Spielt Raffl NHL oder AHL?

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Wie stehen Michael Raffls Chancen bei den Flyers?

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Michael Raffl hat es geschafft.

Der 24-jährige Nationalspieler hat einen Dreijahres-Vertrag bei den Philadelphia Flyers unterschrieben und wird im Sommer ins Trainingscamp der Franchise aus Pennsylvania einrücken.

Zwei-Wege-Vertrag

Obwohl sich sein Manager Patrick Pilloni (HIER gehts zum Interview) sicher ist, dass die Flyers den Flügelstürmer für die NHL geholt haben, ist es noch ein weiter Weg dahin. Nirgends ist die Konkurrenz größer, der Druck spürbarer und Fehler unverzeihlicher als in der besten Liga der Welt.

Vor allem durch das System der Farmteams und der “Zwei-Wege-Verträge“ wird den Cracks das Leben noch schwerer gemacht, als es ohnehin schon ist.

Denn neben der Konkurrenz im NHL-Team muss man sich auch gegen zahlreiche Talente aus dem AHL-Team behaupten, da Spieler mit „two-way-contracts“ – wie Raffl - problemlos zwischen den beiden Mannschaften hin- und hergetauscht werden dürfen.

Keine unüberwindbare Konkurrenz

Auch Philadelphia verfügt natürlich über mehrere hoffnungsvolle Nachwuchs-Cracks, die nur auf ihre Chance warten.

Mit Tye McGinn, Jason Akeson, Marcel Noebels, Brandon Alderson, Eric Wellwood, Matt Mangene und Shane Harper befinden sich auch einige junge Flügelstürmer im Kader der Adirondack Phantoms, dem AHL-Ableger der Flyers. Akeson, McGinn und Wellwood durften sogar schon NHL-Luft schnuppern, den kommenden NHL-Superstar hat Philadelphia allerdings nicht in seinen Reihen.

Rein sportlich gesehen wird Raffl seine Chance erhalten. Die Flyers hätten ihn sicherlich auch nicht geholt, wären sie nicht davon überzeugt, dass er sich gegen die vereinsinterne Konkurrenz durchsetzen kann.

Philadelphia steht vor Umbruch

Neben den Rivalen aus der Minor League, gibt es natürlich auch im NHL-Team der Flyers zahlreiche Flügelspieler, die um ihren Platz im Team kämpfen. Dass Spieler wie Scott Hartnell, Wayne Simmonds, Jakub Voracek oder Simon Gagné nicht in Raffls Reichweite sind, liegt auf der Hand.

Aber im NHL-Kader gibt es neben den sportlichen Aspekten auch eine wirtschaftliche Seite, die nicht außer Acht zu lassen ist und dem 24-Jährigen in die Karten spielen könnte.

Die Flyers stehen nach einer völlig verkorksten Saison vor einem Umbruch. Nicht nur der enttäuschende zehnte Platz in der Eastern Conference und das damit verbundene Verpassen der Playoffs zwingen die Verantwortlichen zum Handeln, auch die Gehaltsobergrenze fordert eine Umgestaltung der Mannschaft.

Flyers müssen Gehalt einsparen

Philadelphia zahlt seinen NHL-Cracks derzeit laut „www.capgeek.com“ insgesamt rund 69,8 Millionen Dollar im Jahr und liegt damit deutlich über dem im neuen Tarifvertrag ausgehandelten Höchstgehalt von 64,3 Millionen.

Einerseits werden die Flyers natürlich den einen oder anderen ausgelaufenen Kontrakt, der in den 69,8 Millionen gar nicht mehr enthalten ist, nicht verlängern. Ob etwa ältere Semester wie Mike Knuble (40) oder Ruslan Fedotenko (34), die beide auf Raffls Position spielen und den Cap-Space zusammen mit etwa 2,5 Millionen belasten würden, einen neuen Vertrag angeboten bekommen, darf bezweifelt werden.

Daneben wird der dauerverletzte Chris Pronger wohl auf die „Long-Time Injury Reserve List“ gesetzt, womit sich seine fünf Millionen Jahresverdienst auch nicht mehr auf die Gehaltsgrenze niederschlagen würden. Wollen die Flyers in den kommenden Jahren aber ein ernsthaftes Wörtchen um den Stanley Cup mitreden, wird das eingesparte Geld wohl direkt in einen Top-Verteidiger investiert werden müssen.

Briere könnte auf der Abschussliste stehen

Wer wird ausbezahlt?

Andererseits wird Philadelphia sicherlich auch von der By-Out-Amnestie Gebrauch machen, die eingeführt wurde, um den Klubs die Anpassung an die neue Gehaltsobergrenze zu erleichtern. Der einzige Weg, einen Vertrag mit einem NHL-Spieler vorzeitig zu beenden, ist ihn auszuzahlen. Einem unter 26-Jährigen steht ein Drittel des noch zu zahlenden Gehalts zu, einem über 26-Jährigen zwei Drittel.

Bislang zählte das Gehalt eines ausbezahlten Cracks weiter gegen den Salary Cap, durch das neu ausgehandelte Collective Bargaining Agreement wird den Teams bei zwei Spielern eine Amnestie gewährt. Das heißt sie dürfen die Cracks ohne Konsequenzen für die Gehaltsgrenze ausbezahlen.

Im Fall der Flyers rücken da vor allem zwei Spieler ins Rampenlicht. Danny Briere, der mit seinen 35 Jahren nicht mehr der Jüngste ist und 6,5 Millionen im Jahr verdient, sowie Ilya Bryzgalov. Der Torhüter streicht 5,6 Millionen pro Saison an, überzeugte bislang aber nicht wirklich.

Was aber noch wichtiger ist: Der Vertrag des Russen läuft noch über sieben Jahre, die Amnestie wäre eine willkommene Gelegenheit, um langfristig Gehalt einzusparen. Dass kurz vor der Trade-Deadline mit Steve Mason ein durchaus respektabler Torhüter geholt wurde, spricht ebenfalls für eine Trennung.

Raffl wird seine Chance bekommen

Aber auch wenn die Flyers diese beiden Posten von ihrer Ausgabenseite streichen könnten, stünde ihnen nur begrenzter Cap-Space für neue Spieler zur Verfügung und dieser müsste in diesem Fall für einen zweiten Torhüter und einen Center geopfert werden. Raffl wird also nicht mehr Konkurrenz erhalten, als momentan vorhanden ist.

Wenn sich außer den erwähnten Personalien nichts Gravierendes ändert, sind die Top-Vier Flügelpositionen bei den Flyers vergeben, dahinter stehen die Chancen für den Österreicher allerdings alles andere als schlecht.

Man wird sich daher nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, wenn man sagt, dass Michael Raffl zu seinen NHL-Einsätzen kommen wird. Ob er sich dauerhaft in der besten Liga der Welt etablieren kann, wird sich allerdings erst zeigen.

 

Fabian Santner

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