Adler-Sterben im Viertelfinale

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Adler-Sterben in der Erste Bank Eishockey Liga

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Zumindest in der EBEL sind die Adler eine aussterbende Rasse.

Sowohl Villach als auch Znojmo sind seit Sonntag im Sommerurlaub. LAOLA1 wirft im Scouting Report einen Blick zurück und schaut nach vorne.

Was wurde im Lauf der Saison richtig gemacht? Was lief falsch? Was müssen die beiden Teams im nächsten Spieljahr verbessern und welche Personalien gilt es zu beachten? 

 

Villacher SV:

Die Saison der Adler aus der Draustadt teilte sich in drei Phasen auf:

Zu Beginn fehlte es an der Sturm-Hierarchie, da die Neuverpflichtungen Francois Fortier (unerwartet) und Sean Ringrose (nicht überraschend) ausließen.

Erst als Jason Krog und Darren Haydar aus Zagreb kamen, ging es Schritt um Schritt nach oben. Im Dezember und Jänner spielten die Villacher ihr bestes Eishockey und gehörten zu den absoluten Top-Teams der Liga. Die sehenswerte Aufholjagd resultierte sogar noch im dritten Tabellenplatz nach 44 Runden.

Die Zwischenrunde gingen die Villacher dann allerdings wie gewohnt an, nämlich als lästige Pflichaufgabe. Dementis helfen hier nichts, zu erdrückend ist die Beweislage.

Die Pick-Round als lästige Pflicht

Von 30 Pick-Round-Games der letzten drei Saisonen gewann der VSV nur sieben, heuer überhaupt keines. Zum Vergleich: In den 17 Viertelfinalspielen im gleichen Zeitraum gelangen acht Siege.

Das Resultat: In den Playoffs sieht sich der VSV immer Liga-Kalibern gegenüber. Im Vorjahr ging das gegen die Capitals noch gut. Trotz starker Leistungen – die wohl gegen schwächere Gegner gereicht hätten – reichte es vor zwei Jahren gegen Linz und heuer Salzburg nicht zum Aufstieg.

Posterboys der Laissez-faire-Einstellung der Pick-Round waren Krog und Haydar, die völlig ihre Form verloren und diese auch in den Playoffs nicht mehr fanden. Irgendwann stieß dann auch Brock McBride nach einer tollen Saison an seine Grenzen, viel mehr an Abschluss-Qualität hatte der Kader dann nicht mehr zu bieten.

Desaströses Saisonende

Bei allem berechtigten Lob für die Leistungen gegen Salzburg. Von den letzten 17 Saison-Spielen gewann man genau eines - eine desaströse Bilanz.

Im Verein gibt es ohnehin zwei Meinungen über Coach Hannu Järvenpää. Bereits während der Saison wurden eventuelle Nachfolger kontaktiert. Der Verbleib des Finnen ist trotz eines aufrechten Vertrags wohl vor allem eine Frage der Finanzen und einer eventuellen Verfügbarkeit der Wunschkandidaten.

Ein Trainertausch - nur um des Tauschens willen - ist daher nicht zu erwarten.

Ab der Zwischenrunde jubelten Haydar und Krog nicht mehr so oft

Was machen Haydar und Krog?

Am Spieler-Sektor könnte Jason Krog von sich aus in den Sonnenuntergang reiten, bei Darren Haydar ist die Frage, welche Version man bei einer Vertragsverlängerung von ihm erwarten könnte.

Auf der Suche nach neuen Stürmern schlug Jeff LoVecchio jedenfalls ein VSV-Angebot aus, statt in der Tiroler Straße könnte er nun in Tirol landen.

Erik Hunter wird zu einem höchst überschaubaren Preis in der Liga feilgeboten, finanziell wäre sein Verbleib daher sicher machbar. Fragezeichen sollten auch hinter John Lammers und Marco Pewal stehen, Patrick Platzer wird wie jedes Jahr in der Liga angeboten, doch wer zahlt schon die Ausbildungsentschädigung von 30.000 Euro?

Geht Altmann nach Wien?

In der Defensive könnte Mario Altmann nach sechs Jahren wieder nach Wien zurückkehren und so seinem Kollegen Klemen Pretnar nachfolgen.

Neben dem bereits verpflichteten Andy Canzanello ist wohl noch Platz für mindestens zwei neue Legionäre. Gerhard Unterluggauers Verbleib sollte allerdings gegeben sein. 

Bei allen anstehenden personellen Umwälzungen: Die Einstellung zur Pick-Round wäre sicher die gewichtigste Änderung für die nächste Saison.

 

 HC Znojmo

The same procedure as every year: Im Viertelfinale ist für die Tschechen Schluss, egal wie der Gegner heißt.

Ob die Pick-Entscheidung (KAC und nicht Wien) eine kluge war, darf bezweifelt werden, doch die Probleme sind schon seit Jahren in den Playoffs dieselben.

Die Goalie-Leistungen sind bestenfalls durchwachsen, oft nicht einmal das. Der während der Saison nachverpflichtete Christ Holt wurde zweimal von Coach Jiri Reznar (hat ohnehin stets einen kurzen Geduldsfaden mit seinen Torhütern) ausgewechselt.

Patrick Nechvatal kann immerhin von sich behaupten, in den letzten beiden Spielen fehlerfrei gehalten zu haben, da ließ dann allerdings wieder die Offensive aus.

Leistungsträger ließen aus

Zu oft zerfallen die "roten Adler" in ihre Einzelteile und werden zu einer Ansammlung von Individualisten, allerdings ohne Resultate.

Im Gegensatz zum KAC, wo die besten Spieler wirklich die besten waren (Koch, Setzinger, Pöck, Jacques, Lundmark), konnten die Top-Guys von Znojmo höchstens punktuell (Adam Havlik, Martin Podesva) Akzente setzen.

Peter Pucher und Richard Pavlikovsky war ihr Alter anzumerken, Roman Tomas (25 Tore im Grunddurchgang) wäre - hätte er sein Engagement noch um eine Stufe zurückgeschraubt - fast in ein Wachkoma gefallen.

Hätte Pavel Rosa (mit einer Nackenverletzung schon seit langem out) hier einen positiven Eindruck hinterlassen oder wäre er mituntergegangen?

Die Tschechen verteidigten oft viel zu hektisch

Viele dumme Strafen

Vor allem in der Defensive werfen die Tschechen leicht ihre Nerven weg und beginnen dem Puck und dem Gegner nachzuhetzen.

Zu oft befinden sich die Adler auf der falschen Seite der Scheibe, zu oft können sich Gegner in ihrem Rücken freistehlen. Ein oder zwei "Stay-at-home-Defender" bzw. Defensiv-Center würden dem Team sicher gut tun.

Während die Gegner über Physis ins Spiel finden und in ihren Checks subtiler agieren, ließen sich die Tschechen heuer zwar körperlich nicht einschüchtern, nahmen aber dumme und vor allem offensichtliche Strafen.

Bestes Beispiel: Die Fünf-Minuten-Strafe von Jan Lattner im letzten Spiel, ein Lehrbuch-Beispiel für einen Check ohne Scheibe und daher Behinderung.

Am Ende eine Enttäuschung

Eine durchaus gediegene Saison (dritter Platz nach der Zwischenrunde!) endete also wieder einmal mit einer Enttäuschung.

Die Tschechen müssen den sehr breiten Kader über den Sommer auf Contender und Pretender durchleuchten, der einheimische Markt gibt natürlich Quantität her, die Suche nach EBEL-(Playoff)-Qualität wird aber wieder keine leichte sein.

Das gilt umso mehr, als die Gehälter in Znojmo höchst überschaubar sind. Der Topverdiener kam auf knapp 40.000 Euro brutto, um denselben Nettobetrag findet man in Österreich bestenfalls durchschnittliche Einheimische oder Legionäre.

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