NHL Free Agency Check

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Die NHL Free Agency ist zwar erst ein paar Tage alt, doch die dicksten Fische wurden bereits an Land gezogen.

Große Namen wie Francois Beauchemin, Andrej Sekera, Paul Martin, Michael Frolik, Mike Green, Brad Richards oder Justin Williams haben schon innerhalb der ersten 24 Stunden einen neuen Klub gefunden.

Der Trade von Phil Kessel zu den Pittsburgh Penguins rundet diese intensive Phase ab.

Doch ergeben alle Transaktionen Sinn? Wurde vielleicht für den einen oder anderen Crack zu viel bezahlt? Gab es ein Schnäppchen? Und wer hat sich am besten verstärkt?

LAOLA1 nimmt die Aktivitäten ausgewählter Teams unter die Lupe:

Toronto Maple Leafs

Brendan Shanahan versprach bei seinem Amtsantritt einen Umbruch und hielt bislang Wort. Nach der Installation von Headcoach Mike Babcock, der genau dafür geholt wurde, setzte der Präsident der kanadischen Traditions-Franchise den Umbau mit dem Transfer von Superstar Phil Kessel fort.

Die Leafs verlieren dadurch zwar ihren besten Spieler, neben Cap-Space in Höhe von über sechs Millionen Dollar darf man sich aber auch über die Prospects Scott Harrington, Kasperi Kaspanen, Nick Spaling sowie ein Erst- und ein Drittrundenpick freuen.

Eine Vertragsverlängerung konnte mit Nazem Kadri erzielt werden. Der 24-Jährige, der in der abgelaufenen Saison mit 39 Scorer-Punkten (18 Tore, 21 Assists) viertbestester Toronto-Spieler war, wird zumindest noch ein Jahr in Kanada spielen.

Zudem holte Shanahan Daniel Winnik für zwei Jahre und insgesamt 4,5 Millionen Dollar zurück und stattete P.A. Parenteau mit einem Einjahresvertrag über 1,5 Millionen aus. Zwei absolut nachvollziehbare und günstige Deals. Während Winnik Tiefe auf der Center-Position bringt, dürfte Parenteau wohl in der Top-Linie spielen und kurz vor der Trade-Deadline für Draftpicks verscherbelt werden. Chapeau, Herr Shanahan, alles richtig gemacht.

Montreal Canadiens

Obwohl sein Team dringend mehr Offensiv-Power benötigt, verhielt sich General Manager Marc Bergevin äußerst ruhig auf dem Free Agency Markt. Aufsehen erregte er dennoch: Und zwar durch den Transfer des als ewiges Talent verschrienen Zack Kassian von den Vancouver Canucks, die im Gegenzug Publikumsliebling Brandon Prust bekamen.

Ob der 24-jährige Kanadier, der 2009 von den Buffalo Sabres in der ersten Runde gedrafted wurde, den nötigen Scoring-Touch bringt, darf bezweifelt werden. Insgesamt wirft der Tausch mehr Fragen auf, als er beantwortet. Vor allem, da Flügelspieler wie Michael Frolik oder Matt Belesky am Free-Agent-Markt zu haben gewesen wären.

In Green hat Detroit den lange gesuchten Offensiv-Verteidiger gefunden

Detroit Red Wings

Seit Nicklas Lidstrom seine Karriere beendet hat suchen die Red Wings händeringend nach einem Offensiv-Verteidiger. Diesen haben sie nun in Mike Green gefunden. Klar, der 29-jährige US-Amerikaner hat nicht die Klasse eines Lidstrom und war mit 18 Millionen Dollar für drei Jahre auch nicht gerade billig. Gute Rechtsschützen sind aber auch in der NHl rar gesät, und Greens defensive Mängel will Neo-Detroit-Coach Jeff Blashill kaschieren, in dem er ihm den stabilen und eisläuferisch starken Danny De Keyser zur Seite stellt. Geht das auf, sind die Top-4-Defender der Red Wings aller Ehren wert.

Daneben holte GM Ken Holland den zweifachen Stanley Cup Sieger Brad Richards, der mit einem Einjahresvertrag über drei Millionen ausgestattet wurde und einen verlässlichen Zweitlinien-Center abgeben wird. Durch den Byout von Stephen Weiss, der in der Motor-City aufgrund ständiger Verletzungen nie zu alter Stärke fand, hat man zudem mehr als genug Cap-Space um die Restricted Free Agents Gustav Nyquist, Teemu Pulkkinen, Tomas Jurco und Landon Ferraro zu verlängern und ist auch kommenden Sommer handlungsfähig.

Minnesota Wild

General Manager Chuck Fletcher erledigte seine wichtigste Aufgabe noch bevor die Free Agency öffnete. Er verlängerte den Vertrag mit Goalie Devan Dubnyk, der hauptverantwortlich für die Playoff-Qualifikation des Vanek Klubs war. Ob es so schlau war, dem 29-jährigen Kanadier gleich einen Sechsjahresvertrag über 26 Millionen Euro zu geben, darf hinterfragt werden. Schließlich überzeugte Dubnyk, der im Winter aus Arizona kam, lediglich eine Halbsaison lang und galt davor auch nicht gerade als Top-Keeper.

„Seine Zahlen waren in vier seiner sechs Saisonen über dem Durchschnitt, wir haben das bis ins letzte Detail analysiert und sind sehr zufrieden mit dem Deal“, rechtfertigt sich Fletcher. Zudem war Dubnyk natürlich in perfekter Verhandlungsposition und nutzte dies gekonnt aus.

Vernünftiger war da schon die Entscheidung, mit Mikael Granlund um zwei Jahre zu verlängern. Der 23-jährige Finne wird pro Saison leistungsgerechte drei Millionen Dollar verdienen. Warum allerdings kein Center geholt wurde, weiß vermutlich nur Fletcher selbst, während die Wild nämlich auf den Flügeln stark besetzt sind, würden sie in der Mitte durchaus noch eine Verstärkung vertragen. Den erfahrenen Richards zu holen, wäre sicher kein Fehler gewesen.

New York Islanders

GM Garth Snow hat mit Verteidiger Thomas Hickey verlängert und Backup-Torhüter Thomas Greiss verpflichtet – viel hat sich bei den Islanders nicht getan. Man muss aber auch sagen, dass die Isles nicht wirklich Baustellen hatten, die es zu beheben gab. Einzig die Verlängerung mit Restricted Free Agent Brock Nelson, die früher oder später passieren wird, steht noch an.

Was mit Michael Grabner passieren wird, ist schwer abzuschätzen, aber die Zeichen stehen nach wie vor eher auf Trade. Der 27-jährige Flügelstürmer hat nur mehr ein Jahr Vertrag, sollte ein vernünftiges Angebot eintrudeln, wird Snow wohl zustimmen.

 

Fabian Santner

Edmonton Oilers

Vorne hui, hinten pfui. So läuft das bei den Oilers seit einigen Saisonen. Es lag also auf der Hand, die Verteidigung zu verstärken. Neo-General-Manager Peter Chiarelli ließ sich nicht zweimal bitten und holte mit Andrej Sekera von den Los Angeles Kings einen der begehrtesten Free Agents. Der 29-jährige Slowake kam mit einem Sechsjahresvertrag über 33 Millionen zwar nicht gerade billig, dürfte die Defensivprobleme der Kanadier aber gemeinsam mit Cam Talbot beheben. Der Torhüter wurde für zwei Draftpicks von den NY Rangers losgeeist und soll die neue Nummer Eins werden.

Auch die Verpflichtung von Mark Letestu ist durchaus nachvollziehbar und gibt den Oilers Tiefe in der Mitte. „Wir wollten einen Rechtsschützen, der bei Faceoffs stark ist“, erklärt Chiarelli.

Zieht man zudem in Betracht, dass neuerdings mit Todd McLellan ein durchaus fähiger Mann hinter der Bande steht und neben den zahlreichen Top-Picks der letzten Jahre (Neil Yakupov, Ryan Nugent-Hopkins, Taylor Hall, Leon Draisaitl, Darnell Nurse) mit Connor McDavid der begehrteste Spieler seit Sidney Crosby zu den Oilers stößt, könnte Edmonton in den kommenden Saisonen zu einem ernsthaften Titelkandidaten heranreifen.

Pittsburgh Penguins

„Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal die Chance bekomme, mit Sidney Crosby und Evgeni Malkin zu spielen. In der Mannschaft der Penguins zu stehen ist unglaublich, ich bin total aufgedreht!“ Ja, man kann Phil Kessel durchaus verstehen, nach sechs Jahren und nur einer Playoff-Teilnahme in Toronto darf man sich schon einmal freuen, wenn man zu einem Stanley-Cup-Favoriten getradet wird und künftig neben dem besten Spieler der Welt auf dem Eis stehen wird.

Das Ziel der Penguins ist durch diesen Trade ganz klar der kurzfristige Erfolg. Mit Crosby, Malkin und nun auch Kessel verfügt man über Offensiv-Waffen, von denen andere Mannschaften nur träumen können. Die Kehrseite der Medaille ist wie so oft die Gehaltsobergrenze, so musste man etwa Verteidiger Paul Martin ziehen lassen und die kommenden Off-Seasons werden für GM Jim Rutherford wohl auch kein Kinderspiel.

Gewinnt man in den nächsten drei Jahren den Cup, ist das alles kein Problem, sollte der Erfolg aber ausbleiben, wird man auch in Pittsburgh an einen Umbruch denken müssen.

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