Ein Spitzenspiel der Gemeinsamkeiten

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Verkehrte Welten im heimischen Liga-Geschehen. Nach zehn Spieltagen blickt die Konkurrenz etwas neidisch zu den Black Wings Linz auf.

Den Meister von 2003 hatten zu Saisonbeginn wohl nur kühnste Optimisten auf der Rechnung. Unter Neo-Trainer Rob Daum krempelte man den Kader um. Solch durchschlagenden Erfolg erwartete in der Landeshauptstadt Oberösterreichs kaum jemand, zumindest nicht kurzfristig betrachtet.

Von Zufriedenheit kann beim 53-jährigen "Eishockey-Professor", seit kurzem Assistant-Coach des Nationalteams, indes keine Rede sein: „Wir müssen uns in allen Bereichen verbessen. Die anderen Teams werden sich auch steigern und würden uns sonst überholen.“

Vier Tage durften sich die Linzer sogar über die Tabellen-Führung freuen, verloren diese jedoch nach der Strafverifizierung (Hier geht’s zum Bericht) wieder an den KAC.

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Völlig konträr gestaltet sich die Zielsetzung der Vienna Capitals. Tommy Samuelsson sollte den Verein zum zweiten Titel führen, doch der selbsternannte Top-Anwärter strauchelt. Bislang rangieren die Wiener auf dem enttäuschenden siebten Platz.

Nun wartet der EBEL-Schlager beim Zweiten aus Linz. „Nach dem derzeitigen Stand sind sie klarer Favorit. Sie befinden sich im Aufwind, da geht vieles leichter. Wir müssen uns erst diese Dinge erarbeiten, aber ich bin zuversichtlich“, glaubt der schwedische Übungsleiter.

Zwar könnte die Ausgangsposition beider Teams gegensätzlicher nicht sein, trotzdem fand LAOLA1 einige Parallelen.

Schwächelnde Torhüter:

Alex Westlund und Reinhard Divis – zwei arrivierte Torhüter mit einer Gemeinsamkeit. Die gewohnte Sicherheit vergangener Tage vermochten die Beiden heuer noch nicht auszustrahlen. Im bisherigen Verlauf ließen die Defender der Black Wings bereits 306 Schüsse auf Westlunds Kasten zu, damit ist jener der dritthäufigst geprüfte Akteur. Überdies konnte der 35-Jährige bloß 276 Versuche entschärfen, macht mäßige 90,2 Prozent Saves.

Noch schlechter erging es Divis zwischen den Pfosten der Hauptstädter. Der Wiener bekam zwar im Vergleich zu Westlund deutlich weniger zu tun, gleichwohl fanden nur 243 von 278 der gegnerischen Abschlüsse im 36 Lenzen zählenden Routinier ihren Meister. Er hält somit bei 87,41 %, einzig Znaims Ondrej Kacetl (85,5 %) lässt er hinter sich. Die Vorderleute tragen ihren Teil dazu bei.

Löchrige Defensive:

Angriff hui, Abwehr pfui – so ließe sich die Performance der Linzer zusammenfassen. Dank ihrer herausragenden Offensiv-Reihen, übrigens mit 42 Treffern die gefährlichsten der EBEL, ist man erster Verfolger des KAC. Die Verteidigung präsentierte sich aber keineswegs eines Titel-Anwärters würdig, sie gleicht eher der eines Mittelständlers. Ganze 31 Mal durfte die Konkurrenz jubeln, dies bedeutet Rang sieben der Wertung.

Die Vienna Capitals sind nach 36 Gegentoren geteiltes Schlusslicht mit Liga-Neuling HC Znojmo. Auch beim ersten Aufeinandertreffen vor heimischer Kulisse hatte sich der Defensiv-Verbund nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Schlussendlich gingen die Gäste aus Oberösterreich als Gewinner (7:5) hervor. Ein neuerliches Torfestival ist nicht auszuschließen, das liegt mitunter an der offensiven Ausrichtung der Defender.

Verteidigende Punktelieferanten:

Im modernen Kufensport sind kollektive Abwehr-Arbeit wie auch Angriffs-Bemühungen bedeutsamer denn je. Die Spieler in ein steifes Positions-Schema zu zwängen, ist nicht mehr zeitgemäß. Das haben die beiden Betreuer längst erkannt. Ein Blick auf die Statistiken streicht das hervor. In den Reihen der Black Wings leisteten besonders die Erwerbungen Curtis Murphy (11 Punkte) und Adrian Veidemann (8) ihren Anteil zum kaum ausrechenbaren Offensiv-Spiel.

Einen „Zwei-Wege-Verteidiger“ par excellence verpflichteten die Wiener mit Ross Lupaschuk. Der 30-jährige Kanadier kam von den Kölner Haien (DEL) und war ein erklärter Wunschspieler des Schweden auf der Bank. Mit Blue-Line-Schüssen verbreitet er Angst und Schrecken, zwölf Zähler – davon sechs Treffer – verbuchte er bereits. Sowohl Lupaschuk als auch Murphy sind teamintern die Nummer zwei der Scorerliste.

Außergewöhnliche Scorer:

Den Linzern gelang mit Mike Ouellette ein wahrer Transfer-Coup. In der Vergangenheit stellte der 29-Jährige für Medvescak Zagreb (48) und die Graz99ers (55) seine Vorzüge zur Schau. Im dritten EBEL-Jahr stürmt der Kanadier für die Black Wings, bisweilen äußerst erfolgreich. Nach neun Partien sowie 17 Punkten gehört ihm die Spitzenposition der Punkte-Wertung. Dahinter sorgen Rob Hisey (10), Danny Irmen, Pat Leahy (beide 9) sowie Gregor Baumgartner (8) für Tiefe im Angriff.

Bei den Vienna Capitals bekleidet Kapitän Benoit Gratton die herausragende Rolle, er ist das Pendant zu Ouellette. Neben wichtiger Produktion (14) gibt das kanadische Raubein auf dem Eis die Richtung vor. Sein kongenialer Partner Francois Fortier läuft nach Verletzungs-Pause weiterhin der Bestform hinterher. Ein Tor und zwei Vorlagen in fünf Begegnungen sind für die Ansprüche des Vorjahres-Topscorers (96) einfach zu wenig.

Ungeahnte Leistungsträger:

Gregor Baumgartner ist die „Entdeckung“ der noch jungen Saison. Der 32-Jährige blüht an der Seite Ouellettes und Leahys richtiggehend auf. Vergangene Spielzeit musste der Right Wing noch um seine Zukunft in Linz zittern. Trotz enttäuschender Auftritte –  nur 16 Punkte, davor knackte er drei Mal die 40er-Marke - schenkten die Verantwortlichen ihrem eigentlich konstanten Scorer das Vertrauen. Mit der Sicherheit eines langfristigen Kontrakts verdienten Baumgartners Leistungen häufig das Prädikat sehenswert. Den Höhenflug stoppte zuletzt eine Bronchitis und Muskelzerrung, weshalb sein Einsatz am Freitag fraglich ist.

Für den kommenden Gegner aus Wien wurde Harald Ofner zum unerwarteten Glücksfall. Nach acht Partien hält der 28-Jährige bereits bei sieben Zählern und ist damit zweitbester Stürmer der Capitals. Falls er diese Ausbeute fortführen kann, wird er sein Career-High (20) weit in die Höhe schrauben.

Christoph Köckeis

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