NHL-Vorschau: Atlantic Division

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Die Atlantic Division der Eastern Conference bot während der Offseason-Monate jede Menge Gesprächsstoff, der Personal-Rochaden sei Dank.

Durch die rot-weiß-rote Brille betrachtet, stehen allen voran Andreas Nödl (Philadelphia Flyers) und Michael Grabner (NY Islanders) im Fokus. Von Letzterem werden nach der sensationellen "Rookie"-Performance (52 Scorerpunkte) neuerlich Glanzlichter erwartet.

LAOLA1 wirft im Zuge der NHL-Vorschau einen Blick auf die Ausgangslage der fünf Teams:

Roster:

Vielerorts herrschte Verwunderung ob der „Blockbuster-Deals“ Philadelphias. Kapitän Mike Richards (Los Angeles), Jeff Carter (Columbus) und Ville Leino (Buffalo) wurden abgeschoben, im Gegenzug verstärken Brayden Schenn, Wayne Simmonds und Jakub Voracek den Kader. No-Names, welche künftig von einem ganz Großen seiner Zunft unterstützt werden: Jaromir Jagr.

Nach drei Saisonen in der KHL kehrt die lebende Legende zurück, mit 39 Jahren möchte er es nochmals wissen. Wie in früheren Tagen soll der Tscheche auf dem Eis die Richtung vorgeben, die junge Garde um Topscorer Claude Giroux (76 Punkte) oder James van Riemsdyk hingegen für Offensiv-Produktionen sorgen.

Mit Ilya Bryzgalov (Phoenix) wurde eine Schlüssel-Position neu besetzt. Der 31-jährige Russe soll den teils löchrigen Abwehrverbund stopfen, die Vorsaison offenbarte nämlich gravierende Defizite zwischen den Pfosten. Durch das Engagement einer neuen Nummer eins erhält der hoch veranlagte Jung-Goalie Sergei Bobrovsky auch die Möglichkeit, in Ruhe zu reifen.

Legionär Nödl bleiben die Aufgaben des „Role-Players“ vorbehalten. Der 24-Jährige, der einen mit 600.000 Euro dotierten Zweijahres-Kontrakt unterzeichnete, wird auch die vierte Saison im Flyers-Jersey mit Defensiv-Pflichten in der dritten oder vierten Sturm-Linie verbringen. Jedoch wackelt sein Auftakt-Einsatz gegen Stanley-Cup-Champ Boston, eine Leistenzerrung stoppte Nödl während der Pre-Season.

Erwartungen:

Der Stanley Cup wurde in der Vergangenheit als Ziel deklariert. Bereits im Jahr 2010 war die Krönung in greifbarer Nähe, doch die Chicago Blackhawks ließen in der Finalserie (2:4) den Traum vom dritten Triumph der Franchise-Historie platzen. In der Vorsaison wurde Philadelphia vom späteren Stanley-Cup-Champ Boston im Semifinale gesweept. Daraufhin krempelte man das Team um.

„Wir müssen die richtige Mischung finden, ein gutes Gefühl für die wichtigen Monate aufbauen. Der Teamspirit wird dann entscheidend“, weiß der wiedergenesene Chris Pronger, fortan mit dem „C“ auf der Brust. Ob der Umbau den Flyers zum großen Wurf verhilft, darf bezweifelt werden. Für den souveränen Einzug in die Postseason sollte es dennoch ausreichen.

Prognose: Platz zwei der Atlantic Division

 

Roster:

Ein Fragezeichen prangert über allem: Wann steigt Sidney Crosby wieder in das Geschehen ein? Selbst neun Monate nach der folgenschweren Gehirnerschütterung im Januar bleibt dies unbeantwortet. Zwar befindet sich „The Next One“ in regelmäßigem Eis-Training, doch trotz positiver Tendenz betont der 24-Jährige: „Ich kann das Comeback kaum erwarten, werde aber nichts überstürzen.“ Der Season-Opener in Vancouver geht jedenfalls ohne den Kanadier über die Bühne.

Die so schmerzlich vermissten Goalgetter-Qualitäten soll Evgeni Malkin zurück in das Line-up bringen. Wegen eines Kreuzbandrisses war der 25-jährige Russe ebenso wie Crosby für viele Monate zum Zuschauen verdammt. Ohne die beiden Ausnahmekönner entwickelten sich die „Pens“ plötzlich zur defensiv-orientierten Mannschaft, nun wird die angriffslustige Ausrichtung wieder Einzug halten.

Sonst präsentiert sich das Aufgebot in bewährtem Look. Lediglich die Abgänge Maxime Talbots und Alex Kovalevs sind zu erwähnen. Indes wurde mit Steve Sullivan oder auch Boris Valabik in die Breite investiert.

Erwartungen:

Crosby, Malkin und Jordan Staal – lediglich einen Einsatz absolvierten die drei Top-Center im Vorjahr gemeinsam. Das Verletzungs-Pech wollen die Penguins endlich hinter sich lassen. Viel wird davon abhängen, wann und wie stark Crosby zurückkehrt. Die Vorsaison zeigte eindrucksvoll, der Kanadier ist kaum zu ersetzen. Im Playoff-Viertelfinale war für Pittsburgh gegen Tampa Bay (3:4) Endstation.

Die Wiederholung des Stanley Cups 2009 scheint in Anbetracht der ungewissen Zukunft ihres Superstars unrealistisch. Dennoch wird die eingespielte Truppe um Spitzenplätze der Eastern Conference mitmischen und auch in den Playoffs ein gewichtiges Wörtchen mitreden - dann hoffentlich mit "Sid" Crosby.

Prognose: Platz eins der Atlantic Division


Roster:

Der Optimismus im „Big Apple“ trägt einen Namen: Brad Richards. Die Rangers ließen sich die Dienste des 31-jährigen Free-Agent-Krachers gleich 60 Millionen Dollar kosten. Eine Summe, welche enorme Erwartungen mit sich bringt. Die Anhänger wollen den viermaligen NHL-Champ im Glanz vergangener Tage erstrahlen sehen, Richards gilt dabei als Heilsbringer. Tatsächlich könnte die Verpflichtung des Playoff-MVPs und Stanley-Cup-Siegers von 2004 (Tampa Bay) ein bedeutender Teil im Puzzle sein.

Der Kanadier ist der lang ersehnte Nummer-eins-Center. Und davon werden auch die Kollegen zu profitieren wissen, allen voran Flügelstürmer Marian Gaborik. Der Scharfschütze freut sich bereits auf das Zusammenspiel mit dem Spielmacher: „Seine Offensiv-Aktionen sind großartig.“ Wer neben dem Duo in der Parade-Linie stürmen darf, bleibt offen. Eine Option ist Wojtek Wolski oder auch Brandon Dubinsky. Der eigentliche Center und Topscorer des Vorjahres (54 Punkte) wäre wegen seines physischen Spiels eine perfekte Ergänzung.

Darüber hinaus verfügen die Rangers mit Ryan Callahan, Derek Stepan und Artem Anisimov über weitere Offensiv-Power. Ein Fragezeichen steht hinter der jungen Verteidigung um Marc Staal, Steve Eminger, Dan Girardi, Ryan McDonagh und Michael Sauer. Nach Ergänzungen blickt sich die Führungsriege noch auf der Waiver-List um.

Erwartungen:

Über kurz oder lang visieren die Rangers den fünften NHL-Titel an, dafür wird es kommende Saison wohl (noch) nicht reichen. Die Qualität der Defense scheint trotz Weltklasse-Goalie Henrik Lundqvist nicht ausreichend. Zudem bleibt abzuwarten, wie Superstar Richards mit dem immensen Druck zurecht kommt. Um die Playoff-Teilnahme müssen sich die Rangers keine Sorgen machen. Für den großen Wurf benötigt es jedoch noch etwas Zeit.

Prognose: Platz drei der Atlantic Division

 

Roster:

Die größte Änderung betrifft den Posten des Head Coaches. Peter DeBoer hat die sportlichen Fäden der Devils in der Hand, er ist der siebente Chef-Betreuer binnen sieben Saisonen. Nach drei Lehrjahren ohne Playoff-Einzug bei den Panthers, soll mit dem 43-Jährigen nun Kontinuität einkehren.

Auf dem Spieler-Sektor gab es keine Umwälzungen. Die Routiniers Colin White (San Jose) und Brian Rolston (NY Islanders) verließen die Franchise, dafür wurde Zach Parise für ein weiteres Jahr gebunden. Der 27-Jährige absolvierte verletzungsbedingt nur 13 Spiele in der Vorsaison, zählt jedoch, wenn er fit ist, zu den Schlüsselfiguren.

Eine solche könnte in Zukunft Nummer vier Draft-Pick und Abwehr-Talent Adam Larsson sein. Zudem wurden die Ergänzungs-Spieler Cam Janssen (St. Louis) und Eric Boulton (Winnipeg) nach New Jersey gelotst.

Erwartungen:

Der Traditionsverein gehört in die Playoffs. Erstmals nach 14 Saisonen durften die Devils nicht an der Postseason teilnehmen, für den dreifachen Stanley-Cup-Triumphator und seine Fans ein bitterer Moment. Ausgerechnet der bisher erfolglose DeBoer soll dafür sorgen, dass diese Abstinenz ein einmaliger Fehltritt bleibt.

Ausschlaggebend für das Abschneiden wird die taktische Ausgewogenheit sein. Im Vorjahr hatte man mit 174 Toren die harmloseste Angriffsreihe der gesamten Liga, mitunter weil Star-Forward Ilya Kovalchuk mit 60 Scorerpunkten schwächelte. Zugegeben auf hohem Niveau, doch vom 28-Jährigen wird nach der Unterzeichnung eines Renten-Vertrages (15 Jahre, 100 Mio. Dollar) Außergewöhnliches erwartet.

Der Kampf um das Playoff-Ticket wird angesichts der Konkurrenz im Osten ein harter.

Prognose: Platz fünf der Atlantic Division

 

Roster:

Die Free Agency verlief auf Long Island ohne Aufreger. Kapitän Doug Weight trat ab, mit Zenon Konopka verließ ein zusätzlicher Lautsprecher die Franchise. Brian Rolston (38 Jahre), Steve Staios (38) und Marty Reasoner (34) sollen fortan den jungen Kern mit ihrer Erfahrung von 43 NHL-Saisonen führen. Österreichs Shootingstar Michael Grabner machte mit Letzterem bereits Bekanntschaft, wie er LAOLA1 erklärt: „Ich habe ihn letzten Sommer in Florida kennengelernt, er wird dem Team in vielerlei Hinsicht helfen. Er hat 14 Tore in der dritten oder vierten Linie gemacht, spielt Unterzahl und ist ein harter Arbeiter.“

Auf den Villacher wartet eine schwierige Spielzeit, gilt es doch seine 52 Zähler zu bestätigen. Die sportliche Führung hält große Stücke auf den "schnellsten Skater" Nordamerikas, der mit einem Fünfjahres-Vertrag über 15 Millionen Dollar ausgestattet wurde. Neben „Grabs“ konnte mit John Tavares das „Gesicht der Organisation“ langfristig gebunden werden.

Der First-Overall-Pick des Drafts 2009 war mit 67 Punkten Topscorer des Teams, ist Grabner zu Folge keineswegs am Höhepunkt des Leistungsvermögens: „Er ist ein Star, wird aber noch ein viel größerer.“ Der wichtigste „Neue“ ist ein alter Bekannter: Defender Mark Streit ist nach einer langwierigen Schulter-Verletzung wieder einsatzfähig und wurde zum Spielführer ernannt.

Erwartungen:

Vier Jahre ohne Postseason sind genug! Die hoch talentierten „Isles“ könnten heuer erstmals Früchte der Umbau-Arbeit ernten. Schon 2010/11 ließen Grabner und Co. häufig ihr Potenzial aufblitzen, nun soll die nötige Konstanz hinzukommen. „Wir müssen versuchen, den nächsten Schritt zu machen und auf der Saison aufbauen“, weiß der 23-jährige Österreicher.

Die Cracks aus Long Island brennen darauf, unter die besten Acht im Osten zu kommen. „Ziel ist, in die Playoffs zu kommen. Wenn du dir diese Phase zu Hause anschauen musst, ärgerst du dich, nicht dabei zu sein.“ Bleiben die New Yorker vom Verletzungs-Teufel verschont, könnten sie die Zäsur Mitte April durchaus überstehen. Trotzdem wäre es eine Überraschung.

Prognose: Platz vier der Atlantic Division


Christoph Köckeis

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