Mehr als ein Eishockey-Crack

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Thomas Vanek - mehr als ein Eishockey-Crack

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Er ist mehr als ein Eishockey-Crack. Er ist das Gesicht einer Franchise. Ein Superstar unter Superstars. Ein Vorbild.

Thomas Vanek darf sich einer raren „Gattung“ zugehörig fühlen. Jener rot-weiß-roter Sport-Größen, welche internationale Prominenz erlangten. Früh wagte er dafür das Abenteuer Übersee.

„Mein erstes Ziel war es, den Sprung in die NHL zu schaffen. Deswegen bin ich damals als 14-Jähriger nach Nordamerika gewechselt“, sinniert die an einer Oberkörper-Blessur laborierende Attraktion der Buffalo Sabres gegenüber LAOLA1.

Seit nunmehr sieben Saisonen versetzt der höchstgezogene Österreicher, Nummer fünf des Draft '03, die Anhänger in Ekstase. Auf der veritabelsten aller Bühnen sind seine Vorzüge mittlerweile berühmt, sogar berüchtigt. Stets getrieben von einem alles überragenden Traum.

Ob er sich diesen heuer verwirklicht, scheint trotz Turbulenzen zumindest im Bereich des Möglichen.

„Wäre der absolute Wahnsinn“

„Den Stanley Cup in die Höhe zu stemmen, wäre der absolute Wahnsinn“, hofft Vanek. Alleine die Vorstellung auf dem sagenumwobenen „Holy Grail“ verewigt zu werden, zaubert dem Left Wing ein Glänzen in die Augen. Gewissermaßen ist jene das symbolische Sahnehäubchen der Karriere.

Nur aus dem erweiterten Kreis der Titel-Aspiranten verabschiedeten sich die Sabres früh, wenngleich der Auftakt mit fünf Erfolgen aus sechs Spielen hoffnungsvoll anmutete. Doch rückblickend ließe sich der bisherige Verlauf als durchwachsen subsumieren. Ein hartnäckiges Formtief im Dezember droht selbst die Playoff-Teilnahme zu gefährden.

„Wir fingen sehr gut an, dann ging es allerdings mit den Ausfällen los. Viele junge Talente kamen zum Einsatz“, betreibt der gebürtige Badener Ursachenforschung. Ein Ausrutscher löste den nächsten ab, daraus resultierte eine verheerende Negativspirale.

Zwölf Auswärts-Pleiten als Tiefpunkt

„Jeder hatte wenig Selbstvertrauen, da ist es sehr schwer herauszukommen.“ Der Verletzungs-Teufel hatte  Buffalo lieb gewonnen, kaum ein Leistungsträger blieb von Zwangspausen verschont. Einzig Kapitän Jason Pominville war es vergönnt, in allen 69 Saison-Partien aufzulaufen.

„Es gehört zum Sport dazu, doch das erlebte ich bisher noch nicht“, gibt „Van the Man“ zu verstehen. Wie sooft gesellte sich zum fehlenden Glück letztlich auch Pech. „Anfangs waren wir auswärts besser, plötzlich ging da nichts mehr. Wir verloren den Rhythmus. Vorne trafen wir nicht, jeder kleine Fehler wurde sofort bestraft.“

Zwölf Mal en suite traten Vanek und Co. frustriert die Heimreise an, die längste Pleiten-Streak sollte fünf Begegnungen andauern. Für die schlagzeilenlüsterne Medienlandschaft eine Steilvorlage.

Bedingungslose Schlacht im Osten

Die sportliche Führungsriege wurde öffentlich angezählt, kaum jemand nicht in Frage gestellt. Intern behielt man trotz bedenklicher Ausgangslage kühlen Kopf: „Wir glaubten an uns, brauchten den Sieg, um uns besser zu fühlen. Das dauert lange. Seitdem wir diesen haben, läuft es wieder.“

Der befreiende 2:1-Shootout-Triumph bei den New Jersey Devils läutete zugleich die Aufholjagd ein. Zwei Zähler rangiert der Tabellen-Zehnte hinter einem Postseason-Platz der Eastern Conference. In den verbleibenden Wochen wartet eine bedingungslose Schlacht.

„Wir wissen, dass man zwischen 93 und 95 Punkte pro Jahr benötigt. Wir müssen weiterhin von Spiel zu Spiel denken“, versichert Vanek hinsichtlich der prominenten Konkurrenz um die drohende Zäsur.

Die Washington Capitals (76 Zähler), Winnipeg Jets (72), Tampa Bay Lightning (69) sowie die Toronto Maple Leafs (68) fechten sich vermutlich den achten Rang aus. Mittendrin Buffalo mit 72.

Vanek schoss sich in die Herzen der Fans

Neuer Besitzer, neue Philosophie

 „In den Playoffs beginnt alles bei Null. Nur müssen wir die erst schaffen“, beteuert Vanek. Die Hoffnungen auf den Premieren-Triumph der Franchise-Historie sind intakt. Daran basteln General Manager Darcy Regier und Head Coach Lindy Ruff – das anerkannte Duo gleicht mittlerweile einer Institution – seit 1997.

Im 32. Jahr des Bestehens wich das ewige Understatement der gesunden Selbsteinschätzung. Nach drei Conference-Titeln strebt man dank einer in der Free Agency 2011 aufgerüsteten Truppe den großen Wurf an. Vanek lebt diese Einstellung vor: „Man spürt, dass es darum geht, zu siegen. Jeder will bei so einem Team sein.“

Mit Terry Pegulas Übernahme trat das Umdenken ein. Seine Milliarden scheffelt der Neo-Eigentümer einst im Öl- und Erdgas-Business. Auf den finanziellen Vorteil ist der glühenden Supporter keinesfalls bedacht, die Sabres sind für ihn ein reines Herzensprojekt. Das spüren die Spieler.

„Schöner und größer“

„Der Unterschied zwischen ihm und dem alten Besitzer ist die Anwesenheit. Er ist öfter in der Kabine und bei Auswärts-Trips dabei. Er will das Gleiche wie wir und die Fans. Wir erhalten das Beste vom Besten“, verdeutlicht Österreichs Aushängeschild. Damit die Infrastruktur mit den gestiegenen Ansprüchen korrespondiert, wurden in den Sommer-Monaten weder Kosten noch Mühen gescheut.

Kraftkammern, Kabinen, Players-Lounge oder medizinische Betreuung entsprechen den modernsten Standards. „Viel schöner und größer“, so beschreibt Vanek die Entwicklung seit Pegulas Einstieg. „Wir bekamen alles Erdenkliche, haben mehr Betreuer sowie Physiotherapeuten. Es ist top professionell.“

Für das Wohl der Cracks ist gesorgt. Nicht ausreichend für den „Big Boss“, er kümmert sich ebenfalls um private Belange. „Er sorgt dafür, dass die Kinder in der Halle Spaß haben.“

Nicht unwesentlich für den Familienmenschen Vanek.

Ruhm und Traumvertrag verpflichten

Dem Vater dreier Söhne, Blake Thomas sowie der Zwillinge Luke Robert und Kade Ashton, ist die Zeit abseits des „stressigen“ Alltags heilig. So kann er abschalten, Kraft tanken. Für den Hauptdarsteller einer Organisation nicht einfach.

„In Buffalo sind Hockey und Football das Größte, dennoch wird die Privatsphäre respektiert. Ab und zu werde ich um Autogramme gefragt oder man will mir nur die Hand schütteln.“ Vanek ist bewusst: Ruhm verpflichtet, ein mit 50 Millionen Dollar dotierter Siebenjahres-Traumvertrag noch viel mehr. Schmunzelnd erklärt er: „Es ist etwas stressiger geworden.“

Stressiger auch, da sich die Privatperson durchaus umtriebig präsentiert. Im Jahr 2010 ging er mit der Biographie „Das Spiel meines Lebens“ unter die Schriftsteller, zudem wurde „Euphoria“ - ein Song zu seinen Ehren - von der Mödlinger Rock-Band „Delicious Red“ veröffentlicht.

„Skifahren fehlt mir manchmal“

„Ich möchte den Fans etwas zurückgeben und ihnen Einblicke auf meinem Weg in die NHL geben“, so der damals 26-Jährige. Kritiker – böse Zungen unterstellten ihm Eigeninteresse - ließ er verstummen. Sämtliche Erlöse kommen gemeinnützigen Projekten zugute. „Jeder benötigt etwas, um vom Sport abzuschalten“, begründet Vanek.

Trotz seines steilen Aufstiegs glaubt er, bodenständig geblieben zu sein. Mit Frau Ashley und den Kids wohnt er in einer schmucken Villa 30 Minuten vom „First Niagara Center“ entfernt. In der am Eriesee gelegenen Metropole im Bundesstaat New York fühlt er sich heimisch, allzu selten quält ihn daher die Sehnsucht.

„Ich bin schon 14 Jahre in den USA, meine Frau ist Amerikanerin wie die drei Kinder. Ich glaube, den Rest meines Lebens hier zu verbringen. Nach der Laufbahn werde ich Urlaub in Österreich genießen. Das Skifahren fehlt mir manchmal.“

Vom Scharfschützen zum kompletten Spieler

Anders als Landsmann und NY-Islanders-Export Michael Grabner ist er während der Urlaubs-Monate nicht in der Alpenregion anzutreffen. Seine Stippvisiten stellen eine Rarität dar. „Die Möglichkeiten in Minnesota sind besser. Hier kann ich den Sommer lang am Eis stehen, was in Graz nicht möglich ist.“ Der Musterprofi weiß, in der Vorbereitung wird der Grundstein gelegt.

Um über den ewig anmutende Grunddurchgang beständig zu performen, sei konsequentes Training unabdingbar. Jenem ist es geschuldet, dass sich Österreichs Sportler des Jahres 2007 zum kompletten Spieler entwickelte. Früher im Slot dominierend, fühlt er sich heutzutage auf nahezu allen Spots des Rinks pudelwohl.

„Man kann sich stets verbessern. Das Geschehen wird schneller. Man muss Angriffe zügig vortragen, nicht verschleppen“, so der Scharfschütze, dessen Rekordjagd nach dem Jahreswechsel durch eine zehn Begegnungen währende Torflaute jäh gestoppt wurde.

„HDTV“ will den Stanley Cup

Mit bislang 49 Scorerpunkten ist die aus der zweiten NHL-Spielzeit datierende 84er-Bestmarke außer Reichweite. Von Ladehemmungen dieser Art lässt sich „HDTV“, diesen Nickname verdiente er sich ob der scharfen und präzisen Schüsse, nicht mehr beirren. Der Erfahrung sei dank.

„Ich bin schon länger dabei, habe einst viel von Akteuren wie Chris Drury oder Michael Grier gelernt. Sie sagten mir, dass man die Zeit genießen soll, da sie schneller vergeht, als man glaubt. Sieben Jahre und über 500 Spiele später schaut man zurück und staunt. Das möchte ich allen Talenten mitgeben“, erinnert sich der Assistant Captain.

Vanek zielt darauf, „der beste und konstanteste Akteur zu sein“. Sein Lebenstraum ist dabei allgegenwärtig: „Vor meinem Karriereende möchte ich noch den Stanley Cup in Händen halten.“

Doch schon jetzt ist er eine Allzeit-Größe. Eben viel mehr als ein normaler Eishockey-Crack.

Christoph Köckeis

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