"Könnte schöne Saison werden"

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Freimüller: "Ich bin ein Eishockey-Romantiker"

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Die Vienna Capitals rüsten auf.

Doch nicht nur auf dem Spieler-Sektor hat sich in der Off-Season einiges getan. So haben die Wiener mit Bernd Freimüller den ersten hauptberuflichen Scout verpflichtet.

Er soll Katastrophen-Einkäufe wie jenen von Pat Kavanagh im letzten Jahr verhindern.

Der 44-Jährige war als einziger österreichischer Scout in der NHL für die Atlanta Thrashers als Fulltime-Europa-Scout tätig. Nach deren Umsiedlung nach Winnipeg wurden seine Dienste nicht mehr gebraucht, worauf er nun bei den Capitals anheuerte.

Gemeinsam mit Trainer Tommy Samuelsson bastelte er an einem Kader für die kommende Saison. Die Ausbeute: Zwölf Neuzugänge.

Bei LAOLA1 gibt Freimüller einen Einblick in seinen Arbeitsalltag. Außerdem verrät er, auf welche Tugenden er bei einem Spieler wert legt und warum die Caps kein Wörtchen beim Transfer von Konstantin Komarek mitreden durften.

LAOLA1: Bernd, wie sieht dein Aufgabengebiet bei den Vienna Capitals aus?

Bernd Freimüller: Die Bezeichnung ist Scout und Berater. Als Scout habe ich lange genug gearbeitet und aus diesem Grund haben mich die Caps ins Boot geholt.

LAOLA1: Offiziell gibt es in Wien keinen sportlichen Leiter mehr. Wirst du nun diese Agenden übernehmen?

Freimüller: Im Prinzip ist Tommy Samuelsson der Mann an der Spitze. Wir tauschen uns dauernd über den Spielermarkt aus, analysieren Cracks die uns angeboten werden und ich bringe den Input über Spieler, die noch nicht auf dem Markt sind. Ich verhandle die Verträge nicht aus, das macht Franz Kalla.

LAOLA1: Die Capitals haben sehr viele Spieler aus der EBEL geholt (Der Überblick). Wie wichtig war es den Verantwortlichen, Spieler mit Liga-Erfahrung zu verpflichten, nachdem man im letzten Jahr bei den Neuzugängen etwas daneben gegriffen hatte?

Freimüller: Bei Österreichern liegt es auf der Hand, denn woher sollen wir sie nehmen, wenn nicht aus unserer Liga. Ich hab von Anfang an Druck gemacht, dass wir Verteidiger brauchen und dieser Markt ist sehr problematisch. Da hat es sich angeboten, dass wir auf Spieler zurückgreifen, die wir kennen und uns zu einem vernünftigen Preis angeboten wurden. Eine wichtige Komponente ist, dass Dan Björnlie geblieben ist und mit Jamie Fraser, Sven Klimbacher und Adrian Veideman konnten wir sehr starke Verteidiger verpflichten. Ich sehe das auch in anderen Ländern, gute Verteidiger sind Mangelware.

LAOLA1: Einige Spieler wurden von den Graz99ers abgeworben, die im letzten Jahr das Playoff verpasst haben. Was erwartet man sich von diesen Cracks?

Freimüller: Bis auf Klimbacher sind es durch die Bank noch jüngere Spieler. Die Tatsache, dass sie alle aus Graz zu uns gestoßen sind, ist reiner Zufall. Alle haben sehr gutes Entwicklungspotential und ich kenne zum Beispiel Daniel Woger schon seit einiger Zeit. Es war für uns aufgelegt, diese Spieler zu holen, denn der heimische Markt ist überschaubar.

LAOLA1: Es gibt in Österreich kaum hauptberufliche Scouts. Kannst du zusammenfassen, wie ein Tag in deinem Leben aussieht und woher du deine Informationen beziehst?

Freimüller: Der Großteil meiner Arbeit liegt darin, „Nein“ zu sagen, denn uns werden täglich hunderte von Spielern angeboten. Ich kenne nicht alle, aber sehr viele von ihnen und das macht es mir möglich, früh auszusortieren. Umgekehrt geht es darum, Spieler zu finden, die uns nicht angeboten wurden, uns aber weiterhelfen können. In der Off-Season verbringe ich somit sehr viel Zeit vor dem Computer bzw. am Telefon. Am Abend telefoniere ich meist nach Nordamerika. Während der Saison geht es darum, so viele Spiele und Spieler wie möglich zu sehen, damit wir die nötigen Informationen haben, sollte uns ein Spieler angeboten werden.

LAOLA1: Worauf legst du besonderen Wert?

Freimüller: Ich bin ein Eishockey-Romantiker. Am liebsten hätten wir nur schnelle, technisch beschlagene Spieler. Aber so kann man eine Mannschaft nicht zusammenzustellen. Es muss die Mischung stimmen, was uns bisher in meinen Augen sehr gut gelungen ist. Grundsätzlich sind wir in die Transferzeit gegangen und haben gesagt, wir wollen nicht unbedingt älter und langsamer werden. Das ist uns gelungen.

LAOLA1: Samuelsson ist der Chef. Wie weit gibt er dir vor, welche Spieler er für sein System braucht?

Freimüller: Tommy hat natürlich Vorstellungen über Spieler, die er kennt. Ebenso habe ich diese über Akteure, die mir bekannt sind. Bei Blatny war dies zum Beispiel so. Wir haben ihn damals bei Atlanta gedraftet, somit war er mir als Spieler und Persönlichkeit bereits bekannt. Auch Tommy kannte ihn aus früheren Engagements. Daher ging es schnell. Ansonsten stelle ich einige Recherchen an, ob ein Spieler für uns überhaupt in Frage kommt. Dann lege ich ihm eine Liste von Namen vor und darauf basierend, erstellen wir eine Hierarchie. Wenn wir einem Spieler ein Angebot machen, hole ich bereits Informationen zu Alternativen ein, damit wir bei einer möglichen Absage keine Zeit verlieren.

LAOLA1: Auch die anderen Teams basteln an ihren Kadern. Kann man dennoch aufgrund der Transfertätigkeiten die Konkurrenz für die kommende Saison einschätzen?

Freimüller: Das ist sehr schwer. Linz und KAC sind sicher nicht schwächer geworden. Salzburg hat einiges umgedreht und meiner Meinung nach gute Sachen gemacht. Das werden Spitzenmannschaften sein. Wir gehen davon aus, dass die Spieler, die wir geholt haben, besser sind als jene, die wir weggeschickt haben. Wir sollten in Defensive, Offensive und auf der Torhüter-Position gut aufgestellt sein, es könnte eine sehr schöne Saison für unsere Fans werden.

LAOLA1: Du sprichst Salzburg an. Die Bullen verpflichteten auch die Jungstars Konstantin Komarek und Patrick Obrist. Wären die jungen Österreicher auch etwas für euch gewesen?

Freimüller: Absolut. Wir waren mit den Spielern und deren Agenten in Kontakt. Sie sagten uns, sie wollen in Schweden respektive in der Schweiz bleiben. Dennoch haben wir klargestellt, dass wir bei einer möglichen Rückkehr nach Österreich großes Interesse hätten und unbedingt ein Angebot machen wollen. Beide haben daraufhin gemeint sie würden gerne nach Wien kommen und das nächste, was wir von ihnen gehört haben war, dass sie in Salzburg unterschrieben haben. Wir haben nie die Möglichkeit gehabt ein Angebot abzugeben. Warum das so ist, muss man die Agenten oder Spieler fragen.

LAOLA1: Ist man als Verantwortlicher eines Vereins daraufhin ein bisschen sauer?

Freimüller: Sauer nicht, aber ich verstehe die Vorgangsweise einfach nicht. Wenn ich ein Angebot von Salzburg habe, egal wie gut es auch ist, kann ich doch jederzeit nach Wien kommen und mich erkundigen, ob der Verein in den Poker einsteigen will. Es ist nie passiert und ich weiß nicht, ob das ein guter Weg ist für die Spieler?

LAOLA1: Ist es ein gängiger Weg?

Freimüller: Es kommt nie vor, denn ein Agent hat die Aufgabe aus vielen Angeboten, das beste herauszufiltern. In dem Fall war es nicht so.

Das Interview führte Sebastian Rauch

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