ich habe gesehen, dass die Kollegen auch gut unterwegs waren. Für den Teamsprint gibt uns das Motivation. Wenn wir eine gute Leistung auf der Schanze zeigen, ist in der Loipe einiges möglich.

... seinen Wunschpartner:

Wir sind eine lässige Truppe. Ich könnte mit jedem laufen. Wir haben schon verschiedene Konstellationen probiert und es haben auch verschiedene funktioniert. So gesehen ist es ganz egal. Wir sind so eine zusammengeschweißte Truppe und haben so einen tollen Teamspirit, dass ich mit jedem an den Start gehen möchte.

... die Fans vor Ort:

(Freundin) Margret habe ich gesehen, sie hat mir gewunken. Das war richtig schön, weil man sieht, dass sich sehr viele mit mir mitfreuen. Ich habe es auch so schön gefunden von den Konkurrenten. Die deutschen Trainer sind zu mir gekommen und haben gemeint, sie gönnen es mir. Auch Johannes (Rydzek) hat gemeint, er gönnt es mir von Herzen. Das ist einfach schön. Wir sind abseits der Schanzen und Loipen richtig gute Kumpels. Wir ratschen viel und haben eine Gaudi. So sollte es sein.

... Dinge, die er sich bei der Medaillenfeier gönnt:

(lacht) Eine Sportweisse vielleicht.

... ein Lied, das er gerne hören oder spielen würde.

Selber spielen würde mir gefallen, die Gitarre ist aber nicht dabei. Ich würde mir "Welcome to the Jungle" von Guns'n'Roses wünschen, das wäre richtig cool. Es wird sicher ein emotionaler Abend und richtig schön. Ich freue mich irrsinnig, das geschafft zu haben.

... seine Anfangsjahre:

Ich habe in meinen jungen Jahren natürlich von Felix (Gottwald), Mario (Stecher) und auch von Bieles (Christoph Bieler) profitiert. Klaus (Sulzenbacher) war in Stams mein Trainer. Er hat mir oft super Tipps gegeben. Er hat mich durch meine Karriere begleitet mit Volker Pichler. Die beiden waren in Stams Wegbegleiter für die weitere Karriere. Die anderen haben mir dann im Weltcup gezeigt, worauf es ankommt. So habe ich mich sukzessive nach oben gearbeitet. Und hier stehe ich.

... Worte des ÖSV-Präsidenten:

Er hat gemeint 'Was hab ich dir gesagt, was hab ich dir gesagt?'. Er hat gestern noch gemeint: 'Es ist völlig wurscht, ob du Vierter oder 30. wirst. Zählen tun die ersten Drei. Locker an die Sache rangehen und Spaß haben.' Diese Worte habe ich erhört und mir zu Herzen genommen. Man hat gesehen, was dabei heraus gekommen ist.


Aus Falun berichtet Christoph Nister

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