"Wie ein Messer ins Herz"

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Gemischte Gefühle nach Sieg über den Erzrivalen

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Österreichs Eishockey-Team kämpft nach dem 3:2-Sieg im Penaltyschießen gegen Deutschland bei der A-WM in Prag mit gemischten Gefühlen.

Einerseits freuen sich die ÖEHV-Cracks natürlich über den Sieg und die damit verbundenen zwei Punkte, die auch einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt bedeuten. Andererseits wäre gegen den Erzrivalen deutlich mehr drinnen gewesen. Mit drei Zählern hätte es dann schon mit dem Teufel zugehen müssen, dass Österreich zum sechsten Mal in Folge absteigt.

"Ich freue mich über die zwei Punkte, bin aber enttäuscht, dass es nicht drei sind", sagt Headcoach Daniel Ratushny in einem ersten Statement.

Wieder kein Glück

So muss Österreich hoffen, dass Frankreich gegen Lettland nicht nach Verlängerung oder im Penaltyschießen siegt, denn dann wäre Rot-weiß-rot Tabellen-Letzter. Das gilt natürlich nur unter der Voraussetzung, dass Österreich gegen Kanada keine Sensation gelingt.

"Wir müssen jetzt natürlich die anderen Spiele abwarten. So wie uns das Pech durch das gesamte Turnier verfolgt hat, hoffe ich, dass jetzt noch etwas Glück dazu kommt", meint Florian Iberer gegenüber LAOLA1.

"Gegen Kanada sind wir sicher nicht Favorit auf drei Punkte, daher liegt es eigentlich nicht mehr in unserer Hand." Auch Rafael Rotter stößt ins selbe Horn: "Wir waren eindeutig die bessere Mannschaft, haben über die meiste Zeit dominiert, aber das Glück ist schon die gesamte WM über nicht auf unserer Seite."

Das Glück war Österreich gegen die Deutschen nicht hold. Allein das Schussverhältnis von 34:17 spricht Bände. Im Schlussdrittel feuert die Truppe von Headcoach Daniel Ratuhsny 13 Mal aufs gegnerische Gehäuse und trifft einmal, die Deutschen jubelen bei nur fünf Versuchen gleich zwei Mal.

"Ein Tausend-Gulden-Schuss"

"Nach dem Tor vom Rotti (zum 2:1; Anm.) fühlst du dich natürlich super. Da schaust du auf die Uhr und denkst dir: Jetzt biegen wir sie. Wir sind danach defensiv gut gestanden, dann kommt die Scheibe auf die blaue Linie, der Deutsche zieht ab. Es sind vielleicht zwei Zentimeter Platz, aber so wie es halt sein muss, machen die mit dem elften Schuss das zweite Tor", ärgert sich Michael Raffl und auch Iberer hadert mit dem Schicksal:

"Das war ein Tausend-Gulden-Schuss, der geht nicht alle Tage rein. Aber es reicht nicht, die bessere Mannschaft zu sein, man muss auch abgebrüht sein, das ist etwas, das vor allem die jungen Spieler mitnehmen können."

Auf eine etwaige Absprache zwischen Frankreich und Lettland angesprochen, hat Raffl eine klare Meinung: "Ich glaube nicht, dass das geht, gerade im Eishockey gibt es so etwas nicht, das würde ich nie einer Mannschaft unterstellen."

Der NHL-Legionär findet sogar etwas Positives an der Situation: "Wenigstens wird es für uns spannend, die Partie vor dem Fernseher zu verfolgen und ich glaube fest daran, dass das Eishockey-Karma auf unserer Seite sein wird."

Das Spiel gegen Deutschland war ein Wechselbad der Gefühle

ÖEHV-Team beweist mentale Stärke

Dass seine Mannschaft nach dem Ausgleich exakt zwei Minuten vor dem Ende nicht einbrach, machte Ratushny stolz: "Die Mannschaft hat in der Overtime mentale Stärke bewiesen, so ein später Gegentreffer kann an dir nagen."

Der Coach gab aber zu, dass die letzten Minuten auch für ihn ein Wechselbad der Gefühle waren. "Es war wie ein Messer ins Herz, als sie den Ausgleich erzielt haben. Aber so ist es nun einmal im Eishockey, da gibt es immer Ups und Downs."

Was dem 44-jährigen Kanadier Freude bereitete, war die erneut erkennbare Weiterentwicklung. "Wir machen weiter Fortschritte. Gegen Frankreich waren wir defensiv stark, haben aber kaum Chancen kreiert, gegen Lettland kamen dann viele Möglichkeiten dazu und heute waren wir das bessere Team und haben unsere Chancen auch verwertet. Es ist eine ständige Verbesserung zu sehen."

Cortina lobt Österreich

Auch sein Gegenüber, Pat Cortina, musste eingestehen, dass Team Austria die Partie über weite Strecken dominierte:

„Wir hatten gute erste fünf bis sechs Minuten, das restliche Spiel war Österreich besser. Glücklicherweise haben wir im letzten Drittel zweimal angeschrieben und den wichtigen Punkt für den fixen Klassenerhalt eingefahren“, so der Trainer, der aber gleich nachschickte, dass er gerne mehr Zähler geholt hätte:

„Natürlich hätten wir gerne gewonnen, es geht ja auch um die Weltrangliste.“

Fokus auf Kanada gerichtet

Diese interessiert Ratushny und sein Team weniger, schließlich hat Österreich im Gegensatz zu den Deutschen noch ein Spiel vor der Brust.

Heute Dienstag (ab 12:15 Uhr im LAOLA1-LIVE-Ticker) steht das Duell mit dem haushohen WM-Favoriten Kanada an. Ein Sieg gegen die Ahornblätter würde den sicheren Klassenerhalt bedeuten, ist aber so wahrscheinlich, wie ein Schneesturm in der Sahara.

"Wir konzentrieren uns nur auf Kanada, es ist eine Riesenaufgabe, aber in 60 Minuten kann viel passieren. Vielleicht schaut der Hockey-Gott ja auf uns herunter", sagt der Coach mit einem Lächeln.

"Gegen solche Gegner kannst du nur gut aussehen"

Auch Raffl freut sich schon auf das Duell mit seinen NHL-Kollegen, wobei ihm natürlich ebenfalls bewusst ist, dass Team Austria gegen Sidney Crosby und Co. eher keine Punkte einplanen sollte.

"Das ist eine All-Star-Truppe. Jeder von uns sollte sich freuen, dass er gegen solche Spieler auf dem Eis stehen darf", so der 26-Jährige. "Gegen so einen Gegner kannst du ja nur gut aussehen, vorausgesetzt natürlich, man gibt alles. Man darf auf keinen Fall in Ehrfurcht erstarren."

So wie Österreich bislang aufgetreten ist, darf man davon nicht ausgehen und auch Rotter verspricht: "Wir wollen noch einmal gutes Eishockey zeigen!"

 

Aus Prag berichtet Fabian Santner

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