Ein teures Transfer-Theater?

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Derek Ryan - ein teures Transfer-Theater?

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Derek Ryan ist begehrt. So begehrt, dass er womöglich zwei Verträge unterzeichnete?

Noch im März entschied sich der US-Amerikaner, sein Engagement bei Fehervar AV19 um eine Saison zu verlängern. Der Paukenschlag erfolgte am Donnerstag.

Um 16:58 Uhr trudelte eine Nachricht von Ross Lambert, Ryans Agenten, im Postfach ein. Darin hieß es: „Nach der Unterzeichnung verabsäumte es der Klub, vereinbarte Gehälter, Boni und Honorare zu überweisen.“

„Ernste Zweifel an der Liquidität“ veranlassten ihn dazu, den „Kontrakt“ aufzukündigen.

48 Stunden später zündete die Bombe: Der VSV vermeldete den Center als Neuzugang – ein Transfer-Theater droht.

Im südlichsten Bundesland möchte man davon (noch) nichts wissen.

Manager bietet Ryan an

„Der Spieler wurde uns angeboten. Ryans Manager versicherte uns, dass er nicht gebunden ist. Alles andere liegt nicht in unserer Hand“, betont der für Pressearbeit zuständige Ex-Keeper Gert Prohaska bei LAOLA1.

Nachdem erste Gerüchte in ungarischen Medien hochkochten, hielt man nochmals Rücksprache mit Lambert. „Er hat uns versichert, dass alles aufgelöst wurde. Von unserer Seite gibt es keine Annahme, dass etwas nicht passen könnte. Wir gehen davon aus, dass der von beiden Parteien unterschriebene Vertrag Gültigkeit hat und er zwei Saisonen für uns spielen wird.“

Naturgemäß betrachtet Fehervar die Causa aus einer völlig konträren Perspektive. Man ist der festen Überzeugung, im Recht zu sein. General Manager Gabor Ocskay bestätigt bei „sportklub.tv“ den von Ryan forcierten Wunsch.

„Haben uns mehrfach abgesichert“

„Vor drei Wochen hat sich der Manager gemeldet und meinte, dass sie aussteigen. Seither gelang es uns nicht, mit dem Spieler Kontakt aufzunehmen. Unsere Mails landeten bisher beim Agenten.“ Und dieser scheint von den Spekulationen gefrustet zu sein. Er soll gar die Rückkehr seines Klienten nach Übersee angedroht haben.

„Der Klub hat sich das selber eingebrockt. Zahlungen trafen nicht zeitgemäß ein. Somit wird er sicher nicht mehr für Fehervar auflaufen“, zitiert ein ungarischer Eishockey-Blog. Auch in Villach beruft man sich auf Lambert. Den Konkurrenten zu kontaktieren, habe man Prohaska zufolge nicht überlegt.

„Solche Dinge macht man über den Agenten, es ist völlig normal“, möchte der 36-Jährige keine Kritik aufkommen lassen: „Ich finde nicht, dass das ein schlechtes Bild auf Villach wirft, haben wir uns doch mehrfach abgesichert.“

Ryan machte Verteidigern das Leben schwer

Islanders-Crack gratuliert dem VSV

Schon lange hatten die „Adler“ ein Auge auf Ryan geworfen. In seinem Premieren-Jahr wusste der 25-Jährige mit Ausgeglichenheit (25 Tore/24 Vorlagen) zu brillieren. Als er schließlich angeboten wurde, zögerte man keinen Moment.

„Wir haben umgehend zugeschlagen, da er ein Wunschspieler war. Er ist ein sehr starker Mittelstürmer, wir haben ihn diese Saison beobachtet, holten Informationen darüber ein, wie er in Nordamerika agierte und sich in der Kabine gibt.“

Einer, der ihn aus gemeinsamen Zeiten bei den Spokane Chiefs bestens kennt, ist Michael Grabner. Villachs wohl prominentester Sohn richtete via „twitter“ die Gratulationen aus: „Viel Spaß! Guter Zangler und netter Kerl, wird euch sehr helfen.“

Mit dem „most talented kid in the league“ – jenes Prädikat bekam er von Head Coach Hannu Järvenpää – wäre Villach nach EBEL-Topscorer John Hughes der nächste Coup geglückt.

Fehervar auf Ablöse angewiesen?

„Wir mussten den Umbruch vollziehen, wollten den Jungen nicht ihre Zukunft verbauen. Wir haben einen guten Mix aus hervorragenden Ausländern und hungrigen Eigenbauspielern im Kader“, gibt Prohaska zu verstehen. Weitere Tätigkeiten auf dem Personal-Sektor schließt er aus, sofern der jüngste Deal nicht doch Kontroversen auslöst.

Fehervar-GM Ocskay signalisiert jedenfalls Gesprächsbereitschaft: „Nachdem er meinte, dass er nicht mehr hier spielen möchte, wollen wir ihn auch nicht mehr. Das verursacht einzig schlechte Stimmung im Team.“

Zwar pocht er auf die Arbeitspapiere, dennoch sollen „Ryan keine Steine in den Weg gelegt werden“. Unter einer Bedingung: „Villach muss für ihn eine Ablöse bezahlen.“

Glaubt man gut informierten Kreisen, wären die Magyaren darauf angewiesen. Cracks sollen bereits Monate auf Gagen warten. Die EBEL verneint solche Verfehlungen, dennoch weckt dies Erinnerungen an den „Fall Jesenice“.

„Alles andere ist hypothetischer Natur“

Die mangelhafte Zahlungsmoral bekrittelte Lambert in seiner Aussendung wiefolgt: „Einige Teamkollegen Dereks wurden zum Teil nicht entlohnt. Er hatte nicht das Gefühl, dass es im Interesse seiner Familie wäre, zu Fehervar zurückzukehren.“

Dass der Europa-Legionär gefragt ist, könnte dem Vorjahres-Viertelfinalisten zusehends in die Karten spielen. Für den VSV, dessen Budget trotz Rückzug des langjährigen Hauptsponsors "Rekord Fenster" gesichert sei, könnte es ein teures Tauziehen werden.

„Einen Spieler, der keinen Vertrag hat, braucht man nicht abzulösen. Alles andere ist hypothetischer Natur“, bekräftigt Prohaska. Für ihn besteht kein Zweifel daran, dass sich Ryan in der ersten August-Woche in Villach einfindet.

Allerdings scheint das letzte Wort im Transfer-Theater noch nicht gesprochen.

Christoph Köckeis

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