Raphael Herburger gelingt ein Traum-Comeback

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142 Tage - So lange dauerte die Leidenszeit von Raphael Herburger.

Am 12. Oktober 2012 zog sich der Vorarlberger in Diensten des KAC im Spiel gegen den Dornbirner Eishockey Club eine schwere Schulterverletzung zu und musste sich einer Operation unterziehen.

Traum-Comeback gegen Graz

„Anfangs dachte ich nicht, dass ich in dieser Saison noch einmal spielen werde“, gibt der Nationalspieler gegenüber LAOLA1 offen zu.

Wie so oft im Leben, kam aber alles anders. Der Heilungsprozess verlief sehr gut und weil Jamie Lundmark und Kevin Doell im vierten Viertelfinal-Spiel gegen die Graz99ers kurzfristig passen mussten, kam Herburger zum Einsatz.

Doch damit nicht genug, der ÖEHV-Crack feierte einen Einstand nach Maß und erzielte sogar das zwischenzeitliche 2:0.

LAOLA1 sprach mit dem Stürmer über das gelungene Comeback, die Angst vor einer neuerlichen Verletzung und die Playoff-Serie gegen die Graz99ers.

LAOLA1: Wie war das Gefühl, nach so langer Zeit wieder ein Teil der Mannschaft zu sein?

Raphael Herburger: Es ist natürlich erlösend, wenn man nach fünf Monaten Verletzungspause wieder auf dem Eis steht und dem Team in so einer wichtigen Phase wie den Playoffs helfen kann. Der Trainer hat mir gesagt, dass ich locker spielen und keine Angst haben soll. So war es im Großen und Ganzen ein positives Comeback für mich persönlich. Das Wichtigste ist aber, dass wir gewonnen haben.

LAOLA1: Wann hast du erfahren, dass du spielen wirst?

Herburger: Es war eigentlich geplant, dass ich frühestens am Dienstag in Spiel fünf auflaufen werde. Wegen der Verletzungen der anderen habe ich gesagt, dass ich bereit bin. Die Trainer haben es sich dann überlegt und mich nach Absprache mit dem Teamarzt schlussendlich aufgestellt.

LAOLA1: Was ist dir durch den Kopf gegangen, als du das Tor erzielt hast?

Herburger: Wenn man meinen Torjubel gesehen hat, war einem sicher sofort klar, dass es eine riesige Erleichterung war. Ich habe ja in den ersten zehn Saisonspielen vor meiner Verletzung kein Tor geschossen. Mein Vorsatz war immer, stärker zurückzukommen, als ich davor war und dafür habe ich auch hart trainiert. Man kann gar nicht beschreiben, was das für ein super Gefühl war.

LAOLA1: Hast du im Herbst überhaupt damit gerechnet, in dieser Saison noch einmal ein Spiel zu bestreiten?

Herburger: Anfangs ehrlich gesagt nicht. Die ersten zwei, drei Monate waren schon hart. Vor allem wieder in einen Rhythmus hineinzufinden, war schwer. Als ich aber im Jänner wieder mit dem Training begonnen habe, hatte ich natürlich immer das Ziel, in dieser Saison noch einmal für den KAC zu spielen. Mein Arzt war eigentlich eher dagegen und wollte nichts riskieren. Im Nachhinein kann man sagen, dass es die richtige Entscheidung war. Die Schulter hält und jeder würde in dieser Phase der Saison spielen wollen, um dem Team zu helfen.

Herburger schonte weder sich noch Gegner

LAOLA1: Bist du durch die Verletzung etwas gehemmt, oder spielst du so, als wäre nichts gewesen?

Herburger: Ich habe heute mit Dieter Kalt (Co-Trainer, Anm.) geredet und er hat gesagt, es kommt ihm vor, dass ich härter gespielt habe als zuvor. Das war auch mein Ziel, denn wenn man einen Schutzmechanismus im Kopf hat, dann verletzt man sich. Darum habe ich versucht, voll in die Zweikämpfe reinzugehen. Wenn man den Check nicht nimmt, ist die Verletzungsgefahr viel höher.

LAOLA1: Du hast durch deine Verletzung auch das Olympia-Qualifikationsturnier verpasst. Überwiegt der Frust oder freut man sich für die Mannschaft.

Herburger: Ich habe mich sehr für Österreich und die Jungs gefreut. Was sie geschafft haben, ist einzigartig. Es freut mich für jeden einzelnen Spieler. Ich kenne ja fast jeden der Cracks persönlich. Natürlich haben sie sich das verdient. Für mich persönlich ist es natürlich schade. Niemand weiß, was die Zukunft bringt. Wenn die Möglichkeit besteht, in Sotschi dabei zu sein, werde ich natürlich bereit sein. Falls der Trainer jedoch entscheidet, diejenigen mitzunehmen, die sich qualifiziert haben, dann haben die es sich auch verdient.

LAOLA1: Ihr könnt die Serie gegen Graz entscheiden, noch dazu zu Hause. Kann man da lockerer in das fünfte Spiel gehen, oder ist der Druck so groß wie immer?

Herburger: Das Spiel locker anzugehen, wäre der größte Fehler überhaupt. Unser Ziel ist es, von der ersten Minute an Vollgas zu geben. Die Grazer können nicht mehr viel verlieren und werden alles riskieren. Wir müssen uns dagegenstemmen, unser Spiel aufziehen, uns nicht provozieren lassen und nur auf uns selbst schauen. Jetzt ist die falsche Phase, um locker zu sein.

LAOLA1: Durch die Regelung mit den Playoff-Picks ist noch nicht klar, gegen wen ihr im Falle eines Aufstiegs spielen würdet. Wer wäre dein Lieblingsgegner und warum?

Herburger: Da will ich mich nicht entscheiden. Alle Teams, die es bis ins Halbfinale schaffen, sind stark. Ich kann es mir eh nicht aussuchen. Wir konzentrieren uns sowieso immer nur aufs nächste Spiel und wollen erst den Halbfinal-Einzug fixieren.

LAOLA1: Wie schauen deine Zukunftspläne aus? Es kursieren Gerüchte, dass Biel Interesse an dir hat. Kannst du zum dem Thema etwas sagen?

Herburger: Es wurde von diversen Medien schon spekuliert, dass ein Wechsel fix wäre, aber dem ist nicht so. Ich konzentriere mich voll auf den KAC. Ich werde mich zu meiner persönlichen Zukunft am Ende der Saison offiziell äußern.

 

Das Gespräch führte Fabian Santner

LAOLA1:Wie geht es der Schulter? Hast du noch Schmerzen?

Herburger: Nach einer Operation spürt man immer etwas. Auch nach fünf Monaten, vor allem, wenn man Checks macht. Der Arzt hat mir von vornherein klar gemacht, dass ich nicht davon ausgehen soll, schmerzfrei spielen zu können. Die Schmerzen sind aber nicht groß, es ist mehr ein Zwicken und solange die Schulter hält, geht das gut.

LAOLA1: Wie ist es allgemein mit der Mannschaft auf dem Eis, mit dem Timing, den Automatismen? Bist du da schon bei 100 Prozent?

Herburger: Natürlich ist da noch Luft nach oben. Das Timing bzw. ein Spiel kann man nie simulieren, das ist immer etwas Eigenes. Je mehr Spielpraxis ich bekomme, umso besser werde ich. Es ist ganz klar, dass ich nach fünf Monaten Pause noch nicht so gut bin wie zuvor. Das geht einfach nicht. Das wissen aber alle und ich gebe mein Bestes und helfe dem Team so gut, wie es möglich ist.

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