Pöck und das NHL-Fernweh

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Pöck: Fernweh nach dem Eishockey-Wunderland

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New York Rangers und Stadtrivale Islanders – doch was folgt nun?

Nach zwölf Jahren als Eishockey-Globetrotter schien für Thomas Pöck die Zeit reif, bei Heimatverein KAC eine beeindruckende Laufbahn ausklingen zu lassen.

Wäre da nicht dieses verflixte Fernweh. Jenes nach der National Hockey League.

„Es ist die Möglichkeit aufgetaucht, in Übersee unterzukommen. Thomas möchte diese wahren und sich alle Optionen offen halten“, begründet Vater Herbert gegenüber LAOLA1 das Zuwarten.

Sein Sohnemann könnte alsbald zurück in die Riege der weltbesten Cracks stoßen. Unverhofft, jedoch nicht ganz unerwartet.

In der schwedischen Elitserien wusste der 30-jährige zu begeistern, schraubte so seinen Marktwert in die Höhe. Das blieb einigen Franchises nicht verborgen.

„Thomas äußert sich nicht mehr!“

„Die Möglichkeit besteht einzig und allein, da er in Schweden ein sehr gutes Jahr hatte“, gibt die KAC-Legende Herbert Pöck zu verstehen. Der vertraglose Mittelpunkt aller Spekulationen möchte indes zu eben jenen kein Statement abgeben.

„Thomas äußert sich diesbezüglich in der nächsten Zeit nicht mehr. Er kann zu der Situation nicht viel sagen. Der Agent steht mit Vereinen in Kontakt und wird Angebote vorlegen. Und dann entscheiden sie gemeinsam, was ist für ihn das Beste ist.“

In den Medien kursierten zuletzt Vorjahres-Finalist Vancouver Canucks, Phoenix Coyotes sowie Colorado Avalanche als potenzielle Arbeitgeber. Es wäre DIE Transfer-Bombe aus „rot-weiß-roter“ Sicht. Kommentieren kann oder will der frühere Angreifer diese Gerüchte nicht.

12. April 2009: Vermeintlich letztes NHL-Spiel

„Es sind Anfragen eingetroffen, Namen kenne ich auch nicht. Warum das in den Zeitungen steht und woher sie das nehmen, da habe ich keine Ahnung“, versichert er und bestätigt unmissverständlich: „Es gibt auf jeden Fall Interesse an seiner Person, sonst hätte er nicht gesagt, zuwarten zu wollen.“

Am 12. April 2009 betrat Pöck als Spieler der NY Islanders bislang zum letzten Mal die bedeutendste Eishockey-Bühne. Mit einem 2:6-Debakel gegen die Boston Bruins verabschiedete sich der Defender. Insgesamt 118 Regular-Season-Einsätze und vier Playoff-Begegnungen absolvierte er und erfüllte sich damit ein Lebensziel.

„Es ist einfach der Traum jedes Einzelnen, die Möglichkeit zu kriegen, dort aufzulaufen“, verdeutlicht Pöck senior. Schon mit 18 Lenzen musste er den Erstgeborenen – der erst 20-jährige Markus wandelt bei RB Salzburg ebenfalls auf seinen Spuren – dafür nach Nordamerika ziehen lassen.

Berg- und Talfahrt in New York

Tausende Kilometer fern der Heimat konnte sich Thomas beweisen. Nach vier erfolgreichen Saisonen an der University of Massachusetts führte ihn sein Weg direkt zu den New York Rangers. Ohne jemals im Draft berücksichtigt worden zu sein, debütierte Pöck 2003/04 in der NHL.

Die folgenden fünf Jahre glichen einer stetigen Berg- und Talfahrt. Einer zwischen Wunsch, sprich der großen Karriere, und Wirklichkeit, dem tristen Alltag im Farmteam. Letztlich landete Pöck im Sommer ’07 auf der Waiver-List, als plötzlich die Islanders zuschlugen.

Pöck wird Nationalteam bei der B-WM fehlen

Er wittert die Chance, neuerlich den Sprung über den „großen Teich“ zu realisieren. Nachvollziehbar, dass eine Rückkehr zum KAC ausgeschlossen ist. Vorerst - wie Herbert Pöck unermüdlich wiederholt: „Das Angebot war gut, das kann auch im Sommer noch gelten. Es ist alles möglich.“

KAC-Rückkehr scheitert am Geld

Medienberichten zufolge bemühten sich die „Rotjacken“ bereits Monate um den Wunschspieler. Nur wie häufig soll es am lieben Geld gescheitert sein, ein mit 180.000 Euro dotierter Kontrakt nicht den Vorstellungen des gebürtigen Klagenfurters entsprochen haben.

„Sie sagten, sie wollen ihn unbedingt. Bis Ende März hat Thomas mit keinem anderen Verein geredet. Sie legten ihm ein Angebot vor, das nahm er nicht an. Er meinte, es sei sicherlich in Ordnung, aber er möchte abwarten. In den Verhandlungen entscheiden Kleinigkeiten. Wenn alles passt, unterschreibt man. Wenn Sachen ungeklärt sind, bewahrt man sich Alternativen.“

Dass der Rekordmeister ob dieser Absage verstimmt sei, kann nicht bestätigt werden: „ Am nächsten Tag stand in den Medien, der KAC hätte zurückgezogen. Bislang ist keiner auf Thomas zugekommen.“

In all den Überlegungen spukte die NHL stets im Hinterkopf herum, Gespräche sind allerdings erst ab dem 1. Juli möglich. Bis zur Free Agency werde es keine Vollzugsmeldung geben - zumindest offiziell.

„Es kann viel passieren“

Beschlossene Sache ist dadurch Pöcks Abwesenheit bei der B-WM in Slowenien, für Teamchef Manny Viveiros wegen fehlender Dichte an qualitativ hochwertigen Abwehr-Leuten ein herber Verlust. Doch der Austro-Kanadier zeigt „viel Verständnis“. Sich ohne gültige Arbeitspapiere zu verletzen, wäre ein zu hohes Risiko.

Vorerst hat das ersehnte NHL-Comeback oberste Priorität. Wohin es Thomas verschlägt, liegt aber im Ermessen seines langjährigen Agenten Paul Theofanous. Der New Yorker begleitet den Österreicher schon zehn Jahre.

„Der hat über 60 Spieler unter Vertrag“, verweist das Familien-Oberhaupt auf die Vita des Managers. Folgt nach Rangers und Islanders eine dritte Station? „Es kann viel passieren. Zuerst wird das in Ruhe abgehandelt. Wenn es in Amerika nichts wird, kann er im August woanders unterschreiben.“

Das Fernweh nach dem Eishockey-Wunderland plagt Thomas Pöck jedenfalls wieder.

Christoph Köckeis

Wie bei Michael Grabner in der jüngeren Vergangenheit – der Villacher landete 2010 im „Big Apple“, ehe er zum steilen Höhenflug ansetzte. Eine tragende Rolle konnte Pöck im Konstrukt des vierfachen Stanley-Cup-Champions nie ausfüllen.

Verantwortlich dafür sei die von College-Trainern vollzogene Umfunktionierung gewesen.

„Mir fehlten 15 Jahre als Verteidiger“

„Das war der Grund, warum es in der NHL nicht gereicht hat. Mir fehlten eben 15 Jahre Erfahrung als Verteidiger, und dann sollst du gegen einen Superstar wie Sidney Crosby bestehen, das geht nicht. In vielen Ligen reicht das, nicht dort“, so der gelernte, durchaus erfolgreiche Angreifer.

Im Sommer 2009 beendete er das Abenteuer. Mit dem Bedürfnis, regelmäßig Einsatzzeit zu erhalten, kehrte Pöck nach Europa zurück.Beim Schweizer Erstligisten Rapperswil überzeugte er, ebenso später im hohen Norden. Sein Empfehlungsschreiben im Trikot MoDo Hockeys fand jedenfalls Anklang.

„Coach und General Manager sagten zu ihm, dass sie keinen Grund sehen, warum er es nicht wieder schaffen sollte“, betont der „stolze“ Papa. Nicht unwesentlich: Der in Örnsköldsvik beheimatete Klub pflegt beste Kontakte nach Nordamerika.

MoDo pflegt gute Kontakte in die NHL

Aus der Talenteschmiede im östlichen Schweden entsprangen unter anderem die Sedin-Twins, Daniel und Henrik, oder Ikone Peter Forsberg. Überdies standen GM Markus Näslund und Chef-Betreuer Ulf Samuelsson jahrelang in der NHL unter Vertrag. Keine schlechten Voraussetzungen.

„Sie haben ihm weniger die Rutsche gelegt, als ihn ermutigt. Wenn er es probiert, nur mehr heuer. Es ist quasi der letzte Zug. Wechselt er nach Österreich, ist dieser abgefahren. Dann wäre die NHL außer Reichweite, da brauchen wir uns nichts vormachen.“

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