Zwei Brocken zum WM-Auftakt

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Was man über Schweiz und Schweden wissen muss

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Am Samstag um 12:15 Uhr geht die A-WM in Prag für Österreich los.

Die Mannschaft von Dan Ratushny trifft erst auf die Schweiz und bekommt es nur 24 Stunden später mit Schweden zu tun.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller kennt beide Teams in und auswendig:

SCHWEIZ

Österreichs erster WM-Gegner steht vor einer neuen Ära.

Nach fünf Jahren unter Sean Simpson steht bei der Schweiz mit Glen Hanlon ein neuer Headcoach hinter der Bande. Hanlons Trainerstationen der letzten Jahren waren eklektisch.

Hanlon noch ohne Erfolge

Bei der Slowakei nach einer desaströsen Heim-WM gefeuert, danach Assistant Coach in Vancouver – allerdings nicht bei den Canucks, sondern bei den Giants in der Western Hockey League. Anschließend übernahm der 58-jährige das Nationalteam von Weißrussland, das er schon vor seinem Slowakei-Engagement betreut hatte. In der NHL hielt sich der Ex-Goalie bei Washington nicht einmal zwei ganze Saisonen.

Mit dem letztjährigen Vorrundenausscheiden hat Simpson die Latte nicht sehr hoch gelegt, Hanlons Spielphilosophie soll eine Fortentwicklung von Simpsons Arbeit sein.

Er möchte auf die Vorzüge der NLA bauen – sprich Speed und aggressive Offensive. In der Vorbereitung hagelt es aber Gegentreffer, vor allem im Konter zeigten sich die Eidgenossen anfällig. Die Zeiten, als Ralph Krueger auf die Trap setzte, sollen jedenfalls endgültig vorbei sein, doch geht das auf Kosten des Erfolgs?

Tor:

Reto Berra, ein hünenhafter Mann mit Bierruhe, hat sich in der NHL bei Calgary und Colorado noch nicht so recht durchsetzen können, und die Avalanche sucht bereits einen Abnehmer für den etwas temperamentlosen Goalie.

Backup Leonardi Genoni war ein Keyplayer bei Meister Davos, im Gegensatz zu seinem ehemaligen Vereinskollegen Berra fehlt ihm für eine NHL-Karriere die notwenige Größe.

Die Goalieposition sollte am wenigsten Sorgen bereiten, auch wenn Calgarys Jonas Hiller anderweitig beschäftigt ist. Allerdings würde es nicht überraschen, wenn Genoni am Ende des Turniers Berra überflügelt hat. 

Abwehr:

Nashvilles Roman Josi - ein immens smarter Zweiweg-Verteidiger - absolviert als 24-jähriger seine bereits sechste (!) A-WM.

Oldboy Mark Streit sollte weiterhin eine Bank im Powerplay sein. Mit Dean Kukan steht ein Legionär zur Verfügung, der sich über die Jugendabteilung in Lulea in die SHL und das Nationalteam gespielt hat. Die Top-4 rundet Felicien DuBois ab.

Überraschend im Kader: Timo Helbling, ein Bruiser mit sehr limitierten Puckskills, der auf diesem Niveau für einige Strafzeiten gut sein sollte. Seine Nominierung war wohl die größte Überraschung. 

Unter den Absenzen: San Joses Mirco Müller ist ebenso verletzt wie Vancouvers Luca Sbisa, sein Vereinskollege Yannick Weber sagte ohne NHL-Vertrag für die nächste Saison ab. Julien Vauclair trat nach unzähligen WMs zurück, der mobile Sven Blindenbacher fand überraschend keine Berücksichtigung. 

Angriff:

Ein gewichtiger Unterschied zum rot-weiß-roten Team: Rollenspieler stehen zur Genüge zur Verfügung. Seien es der hünenhafte, etwas galoppermäßig-skatende Reto Schäppi, Buzzsaw-Player Dino Wieser oder der schnelle Davos-Kapitän Andres Ambühl – die Bottom-6 können stets gut gefüllt werden.

Doch im Scorersegment könnte es Probleme geben: Benjamin Plüss, Julian Sprunger und Roman Wick beendeten ihre Teamkarriere, der launische Luca Cunti fand nach einer durchwachsenen Saison keine Berücksichtigung. In der NHL bzw. AHL unabkömmlich: Nino Niederreiter (Minnesota) und Sven Bärtschi (Utica). Wer soll also treffen?

Zugs Reto Suri kommt über Speed zu seinen Chancen, Damien Brunners NHL-Karriere verlief nach einem spektakulären Start in Detroit zwar im Sande, seine Hände sind für Europa aber weiter top-notch. Kevin Romys Rolle könnte heuer von ihm mehr Offensive als zuvor abverlangen. Auf A-Niveau noch nicht getestet: Cody Almond, der einzige Kanada-Schweizer im Team.

Vielleicht der interessanteste Spieler: Kevin Fiala, ein kleiner Puck Wizard. Letzte Saison schaffte er es, mit der U18, U20 und der A-WM in drei internationalen Turnieren zum Zug zu kommen. Heuer forderten die Nashville Predators ihn nach der Junioren-WM von Jönköping ins Farmteam nach Milwaukee an, zwei NHL-Spiele stehen für den 18-jährigen auch schon zu Buche. Ungewiss, wie viel Offensive er an einer WM schon erzeugen kann, seine Sweatersammlung der letzten beiden Jahre kann sich aber sicher sehen lassen.

Ein Viertelfinalplatz ist wie immer das (realistische) Ziel der Eidgenossen, doch dazu muß die Anzahl der abgegebenen Konter aus der Vorbereitung drastisch reduziert werden.

Tor:

Jhonas Enroth gehört zu einer aussterbenden Spezies – ein NHL-Goalie, der unter sechs Fuß misst.

Der reflexstarke Dallas-Backup sollte das Rennen vor Anders Nilsson (Kazan) machen, dem seine knapp zwei Meter in der Islanders-Organisation auch nicht weiterhalfen.

Vancouvers Eddie Läck hat bis jetzt weder zu- noch abgesagt.

SCHWEDEN

Wie bei Deutschland standen auch bei den Schweden die abwesenden Spieler im Vordergrund der WM-Diskussionen.

Wer einen mit NHL-Stars gespickten Kader erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Es hagelte Absagen

Absagen kamen rechts und links. Wegen Verletzungen (ob real oder vorgeschoben) etwa nicht dabei:

Offensivverteidiger Erik Karlsson (Ottawa), Alexander Edler (Vancouver), die Zweiwegcenter Alexander Steen (St. Louis) und Gabriel Landeskog (Colorado) sowie als größte, aber erwartete Enttäuschung die Sedin-Zwillinge (Vancouver).

Doch wer die Qualität eines WM-Kaders an der Anzahl der NHL-Spielers misst, ist schon oft in die Irre geführt worden. Einige der schwedischen Cracks haben sich schon bei etlichen Weltmeisterschaften bewiesen und keine andere europäische Nation produzierte in den letzten Jahren so viel Talent wie die „Tre Kronor“.

Wer sich also auf die NHL-Absenzen konzentriert, kann an diesem Team zweifeln. Doch wer den Kader Mann für Mann durchleuchtet, kann durchaus an die sechste Medaille in den letzten sieben Jahren glauben. 

Abwehr:

Oliver Ekman-Larsson (Arizona) ist der Prototyp eines modernen NHL-Defenders: Smart, beweglich, tolle Stockarbeit.

Ebenfalls ein überragender Skater und mit großem Offensivpotential: John Klingberg, heuer mit einem Breakout-Jahr in Dallas. Mattias Ekholm arbeitet sich im Nashville-Lineup Stufe für Stufe hinauf und hat ebenfalls gute Puckskills.

Mehr fürs Grobe zuständig: Oscar Klefbom (Edmonton) und der pucktechnisch limitierte Daniel Rahimi (Linköping). Johan Fransson (Rapperswil) ist einer jener Spieltypen, die in Europa weit besser funktionieren als in Nordamerika – beweglich, gute Skills, unter Druck jedoch mit Problemen.

Angriff:

Filip Forsberg ist natürlich der Hoffnungsträger nach einer tollen Saison in Nashville, sein Trade aus Washington kostete Capitals-GM George McPhee unter anderem seinen Job.

Ebenfalls erst am Beginn ihrer NHL-Karriere: Der smarte Playmaker Elias Lindholm (Carolina) sowie sein Teamkollege Viktor Rask. Weniger Offensiverwartungen darf man in Jacob Josefson (New Jersey), Anton Lander (Edmonton) und Joakim Lindström (Toronto) stecken, Lindström zeigt sich bei Turnieren allerdings weit gefährlicher als in der NHL. Bostons Loui Eriksson ist dagegen als Punktegarant ein Anwärter auf das All-Star-Team.

Zu den angesprochenen soliden WM-Performern aus Europa zählen die KHL-Legionäre Oscar Möller und Jimmie Ericsson, Joel Lundqvists Nominierung ist allerdings eine von jenen Maßnahmen, die Coach Per Mårts in die Kritik kommen ließ - der Frölunda-Kapitän fällt selbst in der SHL kaum mehr auf.

Dass ausgerechnet die (ohnehin spät begonnene) Serie zwischen Detroit und Tampa Bay in Spiel sieben ging, machte die Planungen von Mårts nicht leichter. Allerdings sagten die augeschiedenen Red Wings Henrik Zetterberg und Gustav Nyquist bereits ab, fraglich ob kurzfristig noch jemand dazustößt.

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