From Hero to Zero

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Für Westlund gibt es in Linz keine Zukunft

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Im Spitzensport zählt nur Leistung. Heute noch der gefeierte Held, morgen schon der Sündenbock.

Linz-Torhüter Alex Westlund musste dies am eigenen Leib erfahren. Der US-Amerikaner stand seit 2008 insgesamt 263 Mal für die Black Wings Linz im Kasten. In vier Saisonen für die Stahlstädter konnte er jeweils über 90 Prozent der auf ihn abgefeuerten Schüsse entschärfen, wurde 2010 zum MVP der Erste Bank Eishockey Liga gewählt und krönte seine Leistungen mit dem Gewinn der Meisterschaft 2012.

Rauswurf kam für Westlund überraschend

Seit vergangen Freitag muss sich der Held des Meisterjahres allerdings nach einem neuen Verein umsehen. Black-Wings-Manager Christian Perthaler teilte seinem Spieler in einem kurzen Gespräch mit, dass mit David LeNeveu ein neuer Einser-Goalkeeper verpflichtet wurde und man daher nicht mehr länger mit ihm plane.

Eine Entscheidung, die der Torhüter sportlich zwar nachvollziehen kann, die ihn aber trotzdem aus heiterem Himmel traf, wie er im Gespräch mit LAOLA1 verrät.

„Ich war total überrascht. Ich war logischerweise auch nicht glücklich mit meinen bisher gezeigten Leistungen, aber dass der Wechsel jetzt so schnell vollzogen wurde, hat mich doch überrumpelt“, ist sich Westlund bewusst, dass er schon die gesamte Saison in einer Formkrise steckt.

„Ich hätte besser spielen müssen“

Kassierte er nämlich sonst durchschnittlich etwa 2,5 Tore pro Spiel, musste er in der Spielzeit 2012/2013 3,69 Mal pro Partie hinter sich greifen. Seine Fangquote sank auf unter 90 Prozent. Auch wegen der schwachen Torhüter-Performance befinden sich die Linzer befinden nach 19 Runden nur auf dem enttäuschenden siebten Platz und weisen bereits elf Punkte Rückstand auf Tabellenführer Vienna Capitals auf.

Doch nicht nur die nackten Statistiken sprachen gegen Westlund. Der sonst so sichere Rückhalt leistete sich neben ungewöhnlich vielen Unkonzentriertheiten auch den einen oder anderen groben Patzer, den man von einem Spieler seines Kalibers einfach nicht gewohnt war.

„Wir haben auf jeden Fall mehr Tore kassiert, als uns lieb war. Wir sind zwar defensiv nicht mehr so stabil und das ist ein Schwachpunkt der ganzen Mannschaft, am Ende des Tages muss ich mich aber selbst an der Nase fassen und zugeben, dass ich besser hätte spielen müssen. Ich habe schlecht gespielt, wenn wir defensiv schwach waren, ich war aber auch nicht stark genug, wenn wir gut verteidigt haben. Ich hätte einfach besser sein müssen“, spart der 36-Jährige nicht mit Selbstkritik.

Westlund mit dem Meisterschaftspokal

Westlund wird die Fans vermissen

Trotz des abrupten und enttäuschenden Endes wird er immer gerne an seine Zeit bei den Linzern zurückdenken, was er vor allem auf die Atmosphäre innerhalb des Teams zurückführt.

„Das Mannschaftsklima hier werde ich nie vergessen. Die Chemie stimmt einfach. Sowohl in der Kabine als auch abseits der Halle kommen hier alle gut miteinander aus.“

Angesprochen auf die schönste Erinnerung, die er mit Linz verbindet, antwortet Westlund wie aus der Pistole geschossen: „Der Titelgewinn letztes Jahr war natürlich der tollste Moment. Es ist einfach ein super Gefühl, wenn man für ein Jahr harter Arbeit belohnt wird.“

„Aber Linz ist für mich nicht eine einzige Erinnerung, sondern ein spezielles Gefühl, das ich mit der Stadt verbinde. Das Team, die Fans, die Leidenschaft, das werde ich auf jeden Fall vermissen.“

Verbleib in der EBEL unwahrscheinlich

Was seine Zukunft betrifft, hat der Torhüter noch keine konkreten Pläne, was aufgrund seiner plötzlichen Ausbootung auch nicht verwunderlich ist. „Ich halte mir momentan alles offen. Ich werde Angebote sondieren. Man muss abwarten und schauen, was kommt.“

Man kann jedoch davon ausgehen, dass er Österreich eher den Rücken kehren wird, denn obwohl er betont, seine Zeit hier sehr genossen zu haben, zieht es ihn auf der Suche nach einer neuen Herausforderung ins Ausland.

„Meine erste Wahl wäre es, ein neues Land kennenzulernen und in einer anderen Liga zu spielen, aber das hängt natürlich von den Angeboten ab“, schließt Westlund einen Verbleib in der EBEL jedoch nicht kategorisch aus.

Egal wo er landen wird, man kann ihm nur wünschen, dass er einen Verein findet, bei dem er wieder zum Helden werden kann.

 

Fabian Santner

Linzer Performance nicht nur Schuld des Keepers

Eishockey ist und bleibt allerdings ein Mannschaftssport. Den schwachen Saisonstart der Linzer nur auf den Goalie abzuwälzen, wäre zu einfach.

„Wir hatten im Meisterjahr einen guten Start und kamen dadurch in einen Lauf. Diese Saison haben wir in den bisherigen 19 Spielen nur ein einziges über 60 Minuten überzeugt. Das war im Heimspiel gegen Graz. In allen anderen Partien hatten wir vielleicht ein oder zwei gute Drittel, aber auch einige ganz schwache Minuten und die haben uns viel gekostet“, ortet der Keeper die fehlende Konstanz als Hauptursache für die Krise.

Tatsächlich ist der Meister äußerst unbeständig in die Saison gestartet. Bis zur elften Runde konnte man nur einmal zwei Spiele in Folge gewinnen. Auf ansprechende Leistungen, die an die vergangene Saison erinnerten, folgte immer wieder ein Dämpfer.

Zeitpunkt wirft Fragen auf

Zuletzt war jedoch ein Aufwärtstrend zu erkennen. In den letzten neun Runden verließen die Linzer das Eis sechsmal als Sieger. Man kann also verstehen, warum es Westlund sauer aufstößt, dass sich die Linzer ausgerechnet jetzt für einen Wechsel auf der Torhüterposition entschieden haben.

„Gerade wenn man bedenkt, dass die Transfer-Deadline bis zum 15. Dezember verlängert wurde, kann ich den Zeitpunkt der Entscheidung nicht verstehen“, hätte der Schlussmann gerne noch etwas mehr Zeit und Vertrauen gehabt, um wieder in die Spur zu finden.

Da er sich mit seiner Familie in Linz sehr wohl fühlt, ist es für den US-Amerikaner doppelt schwer, seine Zelte abzubrechen. „Meine Frau und ich sind sehr traurig und enttäuscht. Ich hätte gerne noch ein paar Jahre hier gespielt, aber jetzt ist es anders gekommen und damit muss man sich abfinden.“

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