Reges Treiben in der Free Agency

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Eine Legende überrascht, Star-Center entscheidet sich

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Turbulenter Auftakt in die Free Agency der NHL.

Nachdem der Markt am Samstag endlich seine Pforten öffnete, ging es Schlag auf Schlag.

Nahezu im Minuten-Takt trudelten Vollzugsmeldungen ein, nach knapp fünf Stunden beruhigte sich das Geschehen dann wieder ein wenig.

Die Bilanz ist beeindruckend: Mehr als 60 Deals zu einem Wert von über 260 Millionen Dollar wurden allein am ersten Tag abgeschlossen. Weitere Verpflichtungen werden folgen.

LAOLA1 verschaffte sich einen Überblick der Ereignisse und hat fünf bedeutende Erkenntnisse.

  • Der Top-Star ist vom Markt

Das Tauziehen um den wohl noch besten Stürmer in der Free Agency hat ein Ende. Brad Richards hat sich für einen Verein entschieden und unterschreibt bei den New York Rangers für neun Jahre. Der Kanadier lässt sich seine Dienste fürstlich entlohnen und wird im „Big Apple“ 6,5 Millionen Dollar (4,47 Millionen Euro) jährlich verdienen.

Dabei hatten die Rangers im Kampf um den Stürmer namhafte Konkurrenz. Fast die gesamte NHL zeigte sich am ehemaligen Dallas-Center, der für die Stars in 72 Spielen 77 Scorerpunkte (28 Tore, 49 Assists) verbuchen konnte, interessiert. So fuhren die Los Angeles Kings besonders schwere Geschütze auf und ließen NBA-Star Kobe Bryant und NHL-Legende Wayne Gretzky in einem Video über die Vorzüge des Sportlerlebens in der Filmstadt sprechen.

Doch die prominenten Fürsprecher beeindruckten den 31-jährigen Richards ebenso wenig wie die Angebote aus Tampa Bay, Toronto, Philadelphia oder Calgary. Am Ende fiel die Wahl auf die New York Rangers, die mit Mike Rupp einen zweiten Center engagierten. Der US-Amerikaner, der im letzten Jahr noch bei den Pittsburgh Penguins unter Vertrag stand, unterschrieb für vier Jahre und 4,5 Millionen Dollar (3,09 Millionen Euro) Gehalt.

  • Rückkehr einer Legende

All jene Vertrags-Abschlüsse wurden von Jaromir Jagr überstrahlt. Der Altstar feiert drei Jahre nach seinem Abschied von den New York Rangers ein Comeback auf der NHL-Bühne. Der Tscheche wusste mit seiner Entscheidung zu überraschen. Pittsburgh galt lange Zeit als künftiger Arbeitgeber. Für Jagr hätte sich damit ein Kreis geschlossen, startete er doch in der Saison 1990/91 bei den Penguins seine legendäre Karriere.

Nach zwei Jahren in der Elite-Liga durfte er sich bereits mit zwei Stanley Cups schmücken. Stationen bei den Washington Capitals und im „Big Apple“ sollten folgen. Drei Jahre verbrachte der Oldie in der russischen KHL, nun heuerte er bei den Philadelphia Flyers an. Jagr bekommt einen Einjahres-Vertrag, der ihm 3,3 Millionen Dollar einbringen soll. Damit wird er Teamkollege von Andreas Nödl.

 „Wir haben ihm ein faires Angebot gemacht, basierend auf den Aussagen, dass er gern zur Franchise zurückkehren würde. Die Deadline für eine Entscheidung wurde immer verlängert, letztlich ging es in eine andere Richtung. Wir wollten nicht in ein Wettbieten geraten“, resignierte Pens-GM Ray Shero. Pittsburgh verliert übrigens auch Maxime Talbot an die Flyers.

Der 27-jährige Center unterzeichnet für fünf Saisonen und freut sich auf die Zusammenarbeit mit der lebenden Legende: „Bei der WM hat er gezeigt, dass er ohne Probleme mithalten kann.“ Jagr hält bei 1.599 Scorerpunkten in 1.273 Regular-Season-Begegnungen, das bedeutet Rang neun in der ewigen Bestenliste. Lediglich 42 Zähler fehlen auf Joe Sakic. Mit Leistungen vergangener Tage ein leichtes Unterfangen, es bleibt allerdings abzuwarten, wie sehr der Zahn der Zeit am Musterprofi nagte.

  • Buffalo mit aggressivem Vorgehen

Die Kader-Planungen der Sabres schreiten weiter voran. Am ersten Tag der Free Agency setzten GM Darcy Regier und Coach Lindy Ruff ihr Vorhaben der Markt-Offensive in die Tat um. Zuletzt wurden mit Robyn Regehr von den Calgary Flames und Christian Ehrhoff, der begehrte Ex-Canuck soll über zehn Jahre 40 Millionen erhalten, zwei Schlüsselspieler für die Defense verpflichtet. Nun lotste die sportliche Führung mit Ville Leino einen Forward in den Westen des Bundesstaats New York.

„Wir konnten uns mit ihm identifizieren, daher war er an der Spitze der Liste. Er fand in der Vorsaison zu seinem Spiel, wir glauben an das Potenzial“, schwärmt Buffalos General Manager. Laut „TSN“ läuft der Vertrag des Left Wings über sechs Saisonen und beinhaltet ein Einkommen von 27 Millionen. Für einen Crack, dem erst im Alter von 27 Jahren mit 53 Punkten für die Flyers der Durchbruch gelang, eine beträchtliche Summe.

„Es war wichtig, uns einen solchen Quality-Player nicht durch die Lappen gehen zu lassen“, so Regier. Journalisten bestätigte der Kanadier, dass sich die Sabres nun im für Sommer-Monate erlaubten zehn Prozent-Bereich über dem Salary Cap (64,3 Mio.) befinden. Während die Flügel mit Legionär Thomas Vanek, Drew Stafford, Jason Pominville, Tylers Ennis, Brad Boyes, Ales Kotalik und Leino überbesetzt sind, klafft im Zentrum nach dem Abgang von Tim Connolly eine Lücke.

„Über die nächsten Wochen und Monate werden wir uns Trade-Möglichkeiten suchen, um das Team weiter zu verbessern. Aber wir sind in einer guten Position“, betont Regier. Eine weitere Möglichkeit spricht Ruff an: „Ville spielte lange Zeit als Center, er fühlt sich auf der Position wohl.“ Ursprünglich war Brad Richards das Objekt der Begierde, ein Wettbieten um den Mittelstürmer stellte jedoch ein zu großes Risiko dar. „Wir standen unter Zeitdruck und mussten eine Entscheidung treffen.“

  • Tormann-Karussell dreht sich

Unübersichtlich gestaltet sich die Situation auf dem Goalie-Markt. Eine Hauptrolle hatten dabei die Colorado Avalanche inne. Der 23-jährige Seymon Varlamov kommt im Tausch für zwei Draft-Picks von den Washington Capitals. Als Backup Michal Neuvirths kam der Russe heuer zu 27 Einsätzen in der Regular Season.

„Er ist ein solider und talentierter Schlussmann. Wir schnappten uns den wichtigsten Neuzugang“, zeigt sich GM Greg Sherman zufrieden. Außerdem holten sich die „Avs“ mit Jean-Sebastien Giguere (34) einen erfahrenen Goalie ins Boot. Neben Brian Elliot (St. Louis) musste aus diesem Grund Peter Budaj die Reise nach Montreal antreten, dort erwartet ihn die Reservisten-Rolle hinter Nummer eins Carey Price.

„Ich kenne die Situation und werde das Team so gut als möglich unterstützen“, erklärt der 28-Jährige. Dennoch darf sich der Slowake durchaus Hoffnungen auf Eiszeit machen, Canadiens-Manager Pierre Gauthier stellt klar: „Wir brauchen zwei kompetente Tormänner. Wenn es Verletzungen gibt, steht uns ein Top-Mann zur Verfügung.“

Auch Tomas Vokoun hat einen neuen Verein gefunden. Der Goalie-Routinier unterschreibt für ein Jahr bei den Washington Capitals und kassiert dafür rund 1,5 Millionen Dollar. "Wir sind überglücklich, einen so erfahrenen NHL-Torhüter zu uns gelotst zu haben", freut sich GM McPhee. Auch der 35-jährige Tscheche, der zuvor bei den Florida Panthers spielte, ist voll des Lobes über sein neues Team: "Die Mannschaft ist hervorragend und ich werde alles tun, um das große Ziel Stanley Cup zu erreichen."

Die Carolina Hurricanes engagieren Brian Boucher, zuvor bei den Philadelphia Flyers, Tampa Bay gibt Mike Smith an Phoenix ab und holt sich Mathieu Garon (Columbus). Die Blue Jackets verstärken sich im Gegenzug mit Curtis Sanford (AHL). Großeinkäufer Florida darf in dieser Aufzählung nicht fehlen, der Ex-Arbeitgeber Vokouns entscheidet das Rennen um Jose Theodore (Minnesota) für sich.

  • Panthers schlagen kräftig zu

Gleich fünf Unrestricted Free Agents fanden im „Sunshine State“ Unterschlupf: Theodore, Defender Ed Jovanoski (Phoenix) und die Forwards Sean Bergenheim (Tampa Bay), Scottie Upshall (Columbus), Marcel Goc (Nashville) sowie Tomas Fleischmann (Colorado). Zudem wurde für zwei Draft-Picks (2./3. Runde) Right Wing Kris Versteeg von den Philadelphia Flyers erworben.

„Letztes Jahr war sehr schmerzhaft, wir mussten reagieren. Die Planungen sind nicht abgeschlossen. Wir sind noch nicht zufrieden“, spricht GM Dale Tallon den Umbau der Mannschaft an. Vergangene Saison landete Florida auf dem enttäuschenden letzten Rang der Eastern Conference. Der 60-Jährige formuliert das Anforderungsprofil deutlich: „Wir wollen Leute holen, die Panthers werden wollen.“

Bereits vor der Free Agency erzielte die Vereins-Führung mit den Blackhawks eine Einigung über den Trade von Defender Brian Campbell für Rostislav Olesz. Mit UFA-Center Tomas Kopecky wechselte ein weiterer Chicago-Crack die Fronten. „Wir haben keine Superstars, aber all diese Spieler haben die Möglichkeit, Offensive zu produzieren. Kommendes Jahr werden wir vier starken Linie aufbieten“, so Assistant-GM Mike Santos. Demnach wird wohl noch das ein oder andere Kaliber kommen.

Christoph Köckeis

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