"Entscheidend ist, dass er sich wohl fühlt"

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Am Ende wurden es die Minnesota Wild.

Thomas Vanek hat mit seinem Wechsel in seine zweite Heimat  kaum jemanden überrascht (HIER geht's zum Bericht), was aber vielleicht nicht alle wissen: Österreichs Eishockey-Star tritt in Minnesota in die Fußstapfen eines anderen Österreichers.

Erster österreichischer NHL-Torschütze

Christoph Brandner stand bereits vor über zehn Jahren im Kader der Wild. Er wurde 2002 von Minnesota in der achten Runde an insgesamt 237. Stelle gedrafted und absolvierte in der Saison 2003/04 35 Einsätze für die Franchise.

Dabei verbuchte der ehemalige Nationalspieler, der Mitglied von Österreichs „Jahrhundert-Team“ ist, vier Tore und fünf Vorlagen. Was diese Zahlen betrifft, hat er gegenüber Vanek eindeutig das Nachsehen.

Einen Rekord kann ihm der 30-Jährige aber nicht mehr wegschnappen, denn Brandner war der erste Österreicher, der in der besten Eishockeyliga der Welt ein Tor erzielt hat.

LAOLA1 hat mit dem mittlerweile 38-Jährigen über seine Zeit bei den Wild, Vaneks Beweggründe für den Wechsel sowie die Chancen Minnesotas auf den Stanley Cup gesprochen:

LAOLA1: Was sagst du zum Transfer von Vanek zu den Wild. Hast du erwartet, dass es so schnell geht?

Christoph Brandner: Die NHL hat da ihre eigenen Gesetze. Das kann da drüben sehr schnell über die Bühne gehen, kann sich andererseits aber auch lange hinziehen. Gut für ihn, dass es gleich geklappt hat.

LAOLA1: Vanek hat höher dotierte und vor allem längerfristige Angebote ausgeschlagen, weil er unbedingt in seine zweite Heimat Minnesota wollte. Für dich verständlich?

Brandner: Das ist seine Entscheidung. Er wird sich das sicher gut überlegt haben. Ich bin eigentlich ein Verfechter davon, dass man nicht immer dem meisten Geld folgen muss. Wenn es andere Gründe gibt, warum man irgendwo hin will, warum nicht? Von dem her unterstütze ich diese Entscheidung voll.

Wurden im selben Jahr gedrafted: Die Wild-Spieler Parise, Suter und Vanek

LAOLA1: Es war ein offenes Geheimnis, dass er dorthin wollte. Hat sich Vanek dadurch in eine schlechte Verhandlungsposition gebracht?

Brandner: Er hat es nun mal offen ausgesprochen, dass es ihm dort gefällt. Aber wenn man sich vor Augen führt, dass er dort groß geworden ist und auf dem College war, wo er eine gute Zeit hatte, muss man als Manager eines Teams nur eins und eins zusammenzählen und wird wissen, dass es ihn dahin zieht.

LAOLA1: Du hast selbst eine Saison bei den Wild gespielt, hattest sogar dieselbe Rückennummer wie Vanek, was kannst du über den Verein, das Umfeld, die Fans, die Stadt erzählen? Die Hockeybegeisterung dort ist ja sehr groß.

Brandner: Bei mir ist es natürlich schon eine Zeit her, da sind schon ein paar Jährchen vergangen (lacht). Es ist jedenfalls eine totale Hockey-Town. Im Excel Energy Center spielt man vor 18.000 fanatischen Fans. Es ist echt cool, dort zu spielen. Aber dort, wo Thomas schon überall war, wird es nicht großartig anders sein. Für ihn ist das nichts Neues.

LAOLA1: Wie ist es, dort zu leben? Was zeichnet die Twin Cities St. Paul und Minneapolis aus?

Brandner: St. Paul ist eine typische amerikanische Großstadt. Aber Thomas kennt die Gegend ja sicher besser als ich, er kommt ja eigentlich von dort. Als Profi ist man aber gar nicht so viel in der Stadt unterwegs. Insgesamt muss ich ehrlicherweise sagen, dass ich die Twin Cities jetzt nicht so wahnsinnig beeindruckend gefunden habe.

LAOLA1: In amerikanischen Medien wurde Vanek teilweise als „Verlierer“ der Free Agency hingestellt. Manche Kommentatoren gehen sogar soweit und machen seine teilweise dürftigen Playoff-Auftritte dafür verantwortlich, dass er keinen „besseren“ Vertrag rausschlagen konnte. Wie siehst du das?

Brandner: Also wenn man sich die Summen ansieht, um die es da geht, glaub ich nicht unbedingt, dass es ein schlechter Vertrag ist (lacht). Und er hat ja auch davor gut verdient, weswegen ich nicht glaube, dass das jetzt eine Entscheidung war, die er des Geldes wegen gefällt hat.

LAOLA1: Vanek musste in Montreal viel Kritik einstecken. War es vielleicht auch ein Grund, in die zweite Heimat zu wechseln, weil die Fans einem Spieler aus der Gegend eher einen Fehler verzeihen?

Brandner: Als Topspieler bist du ständig mit Kritik konfrontiert. Wenn es gut läuft, bist du der Held und wenn nicht, dann wird alles hinterfragt. So ist nun mal das Geschäft. Ein Dritt- oder Viertlinienspieler ist da nicht so einem Druck ausgesetzt. Das weiß Thomas aber und damit kann er auch ganz gut umgehen.

LAOLA1: Vanek geht davon aus, dass er hier die Chance auf den Stanley Cup hat. Teilst du diese Ansicht? Wie stark schätzt du die Wild ein?

Brandner: Die Chance ist prinzipiell schon vorhanden. Es wird aber sicher eine schwierige Aufgabe. Die Mannschaft ist nicht schlecht, hat sich in den letzten Jahren stetig verbessert, auch in den Playoffs. Aber wenn man um den Stanley Cup mitspielen will, muss einfach alles passen. Das sieht man jedes Jahr aus Neue.

LAOLA1: Was fehlt den Wild noch, um Stanley-Cup-Kandidat zu werden?

Brandner: Das möchte ich jetzt gar nicht so an Positionen festmachen. Viel wichtiger ist, dass man Spieler hat, die Teamplayer sind. Der Coach muss es schaffen, eine homogene Mannschaft zu formen. Wenn das funktioniert, ist viel möglich. Das ist aber gerade in der NHL oft schwer, weil es eben ein hartes Business ist und viele Spieler für sich alleine kämpfen.

LAOLA1: Abschlussfrage: Wenn du alle Faktoren zusammenzählst, wie bewertest du den Wechsel zu den Wild?

Brandner: Ich glaube, das war für Thomas vor allem darum ein guter Wechsel, weil er sich dort wohl fühlt. Das ist das Entscheidende, alles andere ist eigentlich zweitrangig.

 

Fabian Santner

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