Der Tor-Geiz und eine mögliche Medizin

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1:0 und 2:1 nach Verlängerung.

Die Finalserie zwischen dem KAC und den Vienna Capitals hat zweifellos viel zu bieten, aber eines ist sie bislang nicht: torreich.

Auf ein Offensiv-Spektakel warteten die Fans beider Lager bisher noch vergebens. So richtig überraschend kommt das jedoch nicht. Denn bereits im Grunddurchgang brachten die Treffen zwischen den „Rotjacken“ und den Gelb-Schwarzen keine Schützenfeste.

28 Tore in sechs Partien (4,67 im Schnitt) hauen im Hockey niemanden vom Hocker. Die vier in zwei Finalspielen sind praktisch die Steigerung davon. Viele Fans spotten bereits, dass sie die torärmste Finalserie der EBEL-Geschichte erleben.

Doch was sind die Ursachen für den Tor-Geiz? Lassen die Trainer zu defensiv spielen? „Nein“, schüttelt Tommy Samuelsson entschieden den Kopf und klärt auf.

Eine Frage der Organisation

Für den Head Coach der Vienna Capitals stellt sich nicht die Frage nach defensiver oder offensiver Spielweise, sondern vielmehr die Frage nach der Spielstruktur. „Das funktioniert über die Organisation, das ist nicht defensiv“, gibt der Schwede zu verstehen.

In der Finalserie speziell auf Sicherheit spielen zu lassen, will er sich ebenso wenig unterstellen lassen. „Wir spielen schon die ganze Saison so. Wir machen da keinen Unterschied. Der Unterschied ist, dass wir hier über die zwei besten Mannschaften und das Finale sprechen. Da ist es klar, dass man versucht, seine Fehler zu minimieren und sich gut zu organisieren.“

Vielmehr lege es laut Samuelsson auch an den guten Schlussmännern und verweist auf die Torschuss-Statistik. Diese fiel mit über 40 Schüssen auf beiden Seiten zuletzt durchaus passabel aus.

Die Zahl ist allerdings leicht irreführend. Denn viele Versuche wurden aus der Distanz abgegeben, bei denen starke Torhüter, zu denen sich Rene Swette und Matthew Zaba zweifellos zählen dürfen, nur schwer zu bezwingen sind.

Eine Auffälligkeit, die auch Samuelsson nicht abstreiten will. Insbesondere seinen Capitals war es gegen den Rekordmeister nur selten gelungen, in das Zentrum vorzustoßen. Viel wurde deshalb außen herum gespielt, da der KAC sehr geschickt die Passwege in die Mitte blockierten.

Nicht so schwedisch wie Knäckebrot

Gratton hofft auf ein Comeback

Um dem KAC nicht ins offene Messer zu laufen, blieb bei den Wienern bei eigenem Puckbesitz immer ein Verteidiger zur Absicherung zurück. Dies erschwerte freilich die Aufgabe, den roten Riegel zu knacken.

Kurzum: Die Fans erlebten zwischen den beiden schwedischen Head Coaches bisher zwei Partien „Eis-Schach“. Zweimal mit dem besseren Ende für Christer Olsson.

Das Einhalten einer strikten taktischen Linie als „typisch schwedisch“ zu titulieren, tut Samuelsson als Vorurteil ab. „Nein, dass man gut organisiert sein muss, das geht international quer durch alle Ligen“, winkt der Übungsleiter schmunzelnd ab. „Es geht nicht, dass man einfach den Puck dropped und drauf los spielt. Man muss wissen, was man die meiste Zeit über macht.“

Hoffen auf das Unerwartete

Defensive Anlage hin, organisatorischer Ansatz her – Fakt bleibt, dass die Capitals in der Serie gegen den KAC mit 0:2 im Hintertreffen sind und im dritten Finalspiel am Dienstag (20:30 Uhr im LIVE-Ticker) zu Hause eine weitere Niederlage tunlichst vermeiden sollten. Konstruktiv betrachtet stellt sich aus Sicht der Hauptstädter somit die Frage, wie der taktischen Ausrichtung der Kärntner beizukommen ist.

„Die beiden Teams liegen so knapp beieinander, da machen Kleinigkeiten den Unterschied aus“, holt Samuelsson zu einer viel bemühten Floskel aus, um dann allerdings zu ergänzen: „Da brauchst du Spieler, die das Unerwartete machen, um solche Organisationen zu durchbrechen.“

Und so einer könnte mit Benoit Gratton am Dienstag in das Lineup zurückkehren. „Wenn wir über Spieler reden, die den Ausschlag geben können, dann gehört er dazu. Genau wie der KAC eben einen Tommy Koch hat.“

Der 36-jährige Gratton fiel seit Ende Februar mit einer Knie-Verletzung aus. Ob er bereits in Finale drei auflaufen kann, wollen Samuelsson und Co. aber erst kurz vor dem Match entscheiden. Sollte es aber mit einem Einsatz klappen, hofft sein Trainer, dass ein Ruck durch die gesamte Mannschaft gehe.

>>> UPDATE: Gratton wird spielen <<<

„Er hat die ganzen Playoffs nicht gespielt. Da ist es klar, dass seine Rückkehr ein wenig mehr Energie und Kraft in unser Team bringt. Das ist ein Bonus für uns, weil wir nicht erwartet haben, dass er in dieser Saison überhaupt noch einmal spielen kann.“

Und vielleicht hilft sein Comeback auch mit, dass in den verbleibenden Spielen ein wenig mehr Tore fallen.

Reinhold Pühringer

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