Chiodo: Kein böswilliger Fighter

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"Mich beeindruckt der Trashtalk wenig"

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Wir schreiben die 40. Minute im ersten Aufeinandertreffen von Medvescak Zagreb und dem KAC im Rahmen der Halbfinal-Serie.

Nach einem bösen Check gegen den Kopf von Manuel Geier durch Frank Banham überschlagen sich die Ereignisse. Der Kanadier, fährt zuerst auf die Strafbank, kehrt dann aber aufs Eis zurück und es beginnt die wüsteste Massenschlägerei der bisherigen Saison.

Mittendrin auch die beiden Torhüter Andy Chiodo und Robert Kristan. Es ist selten der Fall, dass sich Goalies an handfesten Auseinandersetzungen beteiligen, umso spektakulärer ist es, wenn es tatsächlich passiert.

„Es gibt eine Grenze. Wenn du diese Grenze überschreitest, begibst du dich auf fremdes Territorium und das kann dann schon mal wehtun“, erklärt Chiodo die Situation.

Was folgt sind zahlreiche Ausschlüsse sowohl gegen Spieler Zagrebs wie auch gegen Cracks des österreichischen Rekordmeisters. 255 Strafminuten bedeutet neuen EBEL-Rekord.

Der 28-jährige Chiodo gibt gegenüber LAOLA1 einen Ausblick auf das kommende „Kräftemessen“ am Donnerstag, erläutert aber auch die Situation mit Kristan und den Fight an sich. Weiter nimmt er zu Neo-Trainer Christian Weber und die Rotation in der Verteidigung Stellung.

LAOLA1: Andy, ihr habt ein sehr intensives Spiel in Zagreb gewonnen. Wie schwer war es, die Partie positiv zu gestalten?

Andy Chiodo: Es war eine große Herausforderung, aber wir sind als Team aufgetreten und haben über das gesamte Spiel sehr hart agiert. Ich bin glücklich, dass wir gewonnen haben.  Meine Defensive hat sehr gut gearbeitet, denn es ist nicht einfach gegen Zagreb zu bestehen. Sie spielen, ebenso wie wir, sehr schnelles Eishockey und beide Mannschaften erarbeiteten sich gute Chancen. Wir haben es ihnen nicht leicht gemacht. Ich war sehr stolz auf die Jungs und es war natürlich für uns immens wichtig, dass wir die Tore zum richtigen Zeitpunkt erzielt haben.

LAOLA1: Die Begegnung war geprägt von harten Fouls. Ist Zagreb eine schmutzig agierende Mannschaft?

Chiodo: Ja, sie haben es in manchen Situationen übertrieben. Ich denke nicht, dass sie es nötig haben, sich so zu verhalten, wie sie es getan haben. Aber so ist Playoff-Eishockey nun mal. Du musst auf alles vorbereitet sein und auf alles reagieren können, was deinen Weg kreuzt. Es war ein hart umkämpftes Spiel. Sie haben einige Dinge gesagt und getan, die die Grenze überschritten haben. Aber nochmals: Auf so etwas musst du vorbereitet sein und ich denke, wir haben die passende Antwort gegeben.

LAOLA1: Selbst du hast die passende Antwort gegeben, als du sich plötzlich mit Zagreb Goalie Kristan angelegt hast. Wie kam es dazu?

Chiodo: (lacht) Das hat sich so ergeben, denn wir haben die zahlreichen Fights auf dem Eis beobachtet und als Torhüter willst du nur sicher gehen, dass nicht zwei ihrer Spieler auf einen deiner losgehen. Als das aber der Fall war, musste ich eingreifen und so tat es auch Kristan und ehe wir uns versahen, kämpften wir gegeneinander. In einer solchen Situation passiert so viel um dich herum und du versuchst nur deine Teamkollegen zu beschützen. Das Resultat ist ja bekannt.

LAOLA1: Dennoch habt ihr Torhüter während des Spiels keine Berührungspunkte. Gibt es dennoch eine persönliche Fehde zwischen euch oder war er gerade der nächste, der zu greifen war?

Chiodo: Das ist situationsbedingt. Diesmal war es er, aber es hätte auch ein anderer Spieler sein können. Sie hatten so viele auf dem Eis, aber Kristan kam auf mich zu und forderte mich heraus, mich mit ihm zu schlagen.

LAOLA1: Warst du in deiner Karriere schon in viele Schlägereien verwickelt?

Chiodo: Ich hatte so um die acht oder neun Kämpfe über die Jahre. In Kanada passiert so etwas schon gelegentlich. Ich bin kein Fighter aus Böswilligkeit, aber wenn deine Mannschaftskameraden deine Hilfe brauchen, dann musst dich vor dein Team stellen und ihnen helfen.

LAOLA1: In letzter Zeit haben viele junge Spieler den Sprung in die Kampfmannschaft geschafft. Wie beurteilst du deren Leistung?

Chiodo: Sie sind reingekommen und konnten uns sofort helfen. Wie zum Beispiel gegen Salzburg, als sie Tore gemacht und gut gespielt haben. Sie passen dazu. Es ist wichtig, dass sie nicht zu viel wollen, denn du musst keine Bäume ausreißen, nur keine groben Fehler machen. Du musst kein Held sein oder ein Spiel im Alleingang drehen. Man muss sich auf dich verlassen können und das war der Fall. Für die Jungen ist es eine tolle Erfahrung, aber sie haben noch einen weiten Weg vor sich.

LAOLA1: Nun steht am Donnerstag das zweite Spiel gegen Zagreb in Klagenfurt an. Die Gäste werden alles daran legen, sich für die Heimniederlage zu revanchieren.  Was glaubst du, was euch erwartet?

Chiodo: Unser Spiel ist wichtig. Wir müssen uns nur auf uns konzentrieren. Sollten wir es schaffen auf dem Niveau der vergangenen Begegnungen zu agieren, dann ist es egal gegen wen wir spielen. Wir können gegen jede Mannschaft gewinnen.

LAOLA1: Glaubst du es wird wieder eine schmutzige Partie werden?

Chiodo: Ja. Manchmal können die Emotionen über die Serie auch ein wenig abkochen, wie das gegen Salzburg der Fall war, aber ich denke, dass Zagreb die Linie beibehalten wird. Es wird interessant zu sehen, ob sie weiter diese Gangart fahren oder ob sie beginnen Eishockey zu spielen. Wir müssen diszipliniert bleiben und dürfen uns nicht provozieren oder in Scharmützel nach dem Pfiff verwickeln lassen.

LAOLA1: Du sagtest sie betreiben viel Trashtalk. Wie sieht das aus, kannst du uns ein Beispiel nennen, wie sie versuchen zu provozieren?

Chiodo: (lacht) Um ehrlich zu sein geht das beim einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Das ist Teil ihres Spiels und wir müssen das akzeptieren. Ich erinnere mich nicht, was sie sagen, aber das ist okay so. Wir müssen ihre Art respektieren, dürfen uns aber nicht darauf einlassen und auf unser Spiel vergessen. Sie sind erfolgreich mit dem was sie tun, aber ich höre ihnen gar nicht zu. Sie machen das schon die gesamte Saison. Sie spielen sehr körperlich, die nordamerikanische Schule mit viel Trashtalk, aber es gibt eine Grenze. Wenn du diese Grenze überschreitest, begibst du dich auf fremdes Territorium und das kann dann schon mal wehtun. Mich beeindruckt das wenig.

Das Interview führte Sebastian Rauch

LAOLA1: Am Ende seid ihr in Zagreb als Sieger vom Eis gegangen. Ist das die Handschrift eures neuen Trainers? Was hat er verändert?

Chiodo: Christian macht einen sehr guten Job. Unsere taktische Ausrichtung macht die Räume sehr eng und er legt sehr viel Wert auf die eisläuferische Ausbildung. Wir machen es dadurch sehr schwer für die anderen Teams. Aber es liegt nicht nur an ihm, denn die gesamte Organisation im Verein und auch die Spieler haben nochmals eine Schaufel draufgelegt. Manny Viveiros hat über die Jahre ein gutes Team geformt und Christian verdient nun großen Respekt, was er daraus macht. Er führt uns gut und bereitet uns auf die Gegner detailliert vor.

LAOLA1: Habt ihr Spieler noch Kontakt zu Viveiros oder ist er von der Bildfläche verschwunden?

Chiodo: Manny ist ein wichtiger Teil des Vereins und als sportlicher Leiter sieht man ihn oft in der Halle. Er arbeitet viel im Hintergrund, ist aber noch immer Teil der Mannschaft. Wir sind eine Familie beim KAC und versuchen uns immer zu unterstützen.

LAOLA1: Aufgrund von Verletzungen und Sperren spielt ihr in der Verteidigung in unterschiedlichen Konstellationen. Wie schwer ist es für dich als Goalie, dich auf die wechselnden Vorderleute einzustellen?

Chiodo: Im Moment ist jeder darauf fokussiert, einfach seinen Job zu machen. Das Geheimnis ist es, das Spiel einfach zu gestalten. Die Lineups werden immer wieder gravierend geändert und daher musst du die Sachen so einfach wie möglich halten, nicht zu viel probieren. Wir haben ein System und der Fokus muss darauf liegen, sich genau an die taktische Ausrichtung zu halten. Das macht es für die simpler, die ins Aufgebot rutschen. Wenn du weißt, wie du als Team zu funktionieren hast, macht es das einfacher für jeden Einzelnen.

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