Westlund: "Mama fragte immer, wann ich was gewinne"

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Es gibt unterschiedliche Arten, eine gerade erst errungene Meisterschaft zu feiern.

Etwa die extrovertierte Weise: Herumlaufen, schreien, Bier trinken. Oder die introvertierte: Den Fans ein Lächeln schenken, sich gratulieren lassen, aber relativ schnell das Weite suchen.

Irgendwo in der Mitte fand sich Alex Westlund am Sonntag wieder. Wobei der Torwart des frisch gebackenen Eishockey-Meisters Black Wings Linz allen Grund zum Herumschreien gehabt hätte.

„Habe das noch nie gefühlt“

„Ich bin seit 13 Jahren Profi und habe das noch nie gefühlt“, erklärte der 36-jährige US-Amerikaner. Wenige Minuten, nachdem er erstmals einen Titel errungen hatte.

Außerhalb der USA versuchte er es etwa in Russland, eine Meisterschaft zu holen. In Chabarowsk zum Beispiel, das tief im russischen Osten liegt. Im Herzen Europas klappte es aber letztlich.

Drei Mal stand Westlund im Finale der EBEL. Nachdem es mit Olimpija Ljubljana 2008 und mit den Black Wings 2010 nicht klappte, waren nun alle guten Dinge drei. Und die Wartezeit hat sich gelohnt.

„Es ist einfach aufregend, hier vor eigenem Publikum diesen Titel zu holen. Es fühlt sich toll an, ich war zwei Mal knapp dran, jetzt ist es geschafft. Es ist umso schöner“, strahlte der US-Amerikaner, der auch im letzten Finalspiel gegen den KAC seine Klasse unter Beweis stellte.

Westlunds Anteil

37 Saves konnte der Keeper verzeichnen, zeigte wie in den drei Spielen zuvor eine tolle Vorstellung. Nur einen Schuss musste er passieren lassen. Und auch das ärgerte ihn in der Stunde seines bislang größten Erfolges.

„Ich habe ein dummes Tor kassiert, das ihnen wieder etwas Leben eingehaucht hat. Aber es hat letztlich gereicht, um diesen Sieg und diesen Titel einzufahren.“

Westlund brachte den Sieg aber auch selbst auf Schiene. Sein schneller Pass zu Murphy ermöglichte erst das Tor von Ouellette. „Das war nichts Besonderes, aber im Finale natürlich eine schöne Sache."

Mama fragte immer zwei Mal

Apropos Timing: Mit seinem ersten Titelgewinn konnte der Keeper, der zweifellos zu den stärksten der Liga gehört und sich mit der Aufgabe steigert, auch seine Mutter beruhigen.

„Sie hat mir die letzten fünf, sechs Jahre immer am Ende der Saison zwei Fragen gestellt: Erstens: Wann suche ich mir endlich einen richtigen Job? Und zweitens: Wann ich denn endlich was gewinne?“, verriet Westlund mit einem Grinsen.

„Scheint so, als müsste ich mir jetzt nur noch einen Job suchen“, lachte Westlund daraufhin.

Keine Sorgen müssen die Black Wings haben. Auch wenn der Goalie noch keinen neuen Vertrag hat.

Westlund will bleiben

Im Gegensatz zu Verteidiger Adrian Veideman, der bereits bei den Capitals unterschrieben haben soll, wird der Nachfolger von Linz-Legende Pavel Nestak als Meister-Goalie wohl bleiben.

„Ich hoffe, es geht hier weiter in Linz. Wir werden sehen“, so Westlund, der von der Chemie im Team und Trainer Rob Daum schwärmte. Mit 36 Jahren denkt der Keeper auch noch nicht an Rücktritt.

Warum auch bei einer Meisterfeier? Tausende feierten die Black Wings und ihren Goalie, der 2010 Liga MVP wurde, aber das Finale gegen Salzburg verlor.

Nun hat er es gegen den KAC gewonnen. Und das ist zu einem nicht unwesentlichen Teil auch Westlund geschuldet.

Spieler, Fans und auch Gegner wissen – er hat sich diesen Titel redlich verdient.

 

Bernhard Kastler

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