Aufmacherbild

Meister Salzburg bekommt es mit Haseks Erben zu tun

„Wir müssen unser bestes Spiel zeigen, das ist sozusagen der Tag X.“

Pierre Page, Salzburgs sportliches Mastermind, verdeutlicht, welch Prestige das Red Bulls Salute für Österreichs Meister besitzt.

Namhafte Verstärkungen fanden ausschließlich für das Final-Turnier der European Trophy den Weg in die Mozartstadt. Es galt die Nationalteam-Nominierungen von Topscorer Thomas Raffl, Matthias Trattnig, Daniel Welser, Manuel Latusa und Dominique Heinrich zu kompensieren.

Mithilfe der NHL-Goalie-Legende Marty Turco (hier geht’s zum Talk) möchte der Gastgeber seinen zweiten Salute-Triumph realisieren. LAOLA1 stellt die Konkurrenz um Europas Krone vor.

  • Eckdaten:

Name: HC CSOB Pojistovna Pardubice

Gründung: 1925

Liga: Extraliga

Tabelle: 5. Platz

Erfolge:  3x CSSR-Meister (1973, 1987, 1989), 2x Tschechischer Meister (2005, 2010)

  • Ausgangsposition:

Gleich im Viertelfinale wartet Gastgeber Salzburg auf die Tschechen. Die „Bullen“ sind in Person von Trainer Page gewarnt: „Wir wollen im Vorfeld nicht allzu viel reden. Ein harter Brocken. Daher ist es wichtig, mental bereit zu sein.“

Im Roster stehen fünf ausländische Cracks, darunter Martin Bartek. Nach punktereichen Saisonen für die Kassel Huskies (47) sowie die Kölner Haie (46) zählt der Slowake seit dem Vorjahr zu den Offensiv-Fixgrößen Pardubices, das stellte er heuer in Liga (23) sowie European Trophy (10) unter Beweis.

Ansonsten bilden tschechische Routiniers die Eckpfeiler, allen voran Spielführer Petr Koukal sowie die Defender Vladimir Sicak und Ales Pisa. Letzterer sammelte von 2001 bis 2003 Erfahrung in der NHL - 53 Einsätze für die Edmonton Oilers und NY Rangers.

  • Wissenswertes:

Eishockey-Fans bringen Pardubice mit einem Namen in Verbindung - nämlich Dominik Hasek. Der 46-Jährige ist die Goalie-Legende himself. Von der rund 89.000 Einwohner zählenden Stadt aus eroberte er die National Hockey League. Zwei Stanley Cups später kehrte der sechsfache Vezina-Trophy-Träger (Anm: Bester Torhüter) und zweifach ausgezeichnete MVP zurück in seine Heimat.

Der damals 45 Lenze zählende Hasek wurde 2010 Meister mit Pardubice. Zugleich war er der älteste Akteur, welcher je in der Extraliga auflief. Überdies entstammt Milan Hejduk, Urgestein der Colorado Avalanche, sowie Edmontons Ales Hemsky dem Nachwuchs.

  • Eckdaten:

Name: Frölunda Indians

Gründung: 1944

Liga: Elitserien

Tabelle: 6. Platz

Erfolge: 3x Meister (1965, 2003, 2005)

  • Ausgangsposition:

In Salzburgs Gruppe waren die Schweden das Maß aller Dinge, ehemaligen NHL-Cracks sei Dank. Der Bekannteste ist Per-Johan Axelsson. Für Boston stand der mittlerweile 36-Jährige in 797 Partien auf dem Eis. Diese Erfahrung gibt er seit Sommer ’09 an Frölundas Talente weiter.

Auf der großen Eishockey-Bühne präsentierten sich ebenso Fredrik Sjöström (489 Spiele), Verteidiger Christian Bäckman (301) oder Joel Lundqvist (134), Zwillingsbruder von Rangers-Goalie Henrik. Nach Übersee möchte es Fredrik Pettersson schaffen. Der 24-Jährige wurde 2005 an 157. Stelle gedraftet, einige Franchises sollen Interesse bekunden. Mit Norwegens Team-Stürmer Mathis Olimb (beide 21) führt er die Scorerliste an.

  • Wissenswertes:

Der Name Frölunda rührt aus einem Stadtteil Göteborgs. In der Vergangenheit trat der Verein mehrfach durch Exporte in die National Hockey League in Erscheinung. Gleich mehrere Cracks schafften aus der Talenteschmiede den Sprung. Den Lundqvists gelang es im neuen Jahrtausend. Der Erfolg blieb Schlussmann Henrik vorbehalten, er glänzt im Big Apple mit Big Saves.

Kaum wegzudenken aus der NHL ist Daniel Alfredsson. Mehr als ein Jahrzehnt trägt er nun schon das „C“ Ottawas auf der Brust. Mit Erik Karlsson verteidigt ein weiterer Ex-Indian für die Senators. Er wird als Verteidiger der Zukunft geadelt. In das Rampenlicht scorte sich Dallas‘ Loui Eriksson, der zuletzt zweimal die 70er-Marke übertraf.

  • Eckdaten:

Name: Linköpings HC

Gründung: 1976

Liga: Elitserien

Tabelle: 11. Platz

Erfolge: Vize-Meister (2007)

  • Ausgangslage:

Bis zuletzt musste der schwedische Erstligist um seine Teilnahme zittern. Nur ein Pünktchen gab den Ausschlag für Linköpings. „Zu Beginn sah es nicht so aus, als dass wir die Endrunde erreichen würden. Wir geben alles, um die Trophäe zu holen“, freut sich Coach Hans Särkijärvi auf die Salute-Premiere.

Zum erweiterten Favoritenkreis ist der Elitserien-Elfte nicht zu zählen, nichtsdestotrotz verfügt man über ausreichend Qualität. Goalie Fredrik Norrena, Kapitän Magnus Johansson sowie Niclas Hävelid (alle 38) sind die personifizierte Routine. Das Trio wirft 773 NHL-Einsätze in die Waagschale.

Drei Jahre jünger stehen Jan Hlavac (436 Spiele) und Jaroslav Hlinka (63) dem um nichts nach. In den vergangenen Jahren zeichneten sich die beiden Tschechen hauptverantwortlich für die Offensiv-Produktion. Hlavac führte 2009/10 mit 30 Toren sogar die Schützenliste an. Unter den alternden Stars tastet sich Klas Dahlbeck langsam heran.

  • Wissenswertes:

Die noch junge Vereins-Historie erlebte 2007 ihren Höhepunkt, als erst in der Finalserie gegen MODO Hockey Endstation war. Im laufenden Bewerb kämpft Linköpings etwas um den Anschluss, dennoch regiert vor Turnier-Auftakt Optimismus.  „Wir haben heuer zweimal gegen Frölunda gewonnen, aber es war stets eng“, so Särkijärvi. Bei den Skandinaviern stand übrigens Capitals-Defender Peter Casparsson für sieben Jahre unter Vertrag.

  • Eckdaten:

Name: Jokerit

Gründung: 1967

Liga: SM-liiga

Tabelle: 4. Platz

Erfolge: 6x Meister (1971, 1983, 1995, 2000, 2005, 2007)

  • Ausgangslage:

„Drei Spiele in drei Tagen gegen die europäischen Top-Teams sind eine Herausforderung. Aber wir wollen im Finale dabei sein“, betont Jokerit-Betreuer Erkka Westerlund. Er vertraut dabei auf die erfahrene Defensive um Ossi Väänänen (479 NHL-Partien) und Antti-Jussi Niemi (29).

An vorderster Front soll Goalgetter (37) Janne Lahti für Durchschlagskraft sorgen. Er erhält Unterstützung von Jarkko Ruutu, der nach 652 Einsätzen für Vancouver, Pittsburgh, Ottawa sowie Anaheim in die Heimat wechselte.

Ein wachsames Auge muss Viertelfinal-Gegner Budejovice auf Teemu Pulkinen werfen. Der 19-Jährige hatte am Saisonende 54 Punkte zu Buche stehen, derzeit hält der in Besitz Detroits stehende Right Wing bei 22 Zählern.

  • Wissenswertes:

Das Kurioseste an dem in Helsinki beheimateten Klub ist ohne Frage das Vereins-Emblem. Dort zwinkert nämlich ein Hofnarr herab. Sportlich betrieb Teemu Selänne Werbung auf höchstem Niveau. Der 41-Jährige gehört zum NHL-Repertoir. Überragende 76 Mal traf der Rookie einst für Winnipeg, was ihm die Calder Trophy 1992 einbrachte. Die Krönung erhielt er bei Anaheim mit dem Stanley Cup 06/07. Auch Red Wing Valtteri Filppula durchlief die Jokerit-Schule und verewigte sich auf „Lord Stanley“.

  • Eckdaten:

Name: HC Mountfield Ceske Budejovice

Gründung: 1913

Liga: Extraliga

Tabelle: 1. Platz

Erfolge: CSSR-Meister (1951)

  • Ausgangslage:

Budejovice und Plzen waren die punktbesten Teams der Gruppenphase. Dementsprechend stieg die Erwartungshaltung beim Spitzenreiter Tschechiens. „Jokerit ist in der Ko-Runde eine Herausforderung. Wir haben nicht erwartet, am Ende unter den Top-Acht aus 24 Teams dabei zu sein“, so Trainer Frantisek Vyborny, der mit Sparta Prag im Finale 2009 Salzburg unterlag.

Der Star im Aufgebot ist Ales Kotalik, einstiger Sturm-Partner Thomas Vaneks bei den Buffalo Sabres. Mit 21 Punkten ist der 32-Jährige nach Milan Gulas zweitbester Scorer. In der Defense sorgt ein alter Bekannter für Ordnung. Ales Kranjc lief schon für Jesenice, die Vienna Capitals und Fehervar auf.

  • Wissenswertes:

Ursprünglich wurde der Klub aus Budweis – sollte Biertrinkern ein Begriff sein - unter dem Namen SK Ceske Budejovice ins Leben gerufen. Einige Umbenennungen und eine Übernahme durch Mountfield, Händler für Gartenartikel, spielt man seit 2006 unter der heutigen Bezeichnung. Zu den bekanntesten Eigengewächsen zählen Schlussmann Roman Turek, der 2010 die Laufbahn beendete, Vinny Prospal (Columbus) oder Milan Michalek (Ottawa).

  • Eckdaten:

Name: HC Plzen 1929

Gründung: 1929

Liga: Extraliga

Tabelle: 3. Platz

Erfolge: 3x Vize-Meister (1958, 1959, 1992)

  • Ausgangslage:

Sie waren die Dominatoren der Gruppenphase. Besonders die taktische Mischung scheint zu passen, dies unterstreicht das Tor-Verhältnis (30-16). Der Offensiv-Druck ist auf vielen Schultern verteilt. Da wäre Martin Straka, der bei den Penguins seine erfolgreichste Phase verbrachte. 954 NHL-Spiele, 717 Punkte – die unbestrittenen Qualität offenbart der alternde Star (39) die vierte Saison in Pilsen.

Tomas Vlasak, Topscorer der Vorsaison, Radek Duda, mit 29 Punkten bester Stürmer, und Jan Kovar (21 Jahre) sind Erfolgsfaktoren. In der Abwehrreihe sticht Frantisek Kaberle heraus. Der Bruder von Carolinas Tomas Kaberle hat eine beeindruckende Vita. Er darf sich 523 Spiele in der weltbesten Liga sowie den Stanley Cup ’09, wo er das Clinching Goal für die Hurricanes erzielte, anrechnen.

  • Wissenswertes:

Das im Westen liegende Pilsen ist wie Budweis für sein Hopfen-Erfrischungsgetränk bekannt. In der 170.000 Menschen zählenden Stadt verkörpert jedoch auch Eishockey einen fixen Bestandteil. Derzeit liegt der Erstligist auf dem dritten Rang, die Richtung gibt im sportlichen Geschehen Kapitän Straka vor. Er besitzt 70 Prozent der Vereins-Anteile und ist zudem General Manager.

  • Eckdaten:

Name: Lulea HK

Gründung: 1980

Liga: Elitserien

Tabelle: 5. Platz

Erfolge: 1x Meister (1996), 2x Vize (1993, 1997)

  • Ausgangslage:

Knapp aber doch qualifizierte sich Lulea für das finale Turnier. In der North Division behielten ÖEHV-Rohdiamant Konstantin Komarek (hier geht’s zum Interview) und Co. durch einen Punkt gegen Liga-Konkurrent Djurgarden die Oberhand. Eine Vielzahl an Stars sucht man vergeblich. Vielmehr brilliert das Team mit Ausgewogenheit.

Niclas Wallin ist einer der wenigen, die herausstechen. Für die Carolina Hurricanes und San Jose Sharks absolvierte er 614 Einsätze. Seit seiner sommerlichen Rückkehr in den hohen Norden verleiht der 36-jährige Defender zusammen mit Assistent Captain Jan Sandström der jungen Garde Sicherheit. Zu der zählen Simon Hjalmarsson (22), Daniel Gunnarsson (19), Jhonas Berglund (21) und eben Komarek.

  • Wissenswertes:

Drei rot-weiß-rote Cracks haben in Nordschweden eine Vergangenheit oder Zukunft. Als Erster wagte Thomas Koch das Abenteuer. Zwei Saisonen verbrachte der Center in der Elitserien, mit bescheidener Ausbeute (33 Punkte). Ähnlich erging es Thomas Raffl, der nach nur eineinhalb Spielzeiten seine Zelte abbrach. Bereits im zarten Alter von 16 wechselte Komarek zu Lulea. Er absolviert seine zweite volle Saison, kann wegen der U20-B-Weltmeisterschaft aber nicht am Red Bulls Salute teilnehmen.

Christoph Köckeis

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»