Patrick Harand: "Der Bunker ist eben ein Bunker!"

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Die Graz99ers stecken in der Krise. Ein Erfolg steht vier Niederlagen gegenüber. In Klagenfurt wurde der Tabellen-Vorletzte gar vorgeführt, eine 3:8-Abfuhr ist der Tiefpunkt einer noch jungen Saison.

Am Sonntag empfangen die Steirer Liga-Neuling HC Znojmo. Partien vor heimischer Kulisse waren in der Vergangenheit meist kein gutes Omen. Die Bilanz in der Eishalle Liebenau gleicht nämlich einer Katastrophe.

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Der Bunker, wie das denkmalgeschützte Gebäude für üblich genannt wird, schützte die 99ers zuletzt nicht vor Pleiten, Pech und Pannen. Bisher unterlag man den Vienna Capitals (2:4) und Fehervar (2:3). Das Manko der vergangenen Spielzeit  findet damit eine Fortsetzung, verließen die Grazer doch in 16 von 29 Begegnungen als Verlierer das Eis.

Warum es zu Hause nicht läuft, der „Bunker“ abrissreif ist und das Zuschauer-Interesse so dramatisch sinkt, erklärt der 27-jährige Angreifer Patrick Harand im LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Ihr hattet beim KAC am Freitag nicht den Funken einer Chance. Der bisherige Saison-Verlauf ist ernüchternd. Warum?

Patrick Harand: Es ist keineswegs nach Wunsch verlaufen. Klagenfurt hat eine stärkere Mannschaft als wir, aber das heißt nicht, dass man so untergehen muss. Wir konnten wenige Zweikämpfe gewinnen und standen zu weit weg vom Mann. Die Spiele davor waren relativ gut. In Ljubljana wurde nach zwei Dritteln unterbrochen. Wer weiß, wie die Partie endet, wenn dies nicht der Fall ist. Wir waren gegen Fehervar klar überlegen, nur die Chancenauswertung passte nicht.

LAOLA1: Bereitet euch die neue Offensiv-Philosophie von Trainer Mario Richer noch Probleme?

Harand: Das System haben wir bereits verinnerlicht. Er fordert ein körperbetontes Spiel, in welchem wir viel Druck auf den Gegner ausüben. Das ist ähnlich wie in Salzburg und auf die Fans ausgerichtet, sie können sich noch auf Offensiv-Schlachten gefasst machen. Derzeit fehlen gewisse Kleinigkeiten.

LAOLA1: Also die Grundidee wurde verstanden, nur die Feinheiten passen noch nicht.

Harand: Man hat es im Heimspiel gegen Fehervar gesehen. Sie hatten drei Schüsse im ersten Drittel und führten mit 2:0. Wir hatten neun hochkarätige Chancen, konnten aber kein einziges Tor schießen. Wir müssen zielstrebiger auf Rebounds gehen, nachstochern und in Zwei-gegen-Eins-Situationen häufiger schießen.

LAOLA1: Auffällig ist natürlich die Heimschwäche der Graz99ers, die bereits in der Vorsaison eklatant war. Wieso läuft es zu Hause überhaupt nicht?

Harand: Es liegt allgemein an der Verwertung der Möglichkeiten, das hat nichts mit Heim- oder Auswärts-Spiele zu tun. Wir spielen zu Hause nicht schlechter und ziehen unser attraktives Eishockey durch. Ich hoffe, die Fans kommen weiter in den Bunker. Vielleicht läuft es mit mehr Unterstützung besser.

LAOLA1: Unterstützung ist ein gutes Stichwort. In der Vergangenheit fiel jene oft wenig berauschend aus. Welche Gründe gibt es dafür?

Harand: Beim Eröffnungs-Spiel gegen die Capitals war ich vom Publikum begeistert. Wir haben zwar knapp verloren, aber uns nie aufgegeben. Die Anhänger haben das honoriert. Vergangenen Sonntag  war zuvor das Sturm-Heimspiel. Da ist es schwer, Leute in die Halle zu bekommen. Man müsste diese mit Angeboten locken, beispielsweise durch Gratis-Eintritt für die ersten tausend Zuschauer. Die Ermäßigungen an diesem Tag haben nicht viel geholfen. Aber das ist nicht mein Aufgabengebiet.

Harand und Neo-Coach Mario Richer, zuvor Assistent bei RB Salzburg

LAOLA1: Im Kader der Graz99ers stehen gleich neun Legionäre. Mangelt es den Fans möglicherweise an der Identifikation mit den Cracks?

Harand: Natürlich will das Publikum überwiegend Eigenbauspieler sehen, die in Graz aufwuchsen und sich den Platz in der Kampfmannschaft erkämpft haben. Trotzdem glaube ich, wenn der Erfolg da ist, wird es egal sein, ob Österreicher oder Ausländer auf dem Eis stehen. Man muss die Familien wieder zum Eishockey bringen. Es soll ein Event sein, wo man im Vorfeld, während und nach dem Spiel eine Gaudi haben kann und etwas geboten bekommt. Ob durch Luftburg, einen Härtesten-Schuss-Bewerb oder ein Torwand-Schießen, da gibt es etliche Möglichkeiten.

LAOLA1: Inwiefern hängt das ausbleibende Interesse auch mit der in die Jahre gekommenen Eishalle zusammen?

Harand: Wir hätten dringend etwas nachzuholen. Der Bunker ist eben ein Bunker. Es ist dunkel, die Zuschauer sind zu weit weg vom Geschehen und die Atmosphäre fehlt. Eine neue Halle wäre wirklich dringend notwendig. Doch sie gehört der Stadt und ist denkmalgeschützt. Warum, weiß niemand. Denn am liebsten würde jeder eine Bombe reinhauen.

LAOLA1: Die Heimstätte der Vienna Capitals wurde nach modernsten Standards umgebaut. Blickt ihr Spieler neidisch in die Bundeshauptstadt?

Harand: Wien hat heuer eine super Halle gebaut. Vor allem der Kabinentrakt soll einmalig sein, mein Bruder Chris hat mir davon erzählt. Sicher ist man neidisch. Du kommst jeden Tag für einige Stunden in die Halle, es ist fast deine zweite Wohnung. Da sollten sich die Spieler wohlfühlen, denn das nimmt auch viel Druck.

LAOLA1: Wie sieht die Ausstattung in Graz aus?

Harand: In den letzten Jahren wurde in der Kabine einiges gemacht. Rundherum wird vom Vorstand viel getan, damit es uns gut geht. Aber es müsste vom Logistischen her, alles umgebaut werden. Wir haben zum Beispiel die Kraftkammer im Sturm-Stadion. Wir müssen immer rübergehen, das ist nicht optimal. Es ist jedoch der einzige Raum, den wir zur Verfügung haben. Man muss sich einfach mit der Stadt Graz zusammensetzen und eine Lösung finden.

LAOLA1: Der Bunker ist diesbezüglich kein Einzelfall. Herrscht in der EBEL eine Hallen-Problematik?

Harand: Wir haben sehr viele Hallen, die, sagen wir einmal, etwas älter sind. Von den Kabinen, vom Eis, von der Kühlung und von den Tribünen her. Wenn du fünf Minuten wegen Nebels pausieren und im Kreis fahren musst, ist das richtig zach. Zudem müssen die Anhänger wie in der NHL oder in Englands Fußball an das Feld, da kommt eine Mörder-Stimmung auf. Für die Spieler ist es richtig cool, wenn die Leute an der Glasscheibe hocken und dich anfeuern. In Österreich könnte man einiges machen, doch es fehlen die finanziellen Mittel.

LAOLA1: Am Sonntag steht das Heimspiel gegen Znojmo auf dem Programm. Wie groß ist die Furcht vor der Fortsetzung des Heim-Komplexes?

Harand: Es gibt keinen Heim-Komplex. Wir müssen die Heimspiele gewinnen. Letztes Jahr haben wir nicht viele gewonnen, dadurch haben wir die Fans verscheucht. Wir müssen auf dem Eis einfach eine Show liefern, unser Bestes geben, sich für das Team aufopfern und die Fans animieren, uns noch mehr anzufeuern.

LAOLA1: Was erwartest du vom Duell mit dem Liga-Neuling?

Harand: Sie sind eine eisläuferisch und technisch gute Mannschaft. Ich habe noch kein Spiel gesehen, aber man muss sich bestimmt in Acht nehmen, das haben sie bereits gezeigt. Wir müssen unser Spiel forcieren, die Konzentration auf uns richten, Forechecking betreiben, die Tore machen und teilweise eigensinniger sein.

Das Gespräch führte Christoph Köckeis

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