"Ich lerne täglich dazu"

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LAOLA1-Scout Freimüller analysiert den Teamkader

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Der erste Kader in der Ära des neuen Teamtrainers Dan Ratushny steht.

Für die Euro Ice Hockey Challenge, die am 6. November in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana über die Bühne geht, beruft der Coach 25 Spieler ein.

Mit Dornbirn-Goalie David Madlener und Graz-Verteidiger Clemens Unterweger sind auch zwei Debütanten mit an Board, auf die Akteure der Vienna Capitals und RB Salzburg verzichtet er aufgrund der Champions Hockey League.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller hat sich mit dem 43-jährigen Kanadier über seine neue Aufgabe unterhalten und beleuchtet das Aufgebot für das Turnier in Ljubljana.

DAN RATUSHNY...

...über die Kaderentscheidung:

Sportdirektor Alpo Suhonen, meine Assistant-Coaches Christoph Brandner, Dieter Kalt, Goalie-Coach Reinhard Divis sowie auch Ausbildungsleiter Roger Bader haben mit mir gemeinsam den Kader erstellt. Dazu kamen natürlich noch mehrere Gespräche mit den Ligatrainern – denn seien wir uns ehrlich: Wer kennt die eigenen Spieler besser als deren Coaches?

…über die Entscheidung, ohne Salzburg- und Wien-Spieler anzutreten:

Die Champions-League-Spiele sind für beide Teams sehr wichtig und ein Nachkommen hätte nichts gebracht. Ich kann so die Möglichkeit nützen, mir die Spieler der anderen Teams anzusehen, im Februar werden wir dann natürlich ein erfahreneres Team aufbieten.

…über seine eigene Reiseplanungen:

Ich fliege von Lulea über Stockholm und München nach Ljubljana, werde dort am 5. November zum  Abschlusstraining eintreffen.“

…über seine bisherigen Kenntnisse des österreichischen Spielermarkts:

Ich lerne tagtäglich dazu, kann aber sicher nicht sagen, dass ich alle Spieler schon kenne. Deshalb haben wir den Kader ja auch in Teamarbeit erstellt.

Ratushny betreut RBS und das ÖEHV-Team

…über die Spielsysteme in der Liga und das des Nationalteams:

Im Gegensatz zur DEL habe ich in der EBEL eine größere Varianz an Systemen festgestellt. Es gibt Up-Tempo-Teams und Teams, die eher defensiv agieren. Ich möchte schon, dass das Nationalteam wie mein Klubteam eher offensiv agiert. Mir ist lieber, wir machen unsere Fehler in der gegnerischen als in der eigenen Zone.

…den Unterscheid zwischen der Arbeit im Klub und im Nationalteam:

Im Klub kannst du halt tagtäglich mit den Spielern arbeiten, im Team muss daher das Spielsystem eher simplifiziert werden.

Doppelfunktion mit Vor- und Nachteilen

Das erste Turnier bringt für den ÖEHV schon die Vor-und Nachteile der Doppelfunktion eines Klubtrainers zutage. Gut, dass Ratushny Salzburg coacht – eine andere Entscheidung, als auf deren und die Wiener Spieler zu verzichten, wäre irrational gewesen.

Das jämmerliche Gerangel von vor drei Jahren anläßlich des European Trophy Finales wiederholt sich diesmal also nicht.

Dass der Nationaltrainer allerdings bei seinem ersten Turnier erst am letzten Drücker zur Mannschaft stößt, zeigt die Nachteile dieser Doppelfunktion.

Der Kader in der Analyse:

Schön zu sehen, dass Aufsteiger wie David Madlener, Clemens Unterweger oder Fabio Hofer mit einer Einberufung belohnt wurden.

Ebenfalls erfreulich: Die Rückkehr von Patrick Obrist ins Nationalteam. Er wurde vor drei Saisonen vom Ex-KAC- und U20-Teamcoch Christian Weber stark gefördert und schien sich auch in der EBEL zu etablieren. Don Jackson konnte mit ihm im letzten Jahr in Salzburg aber überhaupt nichts anfangen. Der mit einer Schweizer Lizenz ausgestattete Dornbirner ist jetzt Stammspieler bei Rapperswil-Jona und sicher einen Blick wert.

Maxi Isopp mit dabei? Der Mann der tausend Giveaways? Dazu noch die heuer schwachen Mitterdorfer und Schumnig? Doch diese Nomierungen sind aufgrund der deprimierenden Verteidigersituation dann auch wieder nicht so abstrus, wie ein Blick auf die 25 Defender des erweiterten Olympia-Kaders zeigt:

Aufgrund ihres Alters, Rücktritten oder Karriereende fallen sechs Spieler aus dem Aufgebot: Andre und Phil Lakos, Robert Lukas, Thomas Pöck, Peter Schweda und Gerhard Unterluggauer.

Wiener bzw. Salzburger Spieler:  Acht (Dominique Heinrich, Florian Iberer, Sven Klimbacher, Florian Mühlstein, Alexander Pallestrang, Patrick Peter, Markus Schlacher, Matthias Trattnig)

Wer bleibt da neben den sieben Nominierten noch über? Joe Reichel, Kristof Reinthaler und Andreas Wiedergut, die beiden letzten in Graz kaum oder nicht mehr dabei. Da ist weniger Wehklagen über die Nominierungen als über den Mangel an Alternativen angebracht.

Auch nicht lustig: Johannes Bischofberger wurde nicht nominiert. Verständlich, schlägt er doch in der Schweizer Nationalliga B bei Thurgau kaum große Wellen. Allerdings: Der kleine Dornbirner gehörte in den Nachwuchsnationalteams stets zu den herausragenden Akteuren. Wenn sich solche Spieler nicht oder nur langsam entwickeln, trifft das ein Land wie Österreich weit ärger, als eine Nation wie etwa die Schweiz mit ihrem weit größeren Talentreservoir. Er sollte aber zumindest wie der Dornbirner Alexander Feichtner und Villach-Verteidiger Nico Brunner zu den ersten Nachrückern gehören, Absagen sind ja wie immer zu erwarten.

Nicht, dass Manuel Ganahls Einberufung überraschend gekommen wäre, aber vielleicht könnte der Trainerstab die Gelegenheit dazu nutzen, sich davon zu überzeugen, dass er wohl der Spieler mit der größten Leistungsentwicklung der letzten Jahre ist. Noch einmal dürfen ihm wie vor der letztem B-WM die altbekannten und stagnierenden Geier-Brüder aufgrund deren KAC-Herkunft, nicht vorgezogen werden. 

-Die Torhüterposition: Drei Goalies sind für dieses Turnier wohl ohnehin einer zuviel. Aber eine Absage von Mattias Lange, der im Alter von 29 Jahren erstmals unumstrittener Einsergoalie im Profibereich ist und für Iserlohn bis jetzt jede Minute bestritt, würde nicht verwundern. Wer sind die Alternativen? Rene Swette, beim KAC am Rande der Bedeutungslosigkeit? Thomas Höneckl, der kaum EBEL-Niveau aufweist? Der vereinslose Fabian Weinhandl? Auch auf dieser Postion ist die Personallage mehr als trist. Nur der Wiener David Kickert verspricht hier (große) Hoffnung für die Zukunft, für David Madlener wird das Turnier wohl ein Schnupperkurs.

Umstellung für Ratushny

Trotz seines verspäteten Eintreffens sollte das erste Turnier für Dan Ratushny ein ganz besonderes sein.

Der Kanadier überzeugte seit seiner Ankunft in Österreich bis jetzt einerseits mit einem sehr offenen und ehrlichen Auftreten, andrerseits spielt sein Team ein überaus attraktives Eishockey. Nur: Bei Salzburg kann er natürlich aus dem Vollen schöpfen, die Qualität seines Kaders übertrifft die der Konkurrenz um Weiten.

Durchaus vorstellbar, dass ihn die ersten Auftritte seines Nationalteams im Vergleich ernüchtern werden. Bestes Beispiel für den unterschiedlichen Talentepool: Verteidiger Florian Mühlstein schafft es – nicht nur aufgrund der Punkteregel – nicht unter die Top-6-Verteidiger in Salzburg. Im Nationalteam hatte er eben diese Rolle bei der letzten WM inne.

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