"Wünsche mir mehr Weitsicht"

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Die Regeländerungen als große Aufgabe

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Am vergangenen Wochenende ist die Erste Bank Eishockey Liga in die neue Saison gestartet und präsentiert sich auch heuer wieder in einem etwas veränderten Licht.

Die Verantwortlichen, allen voran Liga-Manager Christian Feichtinger, haben über den Sommer akribisch daran gearbeitet, das Produkt Eishockey in Österreich weiter voranzutreiben. Neben der Einführung der Champions Hockey League wartet auch die heimische Liga mit einigen Neuheiten auf.

Vor allem die Regeländerungen der IIHF bedeuten einen großen organisatorischen Aufwand und sorgen bei so manchem Funktionär für Kopfzerbrechen. Auch Feichtinger steht den Vorgaben des Weltverbandes kritisch gegenüber, wobei er mehr den Zeitpunkt der Veröffentlichung als die tatsächlichen Regeländerungen kritisiert.

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Was sich sonst noch getan hat und wie er der Tatsache gegenübersteht, dass drei Viertel der EBEL-Klubs neue Trainer haben, verrät er im Gespräch mit LAOLA1.

LAOLA1: Wie hoch war das Arbeitspensum über den Sommer und wo hat man deiner Meinung nach im Verglich zur Vorsaison Fortschritte gemacht?

Christian Feichtinger: Die Arbeit ist faktisch durchgegangen. Eine Pause gibt es mittlerweile über den Sommer nicht mehr, aber das ist schon seit mehreren Jahren so. Im Moment ist sicher das größte Projekt das neue Regelbuch der IIHF, das erst am 3. September herausgegeben wurde, umzusetzen. Davor gab es große Diskussionen und Unsicherheiten bezüglich des Regulativs. Es betrifft in unserem Fall nicht nur die Erste Bank Eishockey Liga sondern auch die beiden Nachwuchsligen. Zusätzlich kommt demnächst die neue Liga-Homepage. Eine richtige Multimedia-Plattform mit Audio- und Video-Service. Wir versuchen auch in diesem Bereich voranzugehen und eine neue Ära für die EBEL einzuläuten.

LAOLA1: Was hältst du persönlich von diesen neuen Regeln? Machen sie das Spiel attraktiver?

Feichtinger: Es wird zu wesentlichen Änderungen im Spiel kommen. Allein die Verlegung der blauen Linie um eineinhalb Meter ist ein gravierender Einschnitt. Dadurch ist die neutrale Zone viel kleiner. Man wird erst in den Spielen sehen, welche Auswirkungen es tatsächlich hat und wie es sich auf die Spielkultur auswirkt. Es wird sich zeigen, ob es gute oder schlechte Änderungen sind. Hybrid Icing ist ein wesentlicher Einschnitt, der auch für die Schiedsrichter eine große Herausforderung darstellt.

LAOLA1: Gab es spezielle Schulungen für die Unparteiischen?

Feichtinger: Wir haben aus der NHL einen Stanley-Cup-Linesman geholt, der mit unseren Linesmen versucht das Thema aufzubereiten. Wir mussten reagieren, weil die Regeländerungen so spät gekommen sind. Ich denke nicht, dass die Herren der IIHF wissen, was das für die Umsetzung in einem Profibetrieb bedeutet. Wir versuchen diese Vorgaben bestmöglich umzusetzen. Auch mit den Trainern und Kapitänen gab es Schulungen, damit sie vorbereitet sind und wir das halbwegs auf Schiene bringen.

Feichtinger möchte das Produkt EBEL voranbringen

LAOLA1: Sind diese Regeländerungen verpflichtend oder hätte man sich auch weigern können, diese in der EBEL umzusetzen?

Feichtinger: Natürlich hätten wir diese Vorgaben nicht umsetzen müssen, aber da muss man auch an das Premium-Produkt im Eishockey, das österreichische Nationalteam, denken. In Bezug auf die internationalen Auftritte bei der WM, wo nach dem Regelwerk der IIHF gespielt wird, muss man diesen Schritt mitgehen, ob es einem gefällt oder nicht. Ich sage nicht, dass diese Änderungen schlecht sind, aber wie erwähnt sind sie einfach sehr spät erst veröffentlicht worden und dadurch ist der Spielraum für die Umsetzung sehr beschränkt. Da wünsche ich mir für das nächste Mal eine Vorgehensweise mit mehr Weitblick.

LAOLA1: Bei der Eröffnungs-PK haben die meisten Vereinsvertreter gemeint, Konstanz sei sehr wichtig, um in der EBEL bestehen zu können. Nun haben aber acht von zwölf Vereinen neue Trainer. Wie kommt das?

Feichtinger: Die Erste Bank Eishockey Liga ist ein lebendiges Produkt und die Erwartungshaltungen und Ansprüche sind sehr hoch. Wenn diese nicht erfüllt werden, dann ist der Trainer die erste Personalie, die verändert wird. Auch weil sie am leichtesten verändert werden kann. Dies ist aber nicht nur im Eishockey so, sondern prinzipiell im Mannschaftssport so üblich. Das gehört einfach dazu und die Trainer wissen das. Das ist Teil ihres Jobs. Es ist eine neue Saison mit vielen neuen Trainern, neuem Spiel und somit neuen Überraschungen.

LAOLA1: Du als Verantwortlicher hast direkten Kontakt zu den Trainern. Ist es schwierig, immer wieder mit neuen Charakteren umgehen zu müssen und alte Konstanten, mit denen die Zusammenarbeit gut funktioniert hat, zu verlieren.

Feichtinger: Mittlerweile ist unsere Liga so ein professionelles Produkt, dass es genügend Parameter gibt, die konstant sind. Natürlich gibt es aber auch variable Parameter. Es tut mir persönlich oft für die Coaches Leid. Im Prinzip ist es aber eine Rotation, die in Europa jeden Tag passiert. Wenn man den Job wählt, kennt man das Risiko. Aber oft sieht man die Leute ja wieder und es ändern sich nur die Auftraggeber, nicht aber die persönlichen Beziehungen.

LAOLA1: Es gab in den letzten Jahren immer wieder Probleme mit Statistiken. Teilweise waren sie fehlerhaft oder einfach unvollständig und auf ein Minimum reduziert. Gibt es Pläne diese Mängel zu beheben?

Feichtinger: Wir sind mittendrin, diese Dinge besser zu machen. Wie schon erwähnt soll bald die neue Liga-Plattform gelauncht werden und dort ist die größte Herausforderung, die Statistiken richtig einzubinden. Wir haben mit den Kollegen des ÖEHV Kontakt aufgenommen und arbeiten nun seit einem halben Jahr daran, die Statistiken zu verbessern. Wenn man das Ganze mit Schweden und Finnland vergleicht, und wir können uns in manchen Dingen bereits mit den großen Ligen messen, haben wir in diesem Bereich sicher noch einigen Nachholbedarf. Man darf aber nicht vergessen, dass in diesen Ligen sechs Spotter an einer Spielstatistik arbeiten. Es bedarf nicht nur sechs Menschen, die das tun, sondern diese brauchen auch das Know-how. Sie müssen wissen, was sie tun. Die Schulungen für die Klubs wurden maximal intensiviert. Es ist ein langer Weg, aber es ist ein Fortschritt erkennbar.

Das Interview führte Sebastian Rauch

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