Geier-Twins: Doppelt hält besser

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Sie gleichen sich auf den ersten Blick wie ein Ei dem anderen.

Kein Wunder, Manuel und Stefan Geier sind schließlich eineiige Zwillinge. Einziges Unterscheidungsmerkmal für solche, die nicht täglich mit den Brüdern zu tun haben, ist eine kleine Narbe unter dem linken Mundwinkel, die das Gesicht Manuels ziert.

Aus diesem Grund stellen sich die beiden KAC-Stürmer in der Mixed-Zone sofort per Namen vor.

Während andere österreichische Spieler davon ausgehen können, dass sie bei einem Event wie der B-WM in Ljubljana auch ohne Trikot von den heimischen Journalisten erkannt werden, sind es die Zwillinge bereits gewöhnt, dass die Personen um sie herum Probleme haben, sie auseinanderzuhalten.

Karriere im Gleichschritt

Doch nicht nur äußerlich scheinen die beiden 24-Jährigen ident, auch ihre Art zu spielen ist ähnlich, sogar ihre Ausbeute vor dem Tor weicht kaum voneinander ab. So konnte Manuel in der abgelaufenen Saison 23 Punkte (sechs Tore) auf seinem persönlichen Konto gutschreiben, Stefan verbuchte mit 22 (zehn Tore) lediglich einen Zähler weniger.

„Mein Bruder ist eher der geradliniger Typ. Ich versuche etwas mehr und weiche dann schon mal vom System des Trainers ab. Aber im Großen und Ganzen sind wir auch auf dem Eis sehr ähnlich“, klärt Manuel im Gespräch mit LAOLA1 auf.

Aus diesem Grund verlief die Karriere der Brüder bisher auch im Gleichschritt. Mit dreieinhalb Jahren standen sie erstmals auf dem Eis, weil laut eigenen Angaben „von der Gemeinde ein Brief gekommen ist, welcher informierte, dass man Nachwuchsspieler suchen würde. Unsere Eltern dachten es wäre eine gute Idee und haben uns angemeldet.“

Eigentlich Drillinge

Doch eigentlich machen sich die Steirer über einen Wechsel keine Gedanken. Beide haben beim KAC, zu dem sie nach ihrem Schweden-Gastspiel gewechselt sind, ihre sportliche Heimat gefunden und noch bis 2014 Vertrag.

Bei den Klagenfurtern bilden sie gemeinsam mit Raphael Herburger die erste Linie. Auch im Nationalteam spielen die Geiers mit dem gebürtigen Vorarlberger zusammen. Auf die Idee, mal mit einem anderen Sturmpartner auflaufen zu wollen, kommen die Brüder nicht.

„So wie es ist, ist es gut. Wir harmonieren gut und sind erfolgreich. Warum sollte man das ändern wollen“, ist der kurze und knappe Kommentar auf die Frage, ob sie sich auf dem Eis nicht auch mal nach ein bisschen Abwechslung sehnen.

Die Tatsache, dass sie Zwillinge sind hilft ihnen auf dem Eis und macht es möglich, dass sie sich fast blind verstehen.

„Wir lesen das Spiel des anderen sicherlich besser, als dies andere Sturmpartner tun. Wenn mein Bruder in die Ecke fährt, kann ich mit 80 prozentiger Sicherheit sagen, wo er die Scheibe hinbringen wird. Das ist der Vorteil eines Zwillingsbruders“, beschreibt Manuel das Verständnis auf dem Eis.

Durch die vielen gemeinsamen Spiele und Trainingseinheiten haben die Geiers ihren Center sozusagen adoptiert. „Mit Rapahel Herburger haben wir eigentlich noch einen Drilling“, so Manuel.

„Wir drei sind im selben Alter, verstehen uns auch abseits sehr gut und kommunizieren viel miteinander. Das ist der Schlüssel zu unserem Spiel“, beschreibt Stefan das Erfolgsgeheimnis des Trios.

Ein Jahr gemeinsam in Schweden

Der EV Zeltweg wurde ihr Ausbildungsverein, welchem sie bis zum Jahre 2007 treu blieben. Danach kamen sie im Alter von 19 dem Ruf des Auslands nach. Natürlich gemeinsam.

Das Engagement beim IFK Arboga währte jedoch nur ein Jahr, danach ging es wieder zurück in heimische Gefilde. Trotz des kurzen Intermezzos können sich die Stürmer durchaus vorstellen, in der Zukunft erneut das Abenteuer Ausland in Angriff zu nehmen.

„Bereits kurz nach unserem Gastspiel in Schweden haben wir gesagt, dass eine Rückkehr nach Skandinavien nicht ausgeschlossen ist“, hat Stefan das Thema nicht abgehakt. Dabei würden die Brüder sogar in Kauf nehmen, voneinander getrennt zu werden.

"Wir würden auch getrennt wohin gehen, aber wenn es sich gemeinsam ergibt, dann natürlich zusammen“, meint Stefan und nennt die Schweizer Nationalliga als mögliche Option.

Manuel Geier erzielte bisher ein WM-Tor

B-WM für Einstand genau richtig

Derzeit sammeln die beiden gemeinsam mit ihrem „Drilling“ erstmals Erfahrung bei einer Weltmeisterschaft. Auch in Zukunft wollen die Geiers natürlich zum Stamm der Nationalmannschaft gehören und wenn es geht, bereits im nächsten Jahr auf A-Niveau gegen die besten Teams der Welt antreten.

„Die Mannschaft will aufsteigen, denn als Sportler willst du jedes Spiel gewinnen und damit stehst du automatisch auf dem Aufstiegsplatz. Außerdem ist es ein großer Wunsch, dass wir auch mal bei einer A-WM dabei sind“, formuliert Stefan ganz klar die Ziele für dieses Turnier.

Dennoch sind die beiden froh, ihr Debüt erstmals „nur“ bei einer B-WM geben zu dürfen.

„Es ist für uns als Neulinge gut, dass wir zum Einstieg bei einer B-WM spielen. So lernen wir alles kennen und es ist nicht so hochklassig. Denn die A-WM ist doch um ein paar Klassen stärker“, führt Stefan aus.

Die Möglichkeit, dass es eines Tages so kommen könnte, dass nur einer der Brüder für ein Turnier nominiert wird und der andere nicht, besteht für die Twins so gut wie nicht.

„Auf die Begründung wäre ich dann gespannt, warum der eine dabei wäre und der andere nicht. Der Spielstil ist einfach zu ähnlich. Da es aber derzeit nicht so ist, ist es bei uns auch kein Thema“, macht sich Manuel keine Gedanken.

Der Fokus liegt eindeutig auf den kommenden Spielen und dem angestrebten Aufstieg. Dazu wollen Stefan und Manuel Geier in den kommenden Tagen ihren Beitrag leisten. Gemeinsam, versteht sich.

Sebastian Rauch

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