"Seitz war in der NHL Linienrichter und nicht mehr"

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Rückblick: Der Grunddurchgang ist vorüber und überraschend belegen die Graz99ers den dritten Tabellenplatz. Die Murstädter qualifizieren sich somit nicht nur souverän für die Platzierungsrunde, sondern auch für die Playoffs.

In diversen Fanforen wird zeitweise der Fluch des Playoff-Erstrunden-Ausscheidens gar nicht mehr diskutiert, im Gegenteil, es wird schon spekuliert, wer der mögliche Finalgegner der Steirer sein könnte. Doch mit Beginn der Zwischenrunde, werden die 99ers samt Fans schmerzlich aus den Träumen gerissen. Von zehn Spielen können nur drei gewonnen werden.

Im Viertelfinale werden die Grazer vom KAC gezogen und verlieren die Best-of-Seven-Serie bereits im fünften Spiel. Zurück in der Gegenwart stehen die Steirer nach vielversprechendem Beginn mit leeren Händen da.

99ers-Präsident Jochen Pildner-Steinburg lässt daraufhin im LAOLA1-Interview seinem Frust freiem Lauf und rechnet nicht nur mit der Konkurrenz ab, sondern verpasst der Liga und deren Verantwortlichen einen gnadenlosen Open-Ice-Hit.

LAOLA1: Herr Präsident, die Graz99ers sind nach einem guten Grunddurchgang mit dem dritten Tabellenplatz doch relativ rasch im Viertelfinale ausgeschieden. Wieso?

Jochen Pildner-Steinburg: Die Saison war sehr gut. Es gab viele Experten, die uns nicht so weit vorne gesehen hätten. Aber der dritte Platz hat einfach bewiesen, was wir von den sogenannten Experten halten können. Wir haben Mannschaften mit einem viel höheren Budget hinter uns gelassen. Das Ausscheiden führe ich aber auf das Nichteinhalten von Abmachungen unter den Vereinen zurück. Denn diversen Spielern wurde während der Saison mit lukrativen Verträgen der Kopf verdreht. Zum Teil haben sie in den Playoffs dann nicht mehr das gezeigt, was sie können.  

LAOLA1: Konkretisieren Sie bitte, was Sie mit der Aussage, „die Vereine halten sich nicht an Abmachungen“ meinen?

Pildner-Steinburg: Die EBEL-Klubs haben untereinander ein „Gentlemen-Agreement“, dass während einer Saison keine Spieler von der Konkurrenz abgeworben werden dürfen. So kann sich jeder Verein im Sinne des Sports auf die Playoffs konzentrieren. Doch manchen Klubs ist dies egal und sie verhandeln mit Profis schon seit geraumer Zeit.

Das IceFever bekommt auch sein Fett ab

LAOLA1: Sie kritisierten in einem „Kleine Zeitung“-Interview Medvescak Zagreb wegen den Freiluftspielen. Wie ist das zu verstehen?

Pildner-Steinburg: Ich kritisiere nicht die „Bären“, sondern die Liga! Die Freiluftspiele sind sensationell und haben einen großen Werbewert für die EBEL. Aber dass der Spielplan willkürlich wegen solcher Veranstaltungen geändert wird, ist wettsbewerbsverzerrend. Ich kenne keine Profi-Liga auf dieser Welt, in der ein Spielplan dermaßen gedreht wird. Immerhin hatten die Kroaten sechs Heimspiele in Folge. Wo passiert so etwas? Ich sage: Nur in der EBEL!

LAOLA1: Sie haben mit Herbert Jerich Jr. einen finanzstarken Sponsor an Land gezogen. Er sprach davon, dass die 99ers in den nächsten drei Jahren den Titel holen sollen. Ambitionierte Ziele, vor allem wenn bedenkt wird, dass es finanzkräftigere Klubs wie die Vienna Capitals, den KAC oder RB Salzburg gibt. Wie ist dieses Ziel umzusetzen?

Pildner-Steinburg: Diese Worte werden ihm wohl in den Mund gelegt worden sein. Als Präsident und Verantwortlicher der Graz99ers weiß ich, was ein Klub für einen Titel machen muss. Und auf finanzielle Risiken lassen wir uns nicht ein. Daher würde ich dieser Aussage nicht so viel Gewicht schenken.

LAOLA1: Mit Trainer Mario Richer wurde bereits verlängert. Genießt er Ihr vollstes Vertrauen um für kommende Saison eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen?

Pilder-Steinburg: Das komplette Trainerteam wird auch nächste Saison in Graz arbeiten. Ich vertraue unserem Coach, dass er eine gute Mannschaft findet.

LAOLA1: Nervt es Sie, dass Sie vor jeder Playoff-Serie auf den Fluch des Nicht-Aufsteigens angesprochen werden?

Pilder-Steinburg: Soll ich Ihnen sagen, was mich wirklich nervt?

LAOLA1: Bitte…

Pilder-Steinburg: Mich nervt es, dass es kein Konzept gibt und sich keiner an Abmachungen hält. Ich bin genervt, dass immer alte Geschichten aufgewärmt werden.

LAOLA1: Was meinen Sie mit „es gibt kein Konzept“? Sprechen Sie da die EBEL oder den ÖEHV an?

Pilder-Steinburg: Wir haben in der Liga keinen Unterbau. Es wurde zwar die Erste Bank Young Stars League (EBYSL) gegründet, aber sonst? Wo ist die Lösung für das österreichische Eishockey? Das derzeitige Konzept beschränkt sich auf Notoperationen, denn wir holen ausländische Vereine in die Liga und machen diese dadurch besser. Gleichzeitig kommen wir aber nicht weiter. Das soll ein Konzept sein?

LAOLA1: Die 99ers wurden in dieser Saison des Öfteren durch den EBEL-Strafsenat abgestraft – ich erinnere an eine Richer-Sperre oder auch an eine Geldsperre wegen einer defekten Tor-Kamera. Es wirkt, als wären die 99ers ein Lieblingskind des Strafsenats?

Pilder-Steinburg: Ein Lieblingskind sind wir nicht, aber wir nehmen uns kein Blatt vor dem Mund. Über die Probleme weiß jeder in der Liga Bescheid, aber während die anderen kuschen, sprechen wir es an und werden dann bestraft. Ich will jetzt nicht sagen, dass die Benachteiligung durchgehend ist, aber teilweise ist sie vorhanden. Oder wie kann man es sich sonst erklären, dass ein gehasster Schiedsrichter, und gehasst sage ich bewusst, denn die anderen Klubs hassen ihn auch, uns in den Playoffs pfeifen darf? Es gibt Personen, die sind zu schlecht für die höchste Eishockeyliga!

"Lyle Seitz war ja nur Linienrichter"

LAOLA1: Was halten Sie von den Lösungsvorschlägen der Liga, zum Beispiel mit NHL-Schiedsrichter Lyle Seitz?

Pilder-Steinburg: Lyle Seitz spielt einen „Hero“ und einen Exekutor, wobei ihm diese Allmacht nie vonseiten der Klubs genehmigt wurde. Ich habe einen Fragenkatalog an die Liga geschickt, der mir bis heute noch nicht beantwortet worden ist. Eine Frage davon lautet: Was hat Seitz für eine Referenz? Denn er war in der NHL Linienrichter und nicht mehr!

LAOLA1: Rückblickend, was war ihr persönliches Saisonhighlight?

Pilder-Steinburg: Eindeutig das vorübergehende Engagement von Thomas Vanek. Die Halle war immer ausverkauft und man spürte regelrecht den Eishockeyboom in Graz und in der gesamten Steiermark.

LAOLA1: Und die größte Enttäuschung?

Pilder-Steinburg: Die Verantwortlichen der Liga. Die Vereine betreiben zum Teil unglaublich gute Arbeit, aber die Führung ist schwach. Es wurde ein System etabliert, welches einfach nicht funktioniert. Für die Zukunft erhoffe ich, mir funktionierende Konzepte.

LAOLA1: Zum Abschluss, wie sieht es mit der neuen Halle in Graz aus. Kommt eine oder wird der Bunker renoviert?

Pilder-Steinburg: 2017 sind die Special Olympics in Graz und Schladming. Wir werden aber in die Gespräche nicht involviert. Fakt ist auf jeden Fall, die Liebenauer Halle muss entweder renoviert werden oder es gehört ein Neubau her. Denn überspitzt formuliert: Wir wissen derzeit nicht einmal, ob wir nächste Saison im „Bunker“ noch spielen können.

Das Interview führte Alexander Planasch

TV-Tipp: LAOLA1 zeigt das Spiel 6 der Viertelfinal-Serie zwischen RB Salzburg und Medvescak Zagreb am Freitag ab 19:15 Uhr LIVE!

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