"Dafür reißt man sich im Sommer den A*** auf"

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Vor knapp eineinhalb Jahren hatte Alexander Kutzer als Manager des Dornbirner Eishockey Clubs keinen einzigen Spieler unter Vertrag. Im Spätfrühling 2012 beschlossen die Vorarlberger in der Erste Bank Eishockey Liga eine Mannschaft zu stellen und begannen daraufhin mit der Suche nach geeigneten Charakteren für die „Bulldogs“.

Im Februar 2014, nicht einmal zwei Jahre später, klopfen die Dornbirner lautstark an die Pforten der Playoffs und haben es selbst in der Hand,  sich erstmals in der Vereinsgeschichte für die Postseason der stärksten österreichischen Liga zu qualifizieren. Noch zwei Spiele trennen die „Ländle-Truppe“ von der Erfüllung des Traums. Die erste Hürde gilt es bereits am Freitag zu nehmen.

Dann treffen die Vorarlberger im Westderby in Innsbruck auf die „Haie“ (LAOLA1 überträgt das Spiel ab 19:25 Uhr LIVE), die zur selben Zeit wie die „Bulldogs“ den Weg in der EBEL antraten, als Tabellenletzter von den Playoffs aber meilenweit entfernt sind.

Im LAOLA1-Interview spricht Kutzer über den Druck der auf der Mannschaft liegt, den Konkurrenten aus Innsbruck, den eigentlichen Fünf-Jahresplan und die Unterschiede zur Premierensaison.

LAOLA1: Sollten der KAC in Ljubljana und Graz bei Fehervar verlieren, würde ein Sieg in Innsbruck die Qualifikation für die Playoffs bedeuten. Ist das das wichtigste Spiel in der Vereinsgeschichte?

Alexander Kutzer: Nein, wir waren bereits vor der Olympia-Pause im Doppel gegen den KAC unter Druck und das hat sich nicht geändert. Die letzten sechs Spiele sind alles wichtige Spiele. Es zählt jeder Punkt und das zeigt die Ausgeglichenheit der Liga. Wenn das nicht Spannung pur ist, was sich in der EBEL abspielt, dann weiß ich auch nicht mehr.

LAOLA1: Wie groß ist der Druck, der auf den Spielern lastet, wenn man so knapp vor dem großen Coup steht?

Kutzer: Das muss man wahrscheinlich die Spieler fragen. Fakt ist, dass sich ihnen eine Chance bietet, die wahrscheinlich so schnell nicht wiederkommt. Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich Druck ist oder nicht sogar das, wofür sich ein Spieler den ganzen Sommer den Arsch aufreißt. Die Situation, in welcher wir uns jetzt befinden, ist der Grund, warum man sich im Sommer schindet und im Kraftraum Extraschichten einschiebt. Das ist ein Spagat zwischen Druck und großer Vorfreude. Sie können sich selbst dafür belohnen, was sie die Saison über geleistet haben.

LAOLA1: Gibt es einen Bonus für die Spieler, sollte die Postseason erreicht werden?

Kutzer: Wir haben nichts, was nicht auch andere Teams hätten. Jeder Spieler hat gewisse Bonifikationen beim Erreichen der Ziele, das ist ganz normal. Aber bei Sportlern wie unseren ist das nicht die Triebfeder. Der ausschlaggebende Punkt, warum diese Jungs ihre Leistung bringen, ist, dass sie etwas erreichen und gewinnen wollen. Da geht es um den Ehrgeiz des Sportlers, seine Ziele zu erreichen.

LAOLA1: Solltet ihr tatsächlich in die Playoffs einziehen, wie weit wäre das dann eurem Fünf-Jahresplan, von dem ihr immer sprecht, vorgegriffen?

Kutzer: Da sind wir unserer Zeit dann wohl um dreieinhalb Jahre voraus, aber das ändert nichts an unserer anfänglichen Zielsetzung. In diesem Plan geht es um die Strukturen und die Basis für Dornbirn und den Verein und das ist noch lange nicht abgeschlossen. Wir sind ein Verein, der in den letzten Jahren den Aufstieg von einem Hobbybetrieb zu einem Profiklub vollzogen hat. Wir hinken einigen Topvereinen in Sachen Strukturen noch hinterher, denn wir haben die Erfahrungen, über Jahrzehnte in der höchsten österreichischen Liga zu spielen, einfach nicht. Außerdem haben wir den Fünf-Jahresplan nie an ein sportliches Ziel gekoppelt.

LAOLA1: Wenn du die Entwicklung abseits des Eises betrachtest, ist der Dornbirner EC dem Plan zufolge im Soll?

Kutzer: Absolut, vielleicht auch ein bisschen voraus. Man muss die anderen Teams fragen, was ihnen geboten wird, wenn sie nach Dornbirn kommen. Ich denke, da wird man von allen hören, dass sich das Umfeld in diesen nicht einmal zwei Jahren sehr positiv entwickelt hat.

LAOLA1: Euer nächster Gegner ist Innsbruck, die ja zeitgleich mit euch den Schritt von der Nationalliga in die EBEL gewagt haben. Im Gegensatz zu euch haben sie aber auch im zweiten Jahr nichts mit dem Kampf um die Playoffs zu tun. Hat man bei den „Haien“ im Gegensatz zu euch etwas falsch gemacht?

Kutzer: Da tut man Innsbruck unrecht. Die „Haie“ verfolgen einen anderen Plan. Sie wollen mit so vielen Tirolern wie möglich Eishockey spielen. Ich habe nie gehört, dass ihr Hauptziel das Erreichen der Playoffs ist oder war. Genauso wenig wie bei uns im Übrigen. Sie sind dran, das System, welches sie sich auferlegt haben, weiterzuentwickeln, damit es langfristig funktioniert. Dass kurzfristig der sportliche Erfolg fehlt, ändert nichts daran, dass sich die Verantwortlichen beim Einschlagen des aktuellen Weges etwas gedacht haben. Man darf Innsbruck nicht an der derzeitigen sportlichen Leistung messen. Man kann doch noch gar nicht abschätzen, wie sehr ihr System bereits Früchte trägt. Vielleicht sind sie in fünf Jahren die wahren Gewinner. Ich würde mir nie erlauben, ihren Plan zu verurteilen. Man darf nicht immer nur den sportlichen Erfolg als Maßstab nehmen. Es gibt genügend Beispiele für Vereine, die nach dem sportlichen Erfolg zusperren mussten. Das kann nicht das Ziel sein. Und so groß ist der Unterschied zwischen dem Viertplatzieren und dem Zwölften nicht.

LAOLA1: Wie hat sich Der DEC sportlich entwickelt? Ist ein deutlicher Unterschied in der Qualität zu letztem Jahr erkennbar?

Kutzer: In der Vorsaison hatten wir sechs Wochen Zeit, um eine Mannschaft zusammenzustellen. In diesem Jahr haben wir es bewusst nach den Vorgaben des Trainers zusammengestellt. Ich denke, unser Team hat einen großen Schritt nach vorne gemacht, aber zur gleichen Zeit ist auch die Liga besser geworden. Die Qualität ist sicher gestiegen, denn trotz der Steigerung unserer Qualität sind wir ungefähr da, wo wir auch letztes Jahr waren. Unser Saisonziel war es näher an die Top Acht heranzurücken und für die eine oder andere Überraschung zu sorgen. Das haben wir geschafft und jetzt ist es an den Spielern, sich für die gute Saison selbst zu belohnen.

Das Interview führte Sebastian Rauch

TV-Tipp: LAOLA1 zeigt am Freitag ab 19:25 Uhr den Kampf um die Playoffs zwischen dem HC Innsbruck und dem Dornbirner Eishockey Club LIVE!!!

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