"Das Feuer ist spürbar"

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"Die Berg- und Talfahrt muss der Konstanz weichen"

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Schweden besitzt das Image einer Talentschmiede. Namhafte NHL-Cracks entstammen der Elitserien, welche hinlänglich als Top-Liga bekannt ist.

Konstantin Komarek konnte im Land der „Tre Kronor“ nach drei Jahren im Nachwuchs Fuß fassen. Bei Lulea zählt der Flügelstürmer bereits zum Stammpersonal. Nicht schlecht für einen seit Dienstag erst 19-jährigen Jung-Profi.

Seinen Geburtstag durfte Komarek – für heimische Eishockey-Kenner die derzeit vielversprechendste Zukunftsaktie -  bei der ÖEHV-Truppe verbringen, wurde er doch in den Premieren-Kader Manny Viveiros‘ einberufen.

Auf eine große Fete musste der Legionär verzichten, dennoch konnte er den Tag durchaus genießen. „Johannes Kirisits hatte ebenfalls Geburtstag. Wir haben angestoßen und beide bekamen eine Torte, es war recht nett“, verrät Komarek im Gespräch mit LAOLA1.

Überdies berichtet der gebürtige Wiener über Motivator Viveiros, positives Feedback und Leistungs-Schwankungen.

LAOLA1: Konstantin, die ersten Tage beim Nationalteam sind vorüber. Wie glücklich bist du über die Nominierung durch den neuen starken Mann hinter der Bande?

Konstantin Komarek: Für mich ist es das zweite Mal und eine große Ehre für Österreich aufzulaufen. Ich habe als Kind ständig davon geträumt, wenn ich Spiele im Fernsehen gesehen habe. Jetzt erhalte ich erneut die Chance. Ich habe viele Freunde wiedergesehen. Das neue Programm, welches Manny sowie der Betreuerstab aufziehen wollen, wurde uns näher gebracht. Es sieht gut aus, wirkt wirklich professionell. Das Image des heimischen Eishockeys soll aufgebessert werden.

LAOLA1: Viveiros betont stets, das Nationalteam-Programm benötige eine Identität und es solle eine Ehre sein, Rot-Weiß-Rot tragen zu dürfen (hier geht’s zur Geschichte). Wie wurde versucht, euch die Einstellung zu verdeutlichen?

Komarek: Man merkt es einfach bei Kleinigkeiten. Seine Mentalität, wie er uns Sachen erklärt, was er machen will, das kommt an. Wir konnten die Dinge trotz der Niederlage gegen Italien ganz gut umsetzen. Das Feuer, welches Manny ausstrahlt, ist spürbar.

LAOLA1: Neu im Betreuerstab befindet sich unter anderem Assistant Coach Rob Daum. Er führte die Black Wings Linz an die EBEL-Spitze und trägt den Beinamen „Professor“. Zurecht? Und wie sind die Aufgaben auf der Eisfläche verteilt?

Komarek: Grundsätzlich leitet Manny das Training, die Special Teams hat bisher Daum übernommen. Er hat uns seine Vorstellungen von Powerplay und Unterzahl erklärt. In der Arbeit und den Aussagen wird er dem Ruf des Professors gerecht. Er bleibt im Hintergrund, erklärt aber viele taktische Dinge. Man merkt auf jedenfalls: Er beherrscht sein Fach.

Komarek: "Eine große Ehre für Österreich aufzulaufen"

LAOLA1: Kommen wir auf deinen Saisonverlauf zu sprechen: Für Lulea, dem aktuell Tabellen-Fünften, warst du in jedem der 20 Begegnungen im Einsatz. Wie fällt dein Zwischen-Fazit aus?

Komarek: Okay, würde ich sagen. Für das erste komplette Jahr in der Elitserien bekomme ich wirklich viel Eiszeit. Der Trainer gibt mir das Vertrauen, fünf Spiele durfte ich sogar in der ersten Linie auflaufen. Die letzten zwei Partien war ich wieder in der vierten Linie. Ich kann noch mehr rausholen.

LAOLA1: Inwiefern?

Komarek: Am meisten bei den Schwankungen zwischen guten und schlechten Leistungen. Die Grenze für das schwächste Niveau muss höher liegen und die Berg- und Talfahrt der Konstanz weichen. Diese Partien, in denen ich unsichtbar bin, müssen weg kommen.

LAOLA1: Während der European Trophy wusstest du zu überzeugen. Im Liga-Alltag hältst du bei vier Scorerpunkten. Wäre mehr möglich gewesen?

Komarek: In der European Trophy war ich richtig gut in Fahrt, auch im Powerplay. Die Eiszeit wurde auf alle Linien verteilt. Dennoch sind vier Zähler in 20 Spielen akzeptabel. Unter den Junioren der Liga liege ich auf dem fünften Platz. Da sind Cracks dabei, welche in Runde zwei des NHL-Drafts gezogen wurden. Die Ausbeute ist auf jeden Fall ein Aspekt, an dem ich feilen muss. Wichtiger ist dennoch die Leistung. Unser Trainer sieht das ähnlich. Wenn ich score, aber nicht überzeuge, bin ich vielleicht nur mehr Extra-Stürmer oder auf der Tribüne. Wir haben 16 Angreifer im Kader, der Konkurrenzkampf ist hart. Die Performance steht im Vordergrund, nicht die Punkte.

LAOLA1: Du hast dich in einer absoluten Top-Liga etabliert und erhältst regelmäßig Eiszeit – sogar in der Parade-Linie. Zeigt das die Wertschätzung, welche dir entgegengebracht wird?

Komarek: Dass ich in der ersten Formation spielen durfte, habe ich positiv entgegen genommen. Ich habe versucht, mein Bestes zu geben. Eigentlich ist die Mannschaft so ausgeglichen, dass die vierte Linie im Fünf-gegen-Fünf nicht viel schlechter als die erste ist. Drei Sturm-Reihen gehen in Wahrheit auch als erste Linien durch, es kommt darauf an, welche besser in Form ist. Zuletzt spielte ich mit zwei jungen Schweden zusammen, von denen jeder Potenzial hat. Rotation ist nichts Unübliches, wenn es nicht funktioniert oder ein Spieler verletzt ist.

LAOLA1: Wie fällt das Feedback des Vereins aus? Herrscht Zufriedenheit ob deiner Entwicklung?

Komarek: Sie sehen es durchaus positiv und haben gesagt, ich soll so weitermachen, etwas kreativer sein und ein gleichmäßigeres Niveau abliefern. Das Puck-Abschirmen zählt zu meiner Spezialität, das bestätigt mir der Trainer häufig.

LAOLA1: Du hast vorhin anklingen lassen, dass einige Talente, welche im NHL-Draft gezogen wurden, in der Scorerwertung hinter dir rangieren. Auch du durftest dir Chancen ausrechnen, wie deprimiert warst du ob deiner Nichtberücksichtigung?

Komarek: Die Enttäuschung war groß. Ich dachte schon, dass es sich ausgehen wird. Für mich ist das eine zusätzliche Motivation. Ich hoffe, den Franchises beweisen zu können, dass es ein Fehler war. Wenn ich nicht gedraftet werde, ist es noch nicht gelaufen. Viele Spieler haben es ohne gezogen zu werden in die NHL geschafft. Wenn man gut genug ist, gelingt es auch. Ich werde alles dafür tun, dass es dieses Jahr im Draft klappt.

LAOLA1: Zurück zum Nationalteam: Im Aufgebot finden sich viele Talente, ein Großteil der Routiniers wurde nicht einberufen. Welches Ziel hast du für die verbleibenden Auftritte?

Komarek: Ziel ist natürlich, die Spiele gegen Japan und Ungarn zu gewinnen. Dafür werden wir alles geben. Jeder Spieler will Manny überzeugen, dass er zum Nationalteam gehört, und alles geben.

LAOLA1: Mit welchen Qualitäten glaubst du die Verantwortlichen zu überzeugen?

Komarek: Ich glaube, dass ich in der Angriffszone meine Qualitäten habe, wie Puck abdecken. Meine Übersicht kann dem Team weiterhelfen, denke ich. Vielleicht kann ich auch einen Vorteil aus dem Speed in der Elitserien ziehen.

Das Gespräch führte Christoph Köckeis

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