HC Bozen steht vor der Aufnahme in die EBEL

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Es sieht gut aus. Es sieht sogar sehr gut aus.

Der HC Bozen steht unmittelbar vor dem Eintritt in die Erste Bank Eishockey Liga und würde das Dutzend an Klubs doch noch voll machen.

Nach dem Abgang von Medvescak Zagreb in die KHL sah es lange Zeit so aus, als würde die EBEL die Saison 2013/14 mit nur elf Vereinen bestreiten müssen. Auch weil eine Rückkehr von Jesenice abgelehnt wurde.

"Großen Schritt näher"

Doch das Bemühen der Italiener und der EBEL hat sich ausgezahlt.

"Wir sind der Sache einen großen Schritt näher gekommen", berichtet Liga-Geschäftsführer Christian Feichtinger im Gespräch mit LAOLA1.

Der Oberösterreicher traf sich Mittwochnachmittag mit den Südtiroler Verantwortlichen, allen voran mit Geschäftsführer Dieter Knoll.

„Wir sind die Vorgabenliste für die Aufnahme durchgegangen. Die haben wir weitestgehend abgearbeitet. Ein, zwei Punkte müssen noch mit dem Liga-Präsidium abgesprochen werden", schildert Feichtinger.

Verband erlaubt Übertritt

Der wichtigste Punkt kam dabei von außen. "Wir sind während dieses Gesprächs informiert worden, dass der italienische Verband sein prinzipielles Okay zu diesem Übertritt gegeben hat."

Bozen wollte schon länger um Aufnahme in die EBEL ansuchen, doch ließ man die "Foxes" nicht ziehen. Nun steht fast nichts mehr im Wege.

Die Klubs müssen noch in persona ihrer Präsidenten ihre Zustimmungen geben, aber es ist klar: Alle wollen wieder eine Liga mit zwölf Klubs.

Details werden geklärt

Und Bozen will in die EBEL. Was soll noch schiefgehen?

"Ich bin immer vorsichtig und glaube erst etwas, wenn es unterschrieben ist", will Feichtinger nichts verschreien, weiß er doch: "Die Vorgabenliste, die für alle Klubs gilt, ist keine kurze, da gibt es für Bozen noch etwas zu tun. Dr. Knoll zeigte sich jedoch euphorisch und wird alles versuchen, um das hinzubekommen.“

Zusatz: "Die Richtung stimmt." Das spiegelt auch die italienische Klub-Homepage wider, die bereits über den Liga-Wechsel jubelt.

Nächste Woche endgültiges Ja

Wie geht es nun weiter? Durch einen Umlaufbeschluss holt sich die Liga das Okay der anderen Vereine. Am Donnerstag kommt es erstmals zu einem Gespräch zwischen dem italienischen Verband und der EBEL.

Zudem spricht der HC dann am Montag mit diesem, um landinterne Bedingungen wie etwa hinsichtlich es Nachwuchses zu klären.

Bis kommenden Mittwoch müssen die Bozener die finanziellen Vorgaben erfüllt haben.

"Ich gehe davon aus, dass Mittwoch oder Donnerstag nächste Woche alle Dinge soweit abgearbeitet sind, dass die Bestätigung erfolgen kann. Ich bin zuversichtlich", blickt Feichtinger positiv in die Zukunft.

Zumal am Spielplan für eine 12er-Liga schon seit Montag gebastelt wird.

Feichtingers Vorfreude und Kritik

Der EBEL-Geschäftsführer freut sich naturgemäß, sollten die Bemühungen nun endgültig zu einem positven Ende führen.

"Das würde mich extrem freuen. Wir würden wieder mit zwölf Teams spielen, hinzu kommt eines aus einem prestigeträchtigen Land, das wie Zagreb eine Halle mit einer Kapazität von 7000 Zuschauern hat.“

Apropos Zagreb: Der Abzug der Kroaten gen Osten stößt Feichtinger noch etwas säuerlich auf, vor allem aufgrund des Vorgehens seitens der KHL.

EBEL-Geschäftsführer Christian Feichtinger war Mittwoch in Bozen

„Die EBEL ist keine Piraten-Liga, die einfach, ohne irgendwelche internationale Regeln zu befolgen, vorgeht, wie das vielleicht manch andere weiter im Osten beheimatete tut. Es ist gut, dass die Verbände miteinander sprechen und alle willig sind, Lösungen zu finden.“

Die Atmosphäre in Bozen passt: „Hier herrscht große, positive Stimmung für das Produkt EBEL." Feichtinger zeigt sich auf seiner Autofahrt zurück nach Österreich folglich "zufrieden".

Italienischer Rekordmeister

Kann er auch sein. Denn eine Teilnahme des HC Bozen wird die Liga auch sportlich aufwerten. Der italienische Rekordmeister gehört zu den besten Vereinen auf dem Stiefel und verfügt über eine langjährige Eishockey-Tradition.

Gegründet wurde der Verein 1933 und bis zum heutigen Tag konnten die Südtiroler 18 italienische Meisterschaften für sich entscheiden.

Elf nationale Krönungen erlebte man in der Messehalle, bevor man in die eigens für die Weltmeisterschaft 1994 erbaute neue Halle, die sogenannte „Eiswelle“, umzog, um dort weitere sieben Titel zu bejubeln.

Eine Aufnahme in eine von Österreich aus gemanagte Liga ist für die „Foxes“ ebenfalls kein Neuland, bereits in den 90er Jahren nahm man an der Alpenliga teil, die 1992 auch gewonnen werden konnte.

Jagr mit Gastspiel

Den sportlichen Höhepunkt auf der internationalen Bühne erlangte der Verein laut eigenen Angaben 1994 als der HCB den Sieg im Sechs-Nationen-Turnier davontragen konnte.

Den Höhepunkt für die Zuschauer stellte hingegen der NHL-Lockout 1994 dar, als kein geringerer als Jaromir Jagr für sechs Spiele das Jersey des HC Bozen überstreifte. Mit acht Treffern und acht Assists gab der damals 22-jährige Tscheche ein ordentliches Gastspiel ab.

Ein ordentliches Gastspiel würde gewiss auch der traditionsreiche Klub aus Südtirol in der EBEL abliefern. Es steht unmittelbar bevor.

 

Bernhard Kastler / Sebastian Rauch

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