Ein Gentleman genießt und schweigt

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Wir schreiben den 8. März 2011.

Die Black Wings Linz beendeten mit einer 2:5-Niederlage gegen Villach (Serie 1:4) im Viertelfinale der Erste Bank Eishockey Liga eine mehr als durchwachsene Saison eher sang- und klanglos.

Schon seit Wochen brodelte es hinter den Kulissen, der Vorstand war mit der Arbeit des Head Coachs Kim Collins nicht mehr zufrieden.

Kurz nach dem Ausscheiden aus dem Bewerb trennte man sich vom Kanadier, der die Oberösterreicher ein Jahr zuvor noch sensationell ins Finale geführt hatte.

Collins geht, Daum kommt

Doch nicht nur Collins musste seinen Platz räumen, mit ihm hatten zahlreiche arrivierte Spieler ausgedient. Die Black Wings Linz wollten einen radikalen Schnitt vollziehen, einen Neustart wagen.

Erster Kandidat für die Nachfolge Collins war für Manager Christian Perthaler ein schüchtern wirkender Kanadier, der in Europa noch ein unbeschriebenes Blatt war.

Sein Name: Rob Daum.

Der Kontakt entstand über einen befreundeten Manager aus Schweden, der in höchsten Tönen über den ehemaligen Assistant Coach der Edmonton Oilers sprach und Perthaler die Telefonnummer besorgte

„Ich habe ihn angerufen und er kam nach Linz, um sich einige Spiele anzuschauen. Wir haben uns lange unterhalten, unter anderem über seine Philosophie. Schon damals dachte ich, sollte er das einhalten können, was er verspricht, dann kann nichts mehr schiefgehen. Jetzt stehen wir hier und feiern den Meistertitel. Ich würde sagen es ist genauso gekommen“, war der Manager vom ersten Moment an Feuer und Flamme für seinen künftigen Head Coach.

Neue Besen kehren gut

Nachdem auch von Seiten des Favoriten auf die Collins-Nachfolge reges Interesse an einem Engagement bestand, wurden sich die Parteien schnell einig. Mit dem neuen Trainer kamen 13 neue Spieler nach Linz, die Großteils auf den Wunsch des  Kanadiers verpflichtet wurden. So zauberte Daum Cracks wie Rob Hisey, Curtis Murphy oder Danny Irmen aus dem Hut.

„Er hat von Beginn an viel im Verein verändert, die Mannschaft komplett umgekrempelt und neu zusammengestellt. Es macht Spaß mit so einem Profi zusammenzuarbeiten“, war auch Kapitän Philipp Lukas von Beginn an von seinem neunen Chef überzeugt.

Der Rest ist weitgehend bekannt. Der Kanadier sollte in der Folge die Vorschusslorbeeren bestätigen.

Nach einer erfolgreichen Vorbereitung gingen die Black Wings souverän als Spitzenreiter aus dem Grunddurchgang hervor. Nach der Zwischenrunde, die ebenfalls auf Platz eins beendet wurde, krönten sich die Stahlstädter mit einem  4:1-Erfolg in der Final-Serie über den KAC  zum Meister.

"Die Klagenfurter haben ein starkes Team und auch wenn 4:1 am Ende recht deutlich aussieht, war die Serie sehr knapp. Sie waren ein würdiger Final-Gegner und die beiden Mannschaften unterscheidet nicht viel“, lobt Meistermacher Daum nach dem gewonnen Spiel fünf den Kontrahenten.

Kein Prahlerei

Sowohl Spielern als auch Fans und Funktionären ist klar, dass der Professor, wie er mittlerweile genannt wird, der Vater des Erfolges ist. Dem bescheidenen Kanadier würden Worte der Selbsthuldigung und des Eigenlobes aber niemals über die Lippen kommen.

„Ich denke nicht, dass es nur eine bestimmte Komponente war, die am Ende den Ausschlag gegeben hat. Es war natürlich sehr wichtig für uns, dass wir in den Spielen immer in Führung gegangen sind“, analysiert der Linzer Trainer ganz sachlich den Triumph über die Klagenfurter, um gleich darauf seinen Dank auszusprechen.

„Es war eine Traum-Saison für uns und wir haben Tolles erreicht. Die Stadt, die Fans und die gesamte Organisation waren wunderbar und es war ein herausragendes Jahr für mich.“

Während Daum also die anderen lobt, loben die anderen ihn. Manager Perthaler kann seine Begeisterung über seinen Head Coach nicht verbergen.

„Er ist der Kopf des Unternehmens und schlicht Weltklasse. Ich habe sowohl als Spieler, als auch als Manager mit vielen Trainern gearbeitet, aber er ist der Beste, mit dem ich je zu tun hatte.“

Daum wiederum streicht lieber seine Mannschaft heraus und denkt nicht daran, einen Teil des Titels für sich in Anspruch zu nehmen.

„Immer wenn eine Mannschaft den Titel gewinnt, muss der Blick auf den Torhüter gerichtet sein. Alex (Westlund, Anm.) hat ein sehr gutes Playoff gespielt und man kann ohne eine solide Torhüterleistung in der Postseason nicht bestehen. Aber es bleibt das Kollektiv herauszustreichen. Von der Nummer eins bis zu Spieler Nummer 25 hat jeder seinen Beitrag geleistet. Es war eine Teamleistung“, hält sich Daum auch nach mehrmaliger Nachfrage nach dem Vater des Erfolgs zurück.

Prahlerei liegt nunmal nicht in seinem Naturell.

Ein Start nach Maß

Verteidiger Fabian Scholz, der seit 2010 bei den Linzern unter Vertrag steht, gibt ein wenig Einblick in die tägliche Arbeit mit dem Linzer Mastermind.

„Er zerlegt jedes Spiel ins kleinste Detail. Für mich ist dieser Mensch schlicht unglaublich. Charakterlich ein super Typ, als Coach beinhart und in den entscheidenden Momenten zaubert er einen Geniestreich aus dem Talon. Er sieht die Kleinigkeiten. Er macht keine großen Sachen, sondern er drillt uns auf die Details. Wenn wir einen Meter falsch fahren, stellt er uns diesen einen Meter wieder zurück. Das ist wahrscheinlich der beste Coach, den ich in meiner Karriere je haben werde“, kommt Scholz aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus.

Scholz und Co. werden noch mindestens zwei weitere Jahre das Vergnügen haben, mit Daum zusammenzuarbeiten. Der Coach unterschrieb nämlich bei Dienstantritt einen Dreijahres-Vertrag, der ursprünglich mit einem Dreijahres-Plan einherging.

Im ersten Jahr wollte man sich bis ins Halbfinale vorkämpfen, im zweiten sollte das Finale und im dritten Jahr der Meistertitel folgen. Dieses Vorhaben machte Daum bereits in seiner ersten Saison zunichte.

„Wir haben die Erwartungen, welche wir zu Beginn der Saison hatten sicher übertroffen. Als die Saison so erfolgreich verlief und wir gesehen haben, wie konkurrenzfähig die Mannschaft ist, hatten wir natürlich auch den Titel im Visier“, verrät der Trainer, dass die Ziele ein wenig nach oben korrigiert wurden.

Doch wer glaubt, die Linzer wären nun bereits nach einem Jahr am Ziel angelangt, der irrt. Der 54-jährige Kanadier hat in den kommenden Jahren noch viel vor.

„Wir wollen nun darauf aufbauen, denn man bildet keine Sieger-Tradition in nur einem Jahr. Dies ist ein guter Start.“

Einer, wie ihn sich die Verantwortlichen am 8. März 2011 wohl nur hatten erträumen können.

Bernhard Kastler/Sebastian Rauch

 

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