Kanada fast ein Bein gestellt

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"Wie wir uns präsentiert haben, war ein Wahnsinn"

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„Immer wieder, immer wieder, immer wieder Österreich!“

Dieser Sprechchor der rot-weiß-roten Anhänger hallte drei Minuten vor Ende des Testspiels der österreichischen Nationalmannschaft durch die mit 7000 Fans ausverkaufte Albert-Schultz-Halle.

Der Grundtenor unter den Zusehern war wie bei den 23-Cracks auf dem Eis durchwegs positiv.

Immerhin bot man gegen die Top-Eishockey-Nation Kanada eine starke Leistung und lieferte damit eine gute Generalprobe vor der bevorstehenden A-WM in Prag (1. – 18. Mai) ab. Erst ein Empty-Net-Tor besiegelte die 2:4 (2:1, 0:2, 0:1) – Niederlage.

Kein Crosby, trotzdem Show

Und das obwohl kurzfristig NHL-Superstar Sidney Crosby absagte und man sich daher „nur“ mit  Größen wie Claude Giroux (Philadelphia Flyers), Jason Spezza (Dallas Stars) oder Matt Duchene (Colorado Avalanche) zufrieden geben musste.

„Sidney hat bis vor kurzem noch in den NHL-Playoffs gespielt und ist durch die Anreise müde. Auf der anderen Seite haben wir Spieler im Team, die seit drei Wochen nicht auf dem Eis waren und Spielpraxis brauchen, von dem her war es nur logisch, dass sie gespielt haben und nicht Sidney“, erklärt Kanadas Headcoach Todd McLellan.

Mit dieser Ausgangslage begaben sich die Mannen von ÖEHV-Headcoach Dan Ratushny in den Kampf mit den Kanadiern. Und dabei hielt Team Austria sehr gut mit und konnte nahtlos an die guten Leistungen vom Vortag (1:4 Testspiel-Niederlage gegen USA) anknüpfen.

„Ich bin sehr zufrieden mit den Jungs. Sie haben heute wirklich stark gekämpft und alles für das Team gegeben“, lobt Ratushny seine Cracks. Wir haben nach dem zweiten Drittel beim Stand von 2:3 nicht aufgehört Eishockey zu spielen und waren zufrieden mit dem Resultat. Nein, die Mannschaft wollte dieses Spiel gewinnen und das rechne ich ihr ganz hoch an.“

Der Rafael-Tausch geht auf

Vor allem die Umstellung der Angriffslinien ging voll auf. Durch die Umstellung auf eine Reihe mit Rafael Rotter, Thomas Hundertpfund und Manuel Geier konnten sich die Heimischen häufiger als am Tag zuvor gegen die USA im gegnerischen Drittel festsetzen.

„Wenn ich eine Linie herausstreichen muss, dann diese. Sie hat mir sehr gut gefallen und vor allem im zweiten Drittel konnten wir Kanada einige Male mit dieser Reihe unter Druck setzen“, strich Ratushny heraus.

Für Rafael Rotter, der im USA-Spiel noch in der Top-Linie spielte, kam Raphael Herburger auf die Flügelposition zu Michael Raffl und Brian Lebler. Der Schweiz-Legionär überzeugte nicht nur durch seinen Treffer zum 2:1, sondern zeigte vor allem durch seine Spritzigkeit und Schnelligkeit, wie wichtig er für das Team ist.

„Wir waren perfekt eingestellt, Hut ab vor der Leistung. Wir wissen aber natürlich, dass die Kanadier nicht alles gegeben haben, bei der WM wird das eine ganz andere Partie, dennoch freue ich mich schon darauf“, so Herburger.

„Wahnsinn, wie wir uns präsentiert haben“

Lob gab es auch vom einzigen rot-weiß-roten NHL-Crack auf dem Eis, Michael Raffl: „Wie wir uns heute präsentiert haben, ist ein Wahnsinn. Mit so einem jungen Team gegen eine quasi NHL-Allstar-Auswahl zu bestehen zeugt von Klasse. Es hat riesigen Spaß gemacht mit den Jungs heute auf dem Eis zu stehen.“

Im Vergleich zur Partie gegen die US-Boys sieht Raffl einige Veränderungen: „Der Spielverlauf (Österreich ging zweimal (1:0, 2:1) in Führung) hat uns auf alle Fälle sehr geholfen. Wir waren spritziger als gestern und sind besser in die Gänge gekommen“, zeigt Raffl die Unterschiede zum Vortagsmatch auf.

Dass das Team in den kritischen Phasen, die es durchaus gab, nicht aus dem Spiel genommen wurde, verdankten die Gastgeber Goalie Bernhard Starkbaum, der völlig zu recht zum „man oft he match“ gewählt wurde. Mit spektakulären Paraden und der nötigen Ruhe bewahrte der Schweden-Legionär seine Mannschaft vor dem einen oder anderen Nackenschlag.

Der 28-jährige „Hexer“ resümiert daher ebenfalls positiv: „Wir haben uns an die taktischen Vorgaben gehalten, das hilft gerade gegen einen technisch so starken Gegner enorm. Wir waren immer nah am Mann. Den US-Amerikanern haben wir im Vergleich dazu viel mehr Zeit gelassen und darum auch am Ende die Tore kassiert.“

Kanada braucht noch Zeit

Auf der Gegenseite wird der knappe Erfolg kühl analysiert. Die größere Eisfläche sei noch ungewohnt und auch gewisse Strafen hätte man in der NHL wohl nicht gepfiffen, so der Grundtenor.

„Man muss mehr eislaufen, man kann den Schlittschuh nicht einfach laufen lassen. Im ersten Drittel sind wir mehr gegleitet als geskatet“, gibt Kanada-Headcoach Mclellan zu Protokoll.

Auch Taylor Hall, seines Zeichens Nummer-Eins-Draftpick von 2010, hatte so seine Probleme. „Die Winkel sind auf der großen Eisfläche anders und dadurch ist es noch schwer, in die richtige Positionen zu kommen. Wir stellen uns aber immer besser darauf ein.“

Raffl will Revanche

Für die Riesensensation für Team Austria hat es am Ende dann doch nicht ganz gereicht.

Gerade für Michael Raffl scheint die Niederlage gegen die Kollegen aus Nordamerika besonders bitter: „Mit einem Sieg hätte ich sie schon ein wenig aufziehen können. So bleibt es aber beim Wunsch, einmal Kanada zu schlagen.“

Die nächste Chance gibt es dazu bald, Raffl und Co. Treffen ja bereits am 12. Mai in der O2-Arena in Prag erneut auf die „Ahornblätter“.

 

Paul Preisig/Fabian Santner

„Starkbaum absolute Weltklasse“

„Was ‚Starki’ heute alles gehalten halt, war absolute Weltklasse“, lobt ihn sein Vordermann und Defender Florian Mühlstein. "Mit der gestrigen Leistung von Rene Swette und der heutigen von Starkbaum können wir, was die Torhüter betrifft, beruhigt in die WM gehen.“

Und auch sonst sieht Mühlstein das Nationalteam im Aufwind: „Wir haben heute gezeigt, dass wir an einem guten Tag mit den absoluten Topnationen mithalten können. Natürlich dürfen wir das Spiel nicht überbewerten, da es sich noch immer um ein Vorbereitungsmatch gehandelt hat, aber es zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Verbesserungspotential sei aber „auf jeden Fall gegeben“ und vor allem riskante Turnover auf der Blauen Linie seien für den 24-jährigen Salzburg-Legionär „noch ausbaufähig“.

Tormann Starkbaum blickt der WM ebenfalls positiv entgegen: „Wir haben gesehen, dass wir mit dem Tempo umgehen können und auch defensiv gut stehen. Darüber hinaus haben wir auch Chancen kreiert und Tore geschossen.“

Alles in allem wirkte die gesamte Defensive der Österreicher sattelfester als in den letzten Tests. „Wir wissen, dass wir uns im Hinblick auf die WM gerade im Spiel nach hinten verbessern müssen. Aber ich habe heute vor allem in einem starken Schlussdrittel eine gute Defensivarbeit meiner Mannschaft gesehen. Auf solche Erfolge muss man aufbauen“, freut sich Ratushny. 

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