Als in Linz die Dämme brachen

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Als in Linz die Dämme brachen

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Plötzlich brachen alle Dämme.

Philipp Lukas hatte als Kapitän der Black Wings Linz gerade den Pokal des österreichischen Meisters sowie jenen des Siegers der Erste Bank Eishockey Liga entgegengenommen, als das Eis von hunderten Fans gestürmt wurde.

Freudetaumelnd lagen sich Linz-Anhänger aller Altersklassen in den Armen, die Eisfläche in der „Keine-Sorgen“-Arena wurde binnen Sekunden in eine große Party verwandelt. Mittendrin die Spieler, die sich vor Umarmungen, Glückwünschen und Schulterklopfern kaum noch retten konnten und das Bad in der Menge sichtlich genossen.

„Es ist unglaublich vor dieser Kulisse den Titel zu holen. Für mich sind die Emotionen gerade unbeschreiblich“, rang Jan-Axel Alavaara, der erst vor den Playoffs zu den Stahlstädtern gekommen war, um Worte.

Auch Curtis Murphy konnten den ganzen Trubel nicht fassen. „Ich habe schon Meisterschaften gewonnen, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt. All die Menschen die auf dem Eis sind, um mit uns zu feiern. Das ist einfach unglaublich“, so der Assistant-Captain, der den ersten Treffer mustergültig vorbereitet hatte.

Ouellette ebnet den Weg

Wie es sich für eine richtige Siegesfeier gehört, tönte aus den Lautsprechern sowie aus den Kehlen der Fans und Spieler der Queen-Evergreen „We are the Champions“, der auch dem letzten in der Halle zu verstehen gab, was hier gerade von Statten ging.

Die Black Wings holten den zweiten Titel der Klubgeschichte, die Titelsehnsucht des Vereins sowie der Stadt selbst fand in Finale fünf gegen den KAC endlich ihr Ende. (Hier geht es zum Spielbericht).

Ein Wegbereiter des Erfolgs war Mike Ouellette. Der Kanadier, der vor der Saison aus Graz zu den Oberösterreichern gekommen war, beendet die Saison nicht nur als bester Linzer Scorer (25 Tore, 47 Assists), sondern brachte seine Mannschaft auch in Finale fünf mit seinem Führungstor auf die Siegerstraße.

„Es war sehr wichtig, dass wir erneut in Führung gegangen sind. Danach lief alles für uns und ich war mir sicher, sollten wir das erste Tor erzielen, würden wir hier auch als Sieger vom Eis gehen. Dieser Treffer war mit Sicherheit einer der wichtigsten meiner Karriere“, so der Stürmer.

Dabei wurde es nach dem Treffer von Ouellette, dem zweiten Tor von Justin Keller und dem zwischenzeitlichen Anschlusstreffer von Johannes Kirisits im Schlussdrittel nochmals richtig spannend.

Christoph Brandner beendet seine Karriere

Christoph Brandner lautstark verabschiedet

Dem stimmte in Person von Verteidiger Johannes Reichel auch der KAC zu.

"Ich würde nicht sagen, dass sie das glücklichere Team waren, sondern sie haben sich den Titel redlich verdient. Wir haben einfach keine Mittel gegen ihre starke Defensive gefunden. Sie waren spielerisch eben den Zacken besser“, so der Defender.

Auch KAC-Kapitän Christoph Brandner zollte dem Gegner Respekt.

"Linz ist ein würdiger Meister. Wir haben kein Rezept gegen sie gefunden.“ Für den 36-jährigen Stürmer war es das letzte Spiel seiner bewegenden Karriere.

Aus diesem Grund wurde er bei der Medaillen-Übergabe auch von den 3.650 Zuschauern auf den Rängen in der „Keine-Sorgen“-Arena mit Sprechchören gefeiert. Das Linzer Publikum zollte seinerseits dem ersten österreichischen Torschützen in der NHL seinen Respekt und bereitete dem ehemaligen Aushängeschild des heimischen Eishockeys einen würdigen Abschied.

Daum feiert im Stillen

Doch nachdem Brandner entsprechend gewürdigt wurde, wandten sich die Anhänger ihrem eigenen Team zu, genauer gesagt Rob Daum.

Der Name des Masterminds wurde lautstark skandiert und sogar die eigenen Spieler stimmten mit ein. Der Kanadier hatte es binnen eines Jahres geschafft, dem Team seinen Stempel aufzudrücken, so dass es spielerisch und taktisch in dieser Saison nicht zu biegen war.

Während sich die Spieler in den Armen lagen und die Fans bereits auf der Tribüne scharten, um endlich aufs Eis zu kommen, blieb der „Professor“ gewohnt stoisch. Er steht nicht gerne im Mittelpunkt, sondern überlässt anderen die große Bühne.

„Ich feiere lieber im Stillen. Sollen die Jungs und die Fans ausgelassen sein, sie haben es sich verdient. Ich halte mich lieber im Hintergrund, beobachte wie meine Spieler den Moment genießen. Das macht mich glücklich“, ließ sich der 54-jährige Head Coach nicht vom Moment mitreißen.

Selbst dann nicht, als in der „Keine-Sorgen“-Arena plötzlich alle Dämme brachen.

Bernhard Kastler/Sebastian Rauch

Weiche Knie im letzten Drittel

Die Klagenfurter rochen beim Stand von 1:2 nochmals Lunte und die Hausherren agierten nicht mehr so souverän, wie man es von ihnen in dieser Final-Serie gewohnt war.

„Wenn du nur noch ein Drittel vor dem ganz großen Wurf entfernt bist, können schon mal die Knie ein wenig weich werden. Vor allem weil der KAC alles nach vorne geworfen hat“, erklärte Routinier Robert Lukas die Situation.

„Im letzten Drittel haben wir es ihnen eventuell ein wenig zu leicht gemacht, sich in unserem Drittel zu behaupten, aber dann war ja immer noch Alex Westlund zur Stelle“, streute der wohl beste Verteidiger der Saison, Murphy, seinem Goalie Rosen.

Am Ende hielt die Abwehr den Angriffen des KAC stand, zum einen weil der US-amerikanische Schlussmann sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lassen wollte und auch weil Fortuna an diesem Abend auf der Seite der Stahlstädter war.

„Es war eine sehr harte Serie. Das Glück war auf unserer Seite, aber wir haben auch cleverer als Klagenfurt gespielt“, so „Bobby“ Lukas.

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