Teil 7: Die Alternativen zur Punkteregelung

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Andere Systeme und deren Auswirkungen

Die Punkteregelung der EBEL wurde in den letzten Jahren unter Eishockeyfans heftig diskutiert.

Doch warum wurde sie überhaupt eingeführt? Wie werden die Spieler bewertet? Was bringt es den Vereinen und was wären mögliche Alternativen?

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller versucht in einer großen Reportage dem „Mysterium“ Punkteregelung auf den Grund zu gehen und erklärt in drei Themenblöcken mit insgesamt sieben Teilen alles, was man über das System Punkteregel wissen muss.

Der abschließende siebte Teil der Serie zeigt mögliche Alternativen zur Punkteregel auf:


Die Alternativen zur Punkteregelung

Vor allem die österreichischen Cracks beklagen sich immer wieder über die Punkteregelung und eine damit einhergehende angebliche Benachteiligung.

Doch eine wie von ihnen gewünschte Legionärslimitierung ist längst nur eine von vielen verschiedenen Varianten in den ausländischen Ligen.

Daher: „Be careful what you wish for“ – es könnte noch schlimmer kommen.

  • Ausländerlimitierung

Beispiel: DEL – die Klubs einigten sich auf eine Ausländerlimitierung (neun am Spielbericht, elf im Kader)

 Zumindest eine gewisse Anzahl an Kaderplätzen steht deutschen Spielern zu

 Die Gehälter für deutsche Spieler auf einem limitierten Markt steigen von Jahr zu Jahr, Teams wie Straubing oder Schwenningen müssen mit den Brosamen des Inländermarktes leben.

Die DEL ist einerseits ein gutes, andererseits ein schlechtes Beispiel. Die Regeln sind klar  ersichtlich, die Liga hat im Durchschnitt knapp einen Legionär weniger als die österreichischen EBEL-Teams.

Doch der Schein trügt: Aufgrund einer weit weniger strengen Einbürgerungspolitik als in Österreich gibt es knapp 40 DEL-Spieler, die mit deutschen Pässen ausgestattet sind, aber ihre Wurzeln im Ausland haben. Für das Nationalteam kommt (derzeit) kaum jemand von ihnen in Frage.

Die DEL baut auf Selbstbeschränkung

Das ganze System basiert im Übrigen auf einer Selbstbeschränkung der Vereine. Träte ein Team morgen mit zehn Legionären an, gäbe es von Seiten der Liga keine rechtliche Handhabe.

Und die DEL-Teams unterscheiden nur zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen, im Gegensatz zur EBEL, wo fünf Nationen unter einen Hut gebracht werden müssen.

  • Reduzierung der Nicht-EU-Ausländer, EU-Spieler unbegrenzt

Das war die Regelung bis vor zwei Jahren in Schweden oder Finnland

 Kein Problem mit dem EU-Recht, alle Spieler innerhalb der EU gleichgestellt

 Inländer profitieren davon überhaupt nicht, der ausländische Markt wird nur in zwei Gruppen unterteilt

  • Keinerlei Ausländerbeschränkung

Das aktuelle System in Schweden und Finnland

 Am einfachsten zu administrieren, jedes Team kann nach seiner Fasson glücklich werden. Einzig die Spielstärke und die Gehaltsvorstellungen der Cracks sind für die Teams relevant

 Kann zu einer Überschwemmung durch Legionäre führen (blieb in beiden Ländern aber aus)

Beide Nationen wollten vor zwei Jahren keinen Unterschied mehr zwischen EU- und Nicht-EU-Ausländern machen.

Nordamerikaner mit EU-Pässen hatten damals Vorteile gegenüber reinen Kanadiern und Amerikanern.

Der Spielerpool ist nun größer, die Massenabwanderung der einheimischen Cracks in die NHL und AHL (vor allem Schweden) konnte so einigermaßen aufgefangen werden.

  • Alle EBEL-Nationen gleichgestellt

Die fünf EBEL-Nationen könnten sich im gleichen Spielerpool (Österreich, Ungarn, Tschechien, Italien, Slowenien) bedienen, andere Legionäre wären ausgeschlossen oder in ihrer Anzahl eingeschränkt.

 Alle Teams wären absolut gleichgestellt, ein Tscheche hätte etwa in Znojmo den gleichen Wert wie in Wien.

 Den inländischen Spielern bringt das gar nichts, mittelmäßige Ausländer aus diesen Ländern würden profitieren. Eine EBEL mit weniger oder gar keinen Nordamerikanern ist nicht vorstellbar.

Einfach eine Idee, die allerdings Spieler aus anderen EU-Ländern benachteiligt.

  • Salary Cap

Beispiel: Dänemark

 Zumindest auf dem Papier eine Chancenangleichung

 Arbiträre Zahlen, nur sehr schwer zu administrieren, kein Vorteil für Inländer

Der gute alte „Salary Cap“ – immer wieder diskutiert und verlangt. Aber mit folgenden Problemen behaftet:

Dürfte dem EU-Recht nicht widersprechen, da auch in Dänemark verwendet. Aber hat die Liga wirklich ein Recht auf die Einsicht in die Verträge? Wer liegt die Obergrenze fest? Und braucht man nicht einen „Salary Floor“, damit Teams wie Ljubljana nicht einfach um des Mitspielens willens dabei sind?

Und will man Organisationen wie Salzburg mit internationalen Ambitionen und ohne jegliche finanzielle Probleme wirklich beschneiden?

In Tschechien sind die Spieler selbständige Unternehmer

Problematik der fünf Länder

Auch hier wieder: Die Problematik der fünf Länder. Unterschiedliche Steuersätze, unterschiedliche Sozialabgaben.

In Znojmo etwa bekommen die Spieler ihr Geld brutto ausbezahlt, als selbständige Unternehmer müssen sie sich selbst um ihre Versteuerung und Versicherung kümmern.

Der Nettobetrag hat in jedem Land ein unterschiedliches Bruttoäquivalent, von einer Chancengleichheit kann daher keine Rede sein.

Wer soll das administrieren?

Schließlich: Wer soll das administrieren bzw. überwachen? Die Liga will schon jetzt mit den Verträgen nichts zu tun haben, Spieler, die wie in Ljubljana auf ausstehende Gehälter warten, können auf keinerlei Hilfe hoffen.

Und  das soll bei Gehaltsobergrenzen funktionieren? Auch in Dänemark gibt man zu, bei eventuellen Mogeleien nichts ausrichten zu können, in der DEL  hielt sich ein derartiges Projekt genau ein Jahr – findige Klubs ließen Gehaltsteile halt einfach als Zahlungen an die Golflehrer der Spielerfrauen einfließen.

Chancengleichheit? In der NHL ist die Salary Cap nur eine von mehreren Maßnahmen (Draft System, Revenue Sharing) zur angestrebten Leistungsnivellierung. Und gerade in Dänemark ist der Leistungsunterschied zwischen den einzelnen Teams gewaltig.

  • Limitierung der Transferkartenspieler

Beispiel: Italien

 Ergibt Limitierung der Legionäre

 Auch Doppelstaatsbürger werden zu Legionären

In Italien sind heuer die Transferkartenspieler auf fünf limitiert, allerdings nur solche mit limitierten Transferkarten.

Spieler mit unlimitierten Transferkarten – solche müssen bei der IIHF gesondert beantragt werden und gelten vor allem für Doppelstaatsbürger, die ihren Lebensmittelpunkt in Italien haben – können unbegrenzt eingesetzt werden. Will man wirklich über Spieler wie Brian Lebler oder Tyler Cuma diskutieren?

Auch hier hätten wir wieder das ureigene EBEL-Problem: Ein slowenischer Spieler bräuchte in Ljubljana keine Transferkarte, 80 Kilometer entfernt in Klagenfurt dagegen schon.

  • Koppelung der TV-und Sponsorgelder an Einsatz von Legionären und Jugendspielern („Österreicher-Topf“)

Beispiel: Österreichische Fußball-Bundesliga

 Finanzieller Aspekt könnte als Anreiz für einige Teams dienen

 Eben nur Anreiz, aber keine feste Regel

Zwei gewichtige Unterschiede zum Fußball, wo diese Regel für 18 von 20 Vereinen (Ausnahmen: Salzburg und Satellitenklub Liefering) funktioniert:

Die TV-und Sponsorengelder sind im Eishockey natürlich weit geringer.

Der Markt an österreichischen Fußballern ist natürlich weit größer als der an Eishockeyspielern.

  • Verpflichtender Einsatz von Jugendspielern

Beispiel: Tschechische Extraliga. Hier muss eine gewisse Anzahl von Jugendspielern (Jahrgang 1995 und jünger) auf dem Spielbericht stehen

 Gewisse Anzahl an Kaderplätzen für die Jugend reserviert

 Oft nur auf dem Spielbericht, ohne oder nur mit geringer Eiszeit

Eigentlich keine Alternative zur Punkteregelung, nur eine begleitende Maßnahme zu jedem System. Hat meist nur Placebo-Effekt.

Die "perfekte" Lösung gibt es nicht

Diese Übersicht zeigt: Eine Legionärsbeschränkung war lange Zeit der gangbare Weg in Europas Eishockeyligen, heute gibt es stattdessen eine Vielfalt an Modellen.

Daher steht fest: Ob die Punkteregel die österreichischen Cracks benachteiligt, kann nie in einem Vakuum diskutiert werden, sondern nur im Vergleich zu diesen Regelungen.

Nähme sich die EBEL etwa ein Beispiel an Finnland oder Schweden – beides keine Eishockey-Bananenrepubliken -, würden sich unsere Spieler das derzeitige System mit all seinen Problemen schnell wieder zurückwünschen.

Fazit: An Details darf (soll) gefeillt werden

Ein System, das sowohl Vereine wie auch Spieler völlig zufriedenstellt, wird kaum zu finden sein, vor allem wenn die Liga sich aus mehreren Nationen zusammensetzt.

Die Teams haben hier natürlich das Steuer in der Hand, seitdem sich die Liga vom Verband selbständig gemacht hat.

Immerhin herrscht derzeit eine gewisse Ruhe unter den Vereinen, Ljubljana oder Bozen können ihre finanzielle Bredouille sicher nicht auf die Punkteregelung zurückführen.

Ein Ende dieses Systems ist daher nicht in Sicht, doch an den Details darf auch sieben Jahre nach der Einführung weiter gefeilt werden.

 

Die Geschichte des Systems sowie dessen Stärken und Schwächen

Teil 1: Die Geschichte der Punkteregelung

Teil 2: Das objektive System – Die Parameter

Teil 3: Die Stärken und Schwächen des Systems

Die finanziellen Aspekte sowie die Auswirkungen auf Österreichs Eishockey

Teil 4: Die Punkteregelung als Salary Cap?

Teil 5: Schaden Legionäre Österreichs Eishockey?

Teil 6: Die Internationalität der EBEL – Fluch oder Segen?

Andere Systeme und deren Auswirkungen

Teil 7: Die Alternativen zur Punkteregelung

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