Los Angeles bejubelt den dritten Sieg in Folge

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Drittes Spiel, dritte Niederlage.

Die New Jersey Devils stehen nach der 0:4-Klatsche gegen die Los Angeles Kings mit dem Rücken zur Wand.

Nur Wunder hilft New Jersey

Erst einmal in der Geschichte der NHL konnte eine Mannschaft in einem Stanley-Cup-Finale einen 0:3-Rückstand in ein 4:3-Sieg umwandeln. Das waren die Toronto Maple Leafs vor 70 Jahren gegen die Detroit Red Wings.

Doch nicht nur die Statistik spricht gegen die Franchise aus Newark.

Vor allem die Art und Weise wie New Jersey das dritte Spiel der „best of seven“-Serie verloren hat, lässt selbst dem hartgesottensten Devils-Fans kaum mehr Hoffnung auf eine Aufholjagd.

Wo ist die Offense?

Die Harmlosigkeit des Teams von der Ostküste lässt sich an einer einfachen Statistik ablesen: Mickrige zwei Tore erzielten Ilya Kovalchuk und Co. in drei Spielen. In Finalspielen wohlgemerkt.

Oder anders ausgedrückt: In 201 Minuten und 55 Sekunden Nettospielzeit konnte New Jersey von 72 Schussversuchen nur zwei im Tor unterbringen. Einer davon sprang nach einem Save von Jonathan Quick unglücklich von Kings-Verteidiger Slava Voynov ins Gehäuse.

Auch im dritten Spiel schauten am Ende nicht mehr als 22 Torschüsse heraus. Die Kings feuerten zwar auch nur 21 Mal in Richtung Martin Brodeur, aber wenn man so effizient spielt, wie es das Team aus Kalifornien momentan tut, muss man auch nicht zwingenderweise öfter abdrücken.

Die Devils hingegen wären gut beraten endlich einmal aus allen Rohren zu feuern, denn anders ist Quick in diesem Frühling nicht zu überwinden.

Anze Kopitar erzielt das 2:0

Los Angeles hat einen Lauf

Aber nicht nur hinten, auch vorne läuft es bei den Kings wie geschmiert. Neben dem sehenswerten Treffer zum 2:0 durch Anze Kopitar, beeindruckten die Kalifornier endlich auch einmal mit einem Mann mehr auf dem Eis.

Nur dreimal waren sie zuvor in 71 Überzahl-Möglichkeiten erfolgreich. Jeff Carter und Justin Williams sorgten jedoch mit ihren Powerplay-Toren kurz nach Wiederbeginn des Schlussdrittels für pure Euphorie.

„We want the Cup“, schallte es aus 18.764 Kehlen von den Rängen. Die Erwartungshaltung in Los Angeles ist mittlerweile ins unermessliche angewachsen. Alles andere als der Stanley Cup wäre nun eine große Enttäuschung.

Man kann es den Fans auch nicht verdenken. Bereits zum vierten Mal in dieser Postseason geht L.A. in einer Serie mit 3:0 in Führung. Fast unnötig zu erwähnen, dass das vorher noch keiner Mannschaft gelungen ist. Ein Team, das 81 Spiele benötigte, um sich für die Playoffs zu qualifizieren setzt in diesem Frühling neue Maßstäbe in der besten Eishockeyliga der Welt.

Durchhalteparolen bei den Devils

In New Jersey scheint man sich derweil auf  Durchhalteparolen verlegt zu haben.

„Wenn wir in etwa gleich viele Tormöglichkeiten wie gegen Philadelphia und New York herausspielen, werden wir ein paar Tore erzielen. Es ist nicht so, dass wir es nicht versuchen, oder nicht genug arbeiten, aber sie lassen nichts zu. Wir müssen etwas ändern“, versucht Coach Peter DeBoer Optimismus zu versprühen.

Doch es muss sich einiges ändern, wollen die Devils nicht das erste Team seit den Washington Capitals 1998 werden, das im Stanley-Cup-Finale „gesweept“ wird.

Und es muss sich schnell ändern, Spiel Nummer vier steigt nämlich bereits in der Nacht auf Donnerstag.

 

Fabian Santner

Powerplay nicht vorhanden

In den ersten beiden Dritteln boten sich New Jersey jeweils drei Überzahlmöglichkeiten, im ersten Abschnitt spielten sie für 60 Sekunden sogar fünf gegen drei.

Schlimm genug, dass sie keine Treffer erzielen konnten, die fünf gegen vier-Situationen im zweiten Drittel verstrichen sogar ohne einen Schuss auf das Gehäuse von Quick. Insgesamt halten die Devils jetzt bei zwölf Powerplaymöglichkeiten in der Finalserie. Keine einzige konnten sie nutzen.

Natürlich ist das Penalty Killing der Kings mit 92,8 Prozent Erfolgsquote das Beste der gesamten NHL in den Playoffs, aber drei Überzahlmöglichkeiten ohne Torschuss zeugen doch eher von gravierenden Mängeln im Devils-Angriff.

Kovalchuk taucht komplett unter

Am deutlichsten veranschaulicht wird die Angriffsmisere von New Jersey, durch einen Blick auf die Statistiken von Superstar Kovalchuk.

Der Russe stand insgesamt 21:39 Minuten auf dem Eis, davon allein im Powerplay 8:55 Minuten, schoss in dieser Zeit aber nur zweimal aufs Tor. Ein Wert, der für einen Spieler seines Kalibers absolut unwürdig ist.

Kapitän Zach Parise versuchte es mit vier Schüssen noch am häufigsten, fand aber immer wieder in Quick seinen Meister.

MVP Quick

Überhaupt war und ist es Quick der Hauptgrund für die Dominanz der Kings in dieser Finalserie. Er raubt den Devils mit seinen Paraden den letzten Nerv.

„M-V-P! M-V-P! M-V-P!“ hallte es durch das Staples Center. Eine Ehre, die in im basketballverwöhnten Los Angeles normalerweise nur Lakers-Star Kobe Bryant zu Teil wird.

Nachdem der Kings-Goalie eine Großchance von Travis Zajac verhinderte, musste sich Kapitän Dustin Brown sogar ein Lächeln verkneifen. Es gelang ihm nicht ganz.

Quick hält jetzt bei einer Save-Percentage von 94,7% und einem Gegentorschnitt von 1,44 pro Spiel. Beides sind absolute Bestwerte unter jenen Torhütern, die mindestens 13 Playoff-Partien absolviert haben.

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