"Wir werden von Woche zu Woche besser"

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Philipp Pinter hatte Glück im Unglück.

Im Spiel gegen Klagenfurt trifft ihn nach einem Bully die Schlägerschaufel von Thomas Hundertpfund direkt im Auge. Wie vom Blitz getroffen geht der gebürtige Villacher im Dress der Vienna Capitals zu Boden. Nach einigen Sekunden auf dem Eis erhebt er sich und nimmt die Handschuhe vom Gesicht.

Eine Blutfontäne färbt das Eis rot, Pinter scheint schwer verletzt zu sein. Sichtlich geschockt nimmt er den Helm ab und lässt sich behandeln.

Seit diesem Zwischenfall sind gut zwei Wochen vergangen und der 27-Jährige hat seitdem kein Spiel mehr bestritten. Eine schwere Augenprellung und ein tiefes Cut haben die Rückkehr auf das Eis bisher unmöglich gemacht.

„Wenn ich aber die Bilder wieder sehe, wie mich der Stock im Auge trifft, bin ich einfach nur froh, dass ich mein Augenlicht noch habe und keine bleibenden Schäden davontrage“, steht für den Wiener Stürmer die Gesundheit im Vordergrund.

LAOLA1 hat sich mit dem Unglücksraben über die Schrecksekunden unterhalten, mit ihm über ein mögliches Comeback gesprochen und ihn gefragt, ob er seinem Kontrahenten Hundertpfund einen Vorwurf macht.

LAOLA1: Du hast dir im Spiel gegen Klagenfurt eine schwere Augenverletzung zugezogen. Was ist genau passiert?

Philipp Pinter: Ich habe beim Bully die Schlägerschaufel des gegnerischen Mittelstürmers direkt ins Auge bekommen. Dadurch habe ich mir ein Cut am Augenlied zugezogen und hatte extremes Glück, da bereits einige Spieler durch einen hohen Stock die Sicht oder sogar das Auge verloren haben. Die erste Sorge war, ob meine Sehkraft beeinträchtigt oder die Netzhaut ernsthaft beschädigt sein könnte.

LAOLA1: Hast du befürchtet, bleibende Schäden davonzutragen?

Pinter: Ich war zu Beginn vier Mal bei einer Augenspezialistin, weil es eine kritische Phase gibt, die sich über zwei bis drei Wochen erstreckt. In dieser Zeit können sich Probleme mit der Netzhaut herausstellen, was zum Glück nicht der Fall war. Nachdem die Schwellung zurückgegangen ist, habe ich wieder sehr gut gesehen. Mit Absprache der Augenärztin habe ich dann auch wieder zu trainieren begonnen.

LAOLA1:Du wolltest eigentlich bereits beim Red Bulls Salute auflaufen. Warum hat das nicht funktioniert?

Pinter: Das stimmt, ich fühlte mich bereits vor ein paar Tagen richtig gut und habe härter mittrainiert. Daraufhin wurde es aber wieder schlimmer und ich habe teilweise Blitze gesehen, wenn ich den Kopf schnell bewegt habe. Da wurde mir wieder klar, dass man bei Augenverletzungen nie zu euphorisch sein sollte, da es sich von Tag zu Tag wieder ändern kann. Diese Beeinträchtigung hat mich beunruhigt, worauf ich sofort meine Ärztin kontaktiert habe. Allerdings gab sie erneut Entwarnung und erklärte sich die Symptome durch den Grad der Verletzung. Ich hatte mir eine schwere Augenprellung zugezogen, die einfach Zeit braucht, um zu heilen.

LAOLA1: Wie sehr beeinträchtigt dich diese Verletzung noch?

Pinter: Dem Auge geht es dementsprechend gut. Samstag fühlte ich mich recht wohl und hatte auch wieder eine Trainingseinheit. Sonntags habe ich mir freigenommen, um mich für Montag zu schonen, wo ich erstmals wieder voll mittrainiert habe. Bisher ist es in Ordnung. Sollte ich im Abschlusstraining am Dienstag beschwerdefrei sein und keine Schwindelgefühle haben, bin ich einsatzbereit.

LAOLA1: Deine Kollegen haben bei der European Trophy gegen die Eisbären überrascht. Wie sehr hat es dich gewurmt, bei so einem Event zusehen zu müssen?

Pinter: Nicht nur das Fehlen in der European Trophy hat mich genervt, auch in der Liga hatten wir mit den Spielen gegen Linz, Villach und Salzburg richtig Kracher, die ich verpasst habe. Die Spiele beim Red Bulls Salute waren natürlich nochmals interessanter und besseres Hockey, da tut es schon weh, zusehen zu müssen. Wenn ich aber die Bilder wieder sehe, wie mich der Stock im Auge trifft, bin ich einfach nur froh, dass ich mein Augenlicht noch habe und keine bleibenden Schäden davontrage. Ich werde in absehbarer Zeit zurückkehren, daher ist es leichter zu verkraften, mal zuzusehen.

Das Spiel gegen den KAC stand unter keinem guten Stern

LAOLA1: Machst du Gegenspieler Hundertpfund einen Vorwurf?

Pinter: Nein, überhaupt nicht. Ich weiß zwar nicht genau, was er da beim Bully machen wollte und er ist auch kein Mittelstürmer, aber es geht oft so schnell. Wenn man den Schläger heben will und es keinen Widerstand gibt, fährt die Schaufel eben ins Gesicht. Man darf nicht vergessen, dass ich ein Plexiglas-Visier trage und da sind zwei Zentimeter Platz. Dass die Schaufel genau da durchfährt und mich im Auge trifft, ist einfach Pech. Der Spieler kann da gar nichts dafür.

LAOLA1: Wie zufrieden bist du mit dem Auftritt der Capitals beim Red Bulls Salute?

Pinter: Es war schön zu sehen, wie die Burschen gekämpft haben und die Leistung war wirklich ansprechend. Man darf nicht vergessen, dass der Kader doch eher klein war, aufgrund der Verletzungen.

LAOLA1: Inwiefern war dies eine Kostprobe dafür, was die Caps noch im Stande sind zu leisten, wenn es dann in die wichtige Phase der Meisterschaft geht?

Pinter: Wir haben bereits in der Liga zeitweise sehr gutes Eishockey gespielt, haben dann aber auch ein bisschen nachgelassen. Da wurde dann von den Medien gleich Druck gemacht, unsere Offensive würde nicht mehr funktionieren. Man darf aber nicht vergessen, wie wenig Gegentore wir bekommen und wie wenige Torchancen wir zulassen. Unser Plus ist unsere bombensichere Abwehr und unser unglaublich starkes Torhüter-Duo.  Mannschaftsintern haben wir uns nie Sorgen gemacht, dass wir zu wenig Tore schießen, denn wir bekommen im Schnitt auch nur eineinhalb Treffer pro Partie. Die defensive Leistung ist im Hinblick auf die Postseason das Wichtigste.

LAOLA1: Was unterscheidet die Mannschaft in diesem Jahr von der Truppe aus dem letzten Jahr, wo es nicht so richtig klappen wollte?

Pinter: Im letzten Jahr hatten wir mit Sicherheit gute Einzelspieler, aber heuer treten wir mehr als Team auf. Unsere Einkäufe haben sich als große Verstärkungen herausgestellt. Jamie Fraser und Adrian Veideman sind zwei Top-Legionäre in der Defensive, die sehr viel Offensiv-Power haben. Mit Sven Klimbacher und Philippe Lakos haben wir die zwei besten Defensiv-Verteidiger der Liga in unseren Reihen und im Sturm haben wir mehr Klasse bekommen. Unsere Österreicher, wie Markus Schlacher oder Michael Schiechl, können jede Position spielen, das ist ein großes Plus. Die Torhüter sind ohnehin überragend und halten uns immer im Spiel. Intern haben wir eine super Stimmung, einen guten Kern von Leadern, super Charaktere, aber auch den nötigen Spaß. Das war aber nur der Anfang, wir werden von Woche zu Woche noch stärker werden.

LAOLA1: Du sprichst die Neuzugänge an. Der Lockout hat einige NHL-Spieler nach Österreich gebracht. Wie siehst du diese Entwicklung?

Pinter: Wenn man den richtigen Spieler holt, kann dieser dem Team sicher helfen. Man muss aber darauf achten, dass keine Unruhe in der Mannschaft entsteht, weil man eventuell funktionierende Linien zerreißt. Für die Liga ist es gut, wenn man solche Akteure hierzulande beschäftigt. Viele Vereine und Fans haben sich wohl zu viel erwartet und vergessen, dass sehr viele Rollenspieler aus der NHL in die EBEL gekommen sind.  Sprich Stürmer haben in Nordamerika teilweise nur Defensiv-Aufgaben und in Österreich erwartet man, das sie zu Topscorern werden. Bei uns war Corey Potter für die Dauer der Verletzungen zu Gast und ich bin froh, über die Erfahrung ihn kennenglernt und mit ihm gespielt zu haben. Von der Tatsache, dass wöchentlich neue Spieler geholt wurden, weil die Fristverlängerung das möglich machte, halte ich persönlich nicht viel.

LAOLA1: Einige Teams haben während der letzten Wochen noch ordentlich zugeschlagen.

Pinter:  Was andere Teams machen, so wie Salzburg, die den 26. oder 27. Ausländer geholt haben, interessiert mich eigentlich nicht. Das ist ihre Einkaufspolitik. Ob es richtig oder falsch ist, wenn man in einem halben Jahr zwei Mannschaften hat, ist eine Frage, die ich einfach mal so in den Raum stelle.

Sebastian Rauch

TV-Tipp: LAOLA1 zeigt die Partie Black Wings gegen 99ers am Freitag ab 19:15 Uhr im LIVE-Stream!!!

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