"Müssen jetzt mal in der A-Gruppe bleiben"

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Alles spricht nach der Rückkehr des österreichischen Eishockeys in die Weltelite von Neuaufbau und Umstrukturierung.

Der Wiederaufstieg soll den ersten Erfolg in einer neuen Ära bilden. Ziel ist es, eine ebenso junge wie schlagfertige Gruppe zu bilden, die auf Dauer in der A-Gruppe bestehen kann. Dies braucht jedoch Zeit, weiß auch Matthias Trattnig.

„Bis in zehn bis 15 Jahren wird sich nicht viel ändern“, so der Assistant-Captain der österreichischen Nationalmannschaft.

Trattnig war schon immer dafür bekannt, dass er sich kein Blatt vor den Mund nimmt und auch im LAOLA1-Interview haut der Verteidiger so manchen markanten Spruch raus. Unter anderem spricht er darüber, was passieren muss, damit Österreich langfristig Erfolg hat und was er von der Verjüngung im Senioren-Nationalteam hält.

LAOLA1: Matthias, wie wichtig ist es für Österreich zurück in der A-Gruppe zu sein?

Matthias Trattnig: Es ist toll. Nichtsdestotrotz hat sich im österreichischen Eishockey dadurch nichts geändert. Wir sind jetzt wieder aufgestiegen, aber das haben wir vor zwei, vier und sechs Jahren auch gemacht. Jetzt müssen wir auch mal schauen, dass wir uns oben halten können. Es ändert sich nicht viel, denn die Mannschaft, die spielt, wird immer ihr Bestes geben, und das ist alles, was man verlangen kann.

LAOLA1: Sprich der Aufstieg ist nur ein logischer Schritt und kein besonderer Erfolg?

Trattnig: Nein, es ist ein super Erfolg. Ich hatte die Ukraine eigentlich noch auf dem Zettel, die Ungarn waren stark und wie wir ja gesehen haben, war Japan auch nicht zu unterschätzen. Wir haben sicher eine tolle Leistung gebracht und für das österreichische Eishockey ist es toll, denn es wertet auch die Liga und den Status des Sports in Österreich auf. Es war unser Ziel aufzusteigen, auch wenn das im Vorfeld nicht von allen so formuliert wurde. Aber die Zukunft wird sich in zehn bis 15 Jahren nicht groß ändern. Vielleicht, wenn man jetzt beginnt, mehr Geld und Engagement in den Nachwuchs zu stecken und aufhört nur darüber zu sprechen, könnte das irgendwann auch mal was werden.

Trattnig (l.) fühlt sich wohl im Team

LAOLA1: Was muss passieren, damit das heimische Eishockey saniert wird?

Trattnig: Um das umzusetzen, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Das geht über den ÖEHV, die Teams und braucht vielleicht auch ein bisschen Druck von der Presse. Dann kann es in zehn bis 15 Jahren etwas werden. Wir brauchen mehr Eishallen, da muss der Staat auch ein bisschen unterstützend eingreifen. Es muss endlich mal etwas gemacht und nicht nur immer gemeckert werden. Wie nach der Niederlage gegen Japan, da hat auch gleich wieder jeder geraunzt, dabei haben wir auch gegen die Asiaten alles gegeben. Das Meckern muss aufhören, das gilt auch für uns Spieler. Es gilt abzustecken, wer etwas zur Entwicklung beitragen kann. Durchs Meckern wird sich nichts ändern.

LAOLA1: Glaubst du, dass die Herren, die jetzt das Sagen haben, die richtigen Schritte für eine erfolgreiche Zukunft einleiten?

Trattnig: Das kann ich nicht beurteilen, denn da bin ich überhaupt nicht involviert. Die Zeit wird es zeigen. Ich kann auch nicht sagen, ob im letzten Jahr schon was passiert ist, denn im Eishockey sieht man die Auswirkungen immer erst viel später. Ein Sportler fängt mit fünf bis sieben Jahren an und ist erst 15 Jahre später auf Senioren-Level. Es wird sich zeigen.

LAOLA1: Du wirkst eher deprimiert als froh über den erfolgreichen Turnier-Verlauf?

Trattnig: Nein, ich bin komplett happy. Eine B-WM ist schwer zu spielen, aber das Niveau ist nicht so hoch. Das Level in der A-Gruppe ist drei Klassen höher. Ich würde sagen, es ist EBEL-Niveau, manchmal eventuell ein bisschen schneller und intensiver. Die Slowenen könnten sicher stärker sein, denn die haben noch zwei Spieler in der NHL und auch bei uns fehlt der ein oder andere. Alles in allem ist es hohes EBEL-Niveau.

LAOLA1: Du hast bereits angesprochen, dass es in den letzten Jahren immer rauf und runter ging. Sollte es auch im nächsten Jahr nicht mit dem Verbleib klappen, könntest du dir vorstellen, den Hut drauf zu werfen und die Nationalmannschaftskarriere zu beenden?

Trattnig: Das muss ich mir von Jahr zu Jahr überlegen. Aber solange ich motiviert bin und gewillt, alles für das Nationalteam zu geben, werde ich, sofern ich einberufen werde, spielen. Es hängt auch von der privaten Situation ab. Ich verstehe jeden Spieler, der nicht mehr acht Wochen nach Saisonschluss noch trainieren will, um dann noch zwei Wochen WM zu spielen und erst im Mai fertig zu sein. Ich respektiere die Entscheidung eines jeden Einzelnen und dadurch haben andere, die wollen, eine Chance sich zu beweisen. Mir macht es Spaß, für Österreich zu spielen und solange das anhält, stehe ich auch zur Verfügung.

Das Interview führte Sebastian Rauch

LAOLA1: Von offizieller Seite hieß es, primäres Ziel sei es, eine junge Mannschaft aufzubauen.

Trattnig: Das ist ein Senioren-Nationalteam, da sollen die Besten spielen, damit wir aufsteigen. Dies ist uns gelungen und im nächsten Jahr werden wir mit 100 Prozent bei der A-WM dabei sein. Sollten wir verlieren, ist es kein Beinbruch, solange wir alles geben. Es ist sicher ein besserer Erfahrungswert für alle Spieler, in der Weltelite zu spielen als in der B-Gruppe Matches zu bestreiten. Auch wenn wir die nächsten fünf Jahre immer wieder auf- und absteigen, so ist es immer noch besser, ein Jahr in der A-Gruppe dabei zu sein und auf höchstem Niveau zu sehen, wie diese Mannschaften agieren und wie es dort abläuft.

LAOLA1: Im letzten Jahr hast du das Umfeld und die Organisation des Nationalteams heftig kritisiert. Hat sich diesbezüglich etwas geändert?

Trattnig: Es hat sich gebessert. Der Trainer- sowie Betreuerstab ist sehr gut dieses Jahr. Es hat sich einiges zum Positiven entwickelt. Der nächste Schritt ist, dass man auf den Nachwuchs schaut. Es macht wenig Sinn zu sagen, man baut ein neues Senioren-Nationalteam auf, sondern wir bauen die Jugend auf. In diese Richtung müssen die Ressourcen geleitet werden. Es wäre schön, wenn Österreich nach dem Schweizer Vorbild zur Eishockey-Nation werden würde. Das Potenzial hätten wir. Die Liga ist erfolgreich, und es gibt genug Leute, die Interesse daran hätten.

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