Nimm dein Geld und geh

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"Steh auf, nimm dein Geld und geh!"

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Ob Ehe-, Leasing- oder Mietverträge – wär’s nicht schön für uns alle, wenn einige von diesen wie von Zauberhand verschwinden würden oder zumindest ohne große Streitigkeiten aufgelöst werden könnten? Nun, die NHL hat mit ihren Buyout-Regeln zumindest die Möglichkeit für ihre Teams geschaffen, bestehende Verträge ohne langwierige Verhandlungen einfach auflösen zu können und sich so zumindest einen Teil der ausständigen Gehälter zu ersparen.

LAOLA1 blickt auf die verschiedenen Formen der NHL-Buyouts, wer diese in Anspruch nahm und welche EBEL-Spieler Kandidaten für Vertragsauflösungen wären.

Zu den normalen Buyouts, die schon seit knapp einem Jahrzehnt in der NHL gang und gäbe sind, kam nach dem Lockout in der Saison 2012/13 eine weitere Variante hinzu, die sogenannten „Compliance“-Buyouts. Um die abgesenkte Gehaltsobergrenze nicht mit Altverträgen zu belasten, gab die NHL den Vereinen die Chance, in den beiden letzten Sommern insgesamt zwei Spieler per Buyout auf die Reise zu schicken und das mit klar definierten Regeln. Insgesamt wurden so in den letzten beiden Sommern 28 Spieler verabschiedet, die auszuzahlenden Teilbeträge betrugen knapp 180 Millionen US-Dollar. Der exzentrische Ilya Bryzgalov etwa wurde in Philadelphia nach zwei von insgesamt neun Vertragsjahren vom Hof gejagt und durfte mit einer Abschlagszahlung von knapp 23 Millionen Dollar (auf die nächsten 14 Jahre aufgesplittet) auf Vereinssuche gehen. „Es war ein teurer Fehler“, gab GM Paul Holmgren dann auch zu, umso mehr, als er in diesem Sommer auch Danny Briere 3,3 Millionen für seine letzten beiden Vertragsjahre mit auf den Weg gab.

Rick DiPietro als sündteurer Islanders-Flop

Doch Bryzgalovs Morgengabe wurde noch in den Schatten gestellt: Die New York Islanders verabschiedeten Goalie Rick DiPietro nach acht von 15 (!) Vertragsjahren. DiPietro, dessen Körper dem Leistungssport seit Jahren nicht mehr gewachsen zu sein scheint, durfte sich über 24 Mio. Dollar Abschlagszahlung freuen und versuchte sich in der letzten Saison noch für fünf Spiele beim AHL-Team Charlotte Checkers.

Der höchste Buyout aller Zeiten war jedoch der von Vinny Lecavalier: Tampa Bay verabschiedete sich im Juni 2013 von seinem langjährigen Kapitän und ersparte sich so die letzten sieben Vertragsjahre seines ursprünglich über elf Jahre laufenden Vertrags und 7,7 Millionen Dollar Cap Space pro Saison. Lecavaliers Restgehalt von fast 33 Millionen Dollar wird ihm anteilig bis zum 47. (!) Lebensjahr ausbezahlt. Und wo unterschrieb der fortan ungebundene Lecavalier im Sommer 2013 seinen nächsten Vertrag? Bei eben jenen Flyers, die dann Bryzgalov und Briere per Buyout verabschiedeten…

Salary Cap gibt es in der EBEL natürlich keinen und wie in der NHL betrachten die einzelnen Vereinseigentümer bzw. –präsidenten die Möglichkeiten einer Abschlagszahlung sicher unterschiedlich. So verabschiedeten heuer die nicht gerade finanzkräftigen Phoenix Coyotes Mike Ribeiro – immerhin deren Topliniencenter -  nach nur einem von vier Vertragsjahren aufgrund von „zwischenmenschlichen Problemen“. Kostenpunkt: Knapp 12 Millionen Dollar. Die Winnipeg Jets hingegen, stets vor ausverkauften Häusern spielend, erklärten in der Person von Chairman Mark Chipman kategorisch: „Buyouts werden für uns nie ein Thema sein“, als er auf den in seinen Leistungen schwankenden Stammgoalie Ondrej Pavelec angesprochen wurde.

Welche EBEL-Verträge würden wohl Buyouts nahelegen?

Wenig überraschend, haben die finanzschwachen ausländischen Vereine Znojmo, Fehervar und Laibach diese Probleme nicht, einzig der erst in diesem Sommer verpflichtete Fehervar-Defender Matt Register (immerhin bester Scorer unter den ECHL-Verteidigern) könnte bald auch wieder mit dem Angebot einer Vertragsauflösung konfrontiert werden. Meister Bozen, weiß Gott mit genügend finanziellen Problemen geschlagen, verpflichtet Spieler grundsätzlich nur Jahr für Jahr. Auch Dornbirn und Innsbruck schreckten bis jetzt vor langfristigen Verträgen zurück und fuhren zumindest damit gut. Klar, im Rückspiegel betrachtet, wäre ein Verbleib von Dornbirn-Torjäger Luciano Aquino mittels eines Langzeitvertrages etwas Feines gewesen, doch wie hätten weiterlaufende Verträge etwa für Alex Plante oder den im letzten Sommer groß angepriesenen und zum Kapitän gekürten Patrick Jarrett dagegen ausgesehen? Nein, das passt bei den beiden Teams schon so. Zufall oder nicht, langfristige Verträge bereiten nur den finanzstärksten EBEL-Teams Probleme.

VILLACHER SV: Will denn keiner Scott Hotham? Bis jetzt nicht, zuletzt wurde Södertälje als mögliche Destination genannt. Warum der zweikampfschwache Defender im letzten Sommer unbedingt für zwei Jahre verlängert wurde, kann nur den 39 Punkten im ersten VSV-Jahr geschuldet sein. Doch schon damals waren Hothams Defensivschwächen und mangelndes Zweikampfverhalten nicht zu übersehen.

RED BULL SALZBURG: Daniel Welsers Leistenprobleme machen ihn schon seit geraumer Zeit zu einem Unsicherheitsfaktor in den Planungen der dortigen Trainer. Den 31-Jährigen rettete für heuer nur noch sein laufender Vertrag.

 

BLACK WINGS LINZ: Aufgrund einer sehr schwachen Saison boten die Oberösterreicher heuer im Sommer Gregor Baumgartner feil, wenig überraschend fanden sich keine Interessenten für den mit einem guten Vertrag ausgestatteten Routinier. Er hebt die Linzer zwar über das Punktelimit, ist aber zumindest bis zur Kaderfinalisierung Mitte November mit von der Partie. Und warum auch nicht, schließlich hatte sich Baumgartner nichts zu Schulden kommen lassen. „Er ist ein echter Pro“, konstatierte auch Coach Rob Daum. Es würde nicht überaschen, sollte Baumgartner auch nach November mit von der Partie sein, ein weiteres Vertragsjahr wird es für den 35-Jährigen allerdings nicht mehr spielen.

GRAZ 99ERS: Von Oliver Labelle, nach einer guten ersten Saison mit einem rapiden Leistungsabfall aufwartend, trennte man sich schon im Sommer trotz eines laufenden Vertrages. Anders so mit Roland Kaspitz: Der stieß während der letzten Saison zu den Murstädtern und wusste in einer chaotischen Saison offensiv zu überzeugen. Die Grazer lösten im März die Option auf ein weiteres Vertragsjahr ein, doch als der Center bereits im ersten Testspiel auf den Flügel auswaggoniert wurde, bestätigten sich schon die Vermutungen: Kaspitz’ West-Ost-Spiel ist die Antithese zum Up-Tempo-Stil des neuen Coaches Todd Björkstrand. Der Verein bot Kaspitz eine Vertragsauflösung an, doch so einfach wie bei Andy Sertich, der in der letzten Saison - von der frankophonen Atmosphäre in der Kabine genervt - auf alle Ansprüche verzichte und fluchtartig das Weite suchte, wird es sicher nicht gehen.

VIENNA CAPITALS: Für Kapitän Ben Gratton kam aufgrund einer verletzungsfreien Saison und dem dritten Grunddurchgangsplatz ein weiteres Vertragsjahr zum Tragen. Spätestens die Playoff-Serie gegen Villach, als der 37-Jährige wieder einmal egozentrisch agierte, ließen die Caps im Sommer jedoch an ein Buyout denken. Dieses wurde ausführlich diskutiert, doch nie in die Tat umgesetzt. Neo-Coach Tom Pokel muss nun mit dem immer größeren Unterschied zwischen Grattons Standing in der Organisation und seiner dem Alter geschuldeten abfallenenden Leistungskurve fertigwerden. Mit Grattons Absetzung als Kapitän machte Pokel aber einen Schritt in die richtige Richtung und bewies damit bereits mehr Traute als sein Vorgänger.

EC KAC: Wo soll man da beginnen? Die Klagenfurter stellten über Jahre langfristige Verträge aus, als gäbe es kein Morgen, ein dringend nötiger Generalumbau konnte daher nicht stattfinden. Von Goalie Fabian Weinhandl und der Idee zweier gleichwertiger österreichischer Torhüter hat man sich schon verabschiedet, doch er war sicher nicht das größte Problem. Kirk Furey (38) agiert mittlerweile wie der Altbauer – willig, aber ganz einfach nicht mehr bei Kräften. Mike Siklenka, dessen Restvertragsdauer zu zahlreichen Spekulationen Anlass gibt, ist wie Furey mittlerweise einfach zu langsam und nur mehr für Faustkämpfe zu gebrauchen. Jamie Lundmark muss nach einer katastrophalen Saison gegen seinen Ruf ankämpfen, ein überbezahlter Jobhopper zu sein. Der langzeitverletzte David Schuller und der nie so recht in Klagenfurt angekommene Patrick Harand verdanken ihren Verbleib auch nur ihren Langzeitverträgen.

Compliance Buyout \'Normaler\' Buyout
Wann? Nur Juni 2013 und 2014 Jeweils 15.-30. Juni
Gilt für: Verträge vor 15.9. 2012 Alle Verträge
Wie hoch für Spieler unter 26? 1/3 des ausständigen Gehalts Ebenso
Wie hoch für Spieler über 26? 2/3 des ausständigen Gehalts Ebenso
Restgehalt im Salary Cap? Nein (Ausnahme Spieler über 35) Ja
Wann wird ausbezahlt? Über doppelte ausstehende Vertragsdauer Ebenso
Verbleib bei Team möglich? Nein Ja
Voller Signing Bonus? Ja Ja
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